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Corona-Krise trifft auch Lamahof Tieren in Loßburg wird es langweilig

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Die Krise kann nichts daran ändern: Nadja Viehmann liebt ihre sieben "Jungs". Foto: Noack

Nadja Viehmann, Betreiberin des Lama-Hofs in Loßburg, und Kerstin Noack, Reiseveranstalterin für Kameltrekking-Touren im Orient, helfen sich gegenseitig durch die Krise. Die finanziellen Sorgen bleiben dennoch. Viehmann kann sich mit ihrem Hobby kaum noch über Wasser halten. Warum sie auf Unterstützungsgelder nicht hoffen kann, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Loßburg - Ein Corona-Sonderprogramm für sieben Lama-Männchen, die nicht mit Gruppen wandern durften, haben sich Nadja Viehmann und Kerstin Noack im Sommer überlegt. Aus dem Projekt entstanden Freundschaften, die vielen Teilnehmern langfristig aus der Isolation helfen konnten.

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Zwei Lama-Frauen im Corona-Jahr haben sich in der schwersten Zeit gefunden und gemeinsam das Beste daraus gemacht. Nadja Viehmann halfen die "Lama-Tage" mit ihrem ungewöhnlichen Hobby über die Runden, als Wanderungen nicht angeboten werden durften. Sie betreibt den Viehmann-Lamahof in Loßburg. Hätte Kerstin Noack, Reiseveranstalterin mit Schwerpunkt Kameltrekking im Orient, sich nicht bei Viehmann gemeldet, wäre es dazu jedoch nie gekommen. Noack wurde durch Corona selbst am Arbeiten mit den geliebten Tieren gehindert und war deshalb auf der Suche nach einem Leidensgenossen. Mit ein paar Themennachmittagen, die die beiden gemeinsam auf die Beine stellten, war es aber nicht getan.

Den Tieren wird so langsam langweilig

An der Situation der Frauen hat sich bisher wenig geändert. Die Reisebranche zum Beispiel liegt nach wie vor lahm. "Afrika und der Orient, meine Gebiete, sind großteils Risikogebiete", bedauert Noack. "Es ist nach wie vor sehr schwer für uns Reiseleiter." Ähnlich sieht es bei Viehmann aus. Den Tieren, so Viehmann, sei schon langweilig. Sie haben ein paar Speckröllchen angesetzt. Deswegen müssen sie sich hin und wieder doch bewegen.

Am vergangenen Sonntag sei Noack bei ihrer Freundin Nadja Viehmann gewesen. Die beiden unternahmen eine Lama-Winterwanderung durch den Loßburger Wald. "Der Schwarzwald ist gerade wunderschön. Ein richtiges Wintertraumland", schwärmt die Reiseveranstalterin aus Rheinau. Nur der Touristenansturm auf der Schwarzwaldhochstraße, über die sie anreiste, habe sie schockiert. "Die ganze Straße ist so zugeparkt, dass man nicht einmal kurz anhalten könnte, wenn man es wollte. Die Leute laufen einfach auf der Straße. Da muss man höllisch aufpassen." Aber sie schaffte es sicher an ihr Ziel in Loßburg.

Besuchergruppen bleiben seit Herbst aus

Noack habe Viehmann ein Fotoalbum geschenkt, mit Bildern von allen Touren und Veranstaltungen, die sie seit dem vergangenen Sommer zusammen auf die Beine gestellt hatten. "Die Leute auf den Fotos strahlen richtig", freut sich Noack. "Da kann man immer noch sehen, wie glücklich die Tiere sie gemacht haben." Die Mädelstag-Gruppe halte nach wie vor Kontakt per Whats­app und jeden Freitag gebe es ein Gruppen-Telefonat. "Nadja und ich halten uns da etwas raus, schließlich kann ich als Reiseveranstalterin nicht mit jeder Gruppe hinterher in Kontakt bleiben", erklärt sie. "Aber wir sehen, wie innerhalb der Gruppen Freundschaften entstanden sind. Es werden dadurch gerade viele aus der Isolation geholt."

