In Calw sind am Donnerstag Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdienstes von einem Jugendlichen angegriffen worden. (Symbolfoto) Foto: Rockafox – stock.adobe.com

Zwei Beamte des Calwer Ordnungsamts sind am Donnerstagmittag von Jugendlichen verprügelt worden. Und das nur, weil sie einen davon darauf hingewiesen haben, dass er keine Maske trägt.

Calw - "Ich bin ziemlich schockiert", räumt Oberbürgermeister Florian Kling ein. Am hellichten Tag, gegen 13.30 Uhr am Donnerstag, wurden zwei Mitarbeiter des städtischen Vollzugsdiensts von Jugendlichen verprügelt.

Laut Polizei waren die Beamten im Bereich der Nikolausbrücke unterwegs. Dort sprachen sie einen 16-Jährigen auf die geltenden Corona-Regeln an – er trug offenbar keine Maske. Dieser reagierte laut Mitteilung unmittelbar aggressiv, beleidigte die städtischen Mitarbeiter und schlug sogar auf sie ein. Dann floh er in Richtung ZOB.

Die Beamten des städtischen Vollzugsdienst folgten dem Jugendlichen und hielten ihn am ZOB fest. Offenbar Grund genug für zwei weitere Jugendlichen, sich einzumischen. Sie versuchten laut Polizei gewaltsam, den 16-Jährigen zu befreien. Als schließlich die zuvor alarmierte Polizei eintraf, flüchteten die beiden Jugendlichen. Einen erwischte die Polizei nach einer fußläufigen Verfolgungsjagd. Ihn sowie den 16-Jährigen nahmen sie mit auf das Polizeirevier. Ein Drogenvortest ergab laut Mitteilung der Polizei, dass die beiden Cannabis konsumiert hatten.

Der dritte Tatverdächtige wurde nach wie vor nicht gefunden. Dazu werden auch die Aufnahmen der ­Videoüberwachung im Bereich des Busbahnhofs ausgewertet.

Die beiden Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts haben durch die Attacke so schwere Verletzungen erlitten, dass sie zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt werden mussten und ihren Dienst danach nicht mehr fortsetzen konnten, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. "Ich hoffe, dass sie schnell wieder gesund werden", äußert sich Kling am Tag danach betroffen. Die Beamten hätten vor allem Schläge im Kopfbereich abbekommen.

Ebenso schockiert ist der OB über den Verlauf der Tat. Gegen einen Jugendlichen könnten sich die Beamten ja wehren – aber wenn sich zwei weitere ohne jeden Grund solidarisieren klappe das eben nicht mehr. "Dass es so eskaliert, kann ja keiner ahnen." Zumal der Gemeindevollzugsdienst – nicht zu verwechseln mit der Polizei – keinerlei Waffen bei sich trägt.

Polizei hinzugerufen

Bereits vor einiger Zeit jedoch habe die Stadtverwaltung beschlossen, dass die Mitarbeiter des Vollzugsdienst zukünftig zumindest Pfefferspray bei sich tragen sollten.

Eigens für diesen Einsatz haben sie einen Lehrgang absolvieren müssen. Jedoch ist Kling wichtig zu betonen, dass in keinem Fall Gewalt vom GVD ausgehen soll. Die Beamten sollen Konflikten grundsätzlich aus dem Weg gehen. Doch gerade in der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass das oft nichts bringt. Immer wieder habe es Fälle von Aggression ihnen gegenüber gegeben. In einem Fall zum Beispiel wurde einem Beamten die Maske weggerissen und ins Gesicht gehustet, erzählt Kling. "Aber sowas hatten wir noch nie."

Seiner Ansicht nach liege das daran, dass die Mitarbeiter Uniform tragen – für viele offenbar Grund genug, an ihnen ihren Frust abzulassen. Aber sie müssen eben im öffentlichen Leben präsent sein, um ihren Aufgaben nachzugehen. Nicht dazu gehört zum Beispiel das Festnehmen von Leuten. In so einem Fall wird die Polizei hinzugerufen. Nur kam diese heuer zu spät.

Das Geschehen soll nun mit den Betroffenen aufgearbeitet werden, kündigt Kling an. Bei einer Supervision sollen die Mitarbeiter über alles sprechen, um Ängste gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zudem wurde natürlich Anzeige gegen die mutmaßlichen Täter erstattet.

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