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Corona-Krise Gechinger Betreiber kämpfen um ihr Taxiunternehmen

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Marianne (links) und Petra Groß sehen für ihr Taxiunternehmen derzeit schwarz. Foto: Fritsch

Keine Touren zum Stuttgarter Flughafen mehr, keine Bestrahlungsfahrten zum Krankenhaus und der Schülertransport als feste Einnahmequelle ist weggefallen - Marianne und Petra Groß aus Gechingen kämpfen in der Corona-Krise um ihr Taxiunternehmen. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Gechingen - Petra Groß  gehört zu den Menschen, die sich nicht so leicht unterkriegen lassen und in schwierigen Situationen immer einen Plan B oder  C haben. Doch diesmal ist sie ratlos. Eigentlich wollte sie das Taxiunternehmen ihrer Mutter Marianne weiterführen, doch dessen Existenz ist wegen der Folgen der Corona-Krise ungewiss.

Taxi Groß gibt es seit mehr als 38 Jahren. "Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich mit im Taxi unterwegs und seit 20 Jahren leite ich die Firma", berichtet die 50-Jährige. Als 20-Jährige habe sie selbst mit dem  Taxifahren angefangen, wofür  in ihrem Alter damals eine  Ausnahmegenehmigung notwendig gewesen sei.

In normalen Zeiten zwei Fahrten pro Tag zum Stuttgarter Flughafen

Seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 ist das Geschäft um rund 80 Prozent eingebrochen, berichten Petra und Mutter Marianne (70). Sechs Fahrzeuge waren  vor der  massiven Ausbreitung des Coronavirus und den damit verbundenen Einschränkungen für  Taxi Groß  auf der Straße unterwegs. "Wir haben dann auf vier Fahrzeuge reduziert, und jetzt sind es noch zwei", berichtet die Tochter. Dabei habe es  im Sommer nach einer zumindest leichten Besserung der Lage ausgesehen.

In normalen Zeiten haben Petra Groß und die Aushilfsfahrer zwei Mal täglich Fahrgäste zum Stuttgarter Flughafen gebracht, "seit dem Lockdown war es gerade mal eine Fahrt dorthin, und ein einziges Mal in all den Monaten haben wir Hochzeitsgäste nach Hause gebracht". Auch die Zahl der Krankenfahrten habe merklich abgenommen: "Wegen des Aufnahmestopps in Krankenhäusern habe wir momentan keine Bestrahlungsfahrten, Ende Januar haben wir eine einzige in Aussicht". Monatlich würden sonst Tankkosten von 600 bis 800 Euro anfallen sein, zuletzt seien es rund 90 Euro gewesen.
Erschwerend kam für Taxi Groß dazu, dass die Fahrten für das Stammheimer Sprachheilzentrum (SHZ) – ein  nicht unerheblicher Teil der verlässlichen Einnahmen – wegfielen. "Wir sind 35 Jahre lang für das SHZ gefahren. Diese Leistung wurde jüngst aber wegen des Leistungsvolumens europaweit auf fünf  Jahre ausgeschrieben.  Da konnten wir von vornherein nicht mitbieten, weil wir hätten in Autos und Fahrer investieren müssen", berichtet Marianne Groß.

Am liebsten würde Petra Groß die verbliebenen Fahrzeuge stilllegen, um sich die hohen  Versicherungsbeiträge zu sparen. "Das geht aber nicht, weil wir eine Betriebspflicht im Gemeindegebiet Gechingen haben", sagt sie. Die Versicherung sei ihnen aber für einen sechswöchigen Zeitraum etwas entgegen gekommen.

An Corona-Hilfsgelder sei ihr Betrieb noch nicht gekommen, berichten Mutter und Tochter. "Das ist so, weil  meine Mutter  Rente bezieht. Es ist laut  Behörden somit ein Einkommen da und  staatliche Hilfe ausgeschlossen", so  Petra Groß.