Die beiden Lama-Frauen bleiben optimistisch, so gut es geht. Noack baut gerade ihr zweites Standbein im kreativen Bereich weiter aus. Auf ihrer neuen Homepage findet sich allerlei zum Thema Nähen, Gestalten und zu Küchenexperimente.

Die beiden Frauen haben am vergangenen Sonntag außerdem ihre "gemeinsame Strategie 2021" besprochen. Alles, so Noack, drehe sich natürlich um das Thema "Lama". Viehmann wünscht sich auf das Frühjahr wieder Wanderungen und Events, aber konkret sei noch nichts. "Man kann bei der Situation einfach nicht planen", meint sie.

In den vergangenen drei Monaten konnte sie keine Touren unternehmen. "Die Leute haben sich im Herbst nur noch vereinzelt gemeldet", erinnert sie sich. "Mit dem Landratsamt war ich die ganze Zeit in Kontakt, weil sich die Regelungen gefühlt täglich geändert haben." Als dann die Zwei-Haushalte-Regel wieder da gewesen sei, seien Touren gar nicht mehr möglich gewesen. Sie braucht eine Mindestteilnehmerzahl. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen, weil sie ungern mit nur zwei oder drei Lamas unterwegs sei. "Sie laufen zwar mit, sind aber nervös, wenn der Rest der Herde fehlt", erklärt die Frau. "Dann fangen sie an zu jammern. Sie geben dann brummelde Laute von sich." Am besten sei es, mit mindestens fünf unterwegs zu sein. Doch das liegt in weiter Ferne. "Die Krise wird sich noch ziehen", ist sich die Hobby-Lama-Halterin sicher.

So sehr sie ihre Lamas liebe, sie bedeuten auch finanzielle Sorgen. "Ich kriege keine Corona-Soforthilfe, weil ich das nicht hauptberuflich mache." Ihre Haupttätigkeit habe sie im Krankenhaus. Auch was die Überbrückungsgelder angeht, sei sie bisher durch alle Raster gefallen. "In der Politik heißt es immer, es werde geholfen und es stehen Milliarden zur Verfügung", überlegt Viehmann. "Aber ich als ›kleiner Mann‹ jedenfalls habe nicht viele Chancen, an Unterstützung zu kommen." Sie fühlt sich allein gelassen. "Und selbst wenn ich die Lama-Wanderungen aufgeben wollte, kann ich die Jungs ja nicht in die Ecke stellen. Die haben trotzdem Hunger." Sie komme kaum noch über die Runden. Dieses Jahr müsse dringend etwas passieren. "Ich habe keine Ahnung, wo die Reise hin geht." Das finanzielle Desaster lasse sich nach der Krise auch nicht mehr reinholen, indem sie doppelt so oft wandere. "Da zeigen meine Jungs", wie sie ihre Lamas gerne nennt, "mir den Vogel. Die machen das nicht mit." Was dieses Thema angehe, sei sie wenig zuversichtlich. Das schlage ihr aufs Gemüt. "Sogar bei den paar Touren im Sommer saß mir immer die Angst im Nacken, dass sicher bald der nächste Einbruch kommt."

Lamas verwandeln sich in weihnachtliche Rentiere

Viehmann sei bewusst, dass sie nicht die einzige sei. Sie wolle nicht jammern. "Das Fotoalbum von Kerstin hat mir gezeigt, dass wir schöne Momente festhalten müssen." Beim Blick aus dem Fenster, vor dem die Koppel ist, starren drei ihrer "Jungs" sie erwartungsvoll an. "Die hoffen jetzt darauf, dass eine Möhre aus dem Fenster fliegt", sagt sie und lacht. "In solchen Momenten wird mir klar, dass wir öfter dankbar sein sollten, für das was wir haben."

Zum Jahresabschluss gönnten sich die beiden Frauen eine kleine Weihnachtstour bei Wälde. Sie verkleideten die Lamas als Rentiere oder Nikoläuse und hielten den Spaß auf Fotos fest. Denn so ernst das Leben sein kann, sind sie sich einig, brauche es hin und wieder auch etwas zum Schmunzeln.

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