Autos mit Trennscheiben zum Fahrgastbereich ausgestattet

Zusätzliche Kosten hingegen seien dem Betrieb derweil unter anderem entstanden, weil die verbliebenen Autos mit Trennscheiben zum Fahrgastbereich ausgestattet werden mussten. Um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen, hatten zahllose Taxiunternehmer unter dem Dach des  Bundesverbands Taxi und Mietwagen e. V. sich Ende November  mit einem Schreiben an  Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gewandt (siehe "Info").

Ans Aufgeben denkt die 50-Jährige aber auch in der jetzigen, mehr als schwierigen Lage,  nicht. "Auch bei der  Gesundheitsreform vor Jahren haben wir harte finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen. Damals habe ich den Busführerschein gemacht und bin zusätzlich noch Bus gefahren", erzählt die  Gechingerin. Das sei  heute leider keine Option mehr, "weil es derzeit im Umkreis von 50 Kilometern keine Jobs als Busfahrer gibt". Petra Groß  hat "alles Unnötige gekündigt, auch meinen Handyvertrag", um den Betrieb am Laufen halten zu können.  Man lebe zurzeit eben sehr sparsam, "und ich will weitermachen in der Hoffnung, dass es  wieder  bergauf geht".

Am meisten geschmerzt hat Petra und Marianne Groß, zwei Aushilfen nach 30 Jahren im  Betrieb wegen der Krise  entlassen zu müssen. "Das tut weh, wenn man sich von treuen Seelen trennen muss", sagen beide.
Sparen, 2021 weiter   durchhalten und auf bessere Zeiten hoffen   lautet für Petra Groß nun die Devise, auch wenn es Tage gibt, an denen sie am liebsten nur die Bett­decke über den Kopf ziehen würde. "Aber Geld ist nicht alles. Hauptsache, man steht jeden Tag gesund auf", sagt die humorvolle Gechingerin. Bei ihnen im Haus werde trotz Krise oft viel gelacht – "in manchen Situationen über unseren Hund und manchmal sogar über uns selbst".

Info: Brandbrief an zwei Bundesminister

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. machte in einem Schreiben ans Bundesfinanz- und an das Bundeswirtschaftsministerium auf die  prekäre Lage des Gewerbes aufmerksam. Bis Ende 2021 werde  wegen der Corona-Krise bundesweit  mit einem Verlust von 12 000 Unternehmen im Bereich Taxi und Mietwagen sowie etwa 80 000 Arbeitsplätzen gerechnet, wenn keine zusätzlichen Hilfen gewährt würden.

"Als Branche unterstützen wir die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Unsere Unternehmen haben umgehend in Hygienemaßnahmen zum Schutz von Fahrgästen und Fahrpersonal investiert und  den Dienst als Teil der Daseinsvorsorge  trotz der wirtschaftlichen und  gesundheitlichen Herausforderungen aufrechterhalten", heißt es in dem Brief.

Das Taxi- und Mietwagengewerbe lebe von der Mobilität der Menschen, was derzeit nicht mehr möglich sei. Man sehe durchaus Bemühungen um wirtschaftliche Hilfestellungen, allerdings würden diese aus verschiedenen Gründen   bei Taxiunternehmen nicht ankommen. Kurzarbeit funktioniere nicht, wenn das Unternehmen einer Betriebspflicht unterliege oder aber aus einem Soloselbstständigen bestehe. "Überbrückungshilfen erkennen zwar Ladenmieten an, die Fahrzeugfinanzierung (Tilgung)  werde aber nicht als Kosten anerkannt, obwohl dies einer der wichtigsten Kostenfaktoren der Unternehmen sei.

Personalkosten werden laut Verband  nur als kleiner Anteil  am den sonstigen Fixkosten anerkannt, "was ein Geschäft mit rund zwei Dritteln Personalkostenanteil nicht angemessen abbildet". Erst recht, wenn eine Betriebspflicht auferlegt sei und das Personal somit  unweigerlich eingesetzt werden müsse. Der Verband fordert die beiden Bundesminister  auf, das Taxi- und Mietwagengewerbe  in den Blick zu nehmen: "Während andere Bereiche der Mobilität spezifische Hilfen bekommen (Busse, Bahnen, Fahgrzeughersteller, Luftfahrt), geht  das Taxi- und Mietwagengewerbe weitgehend leer aus", wird in dem Brief betont.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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