Die erste Fußballmannschaft des SpVgg Oberndorf auf einem Bild – aufgenommen im Sommer 2020. Foto: Vurusic

Ausfallende Veranstaltungen, fehlende Turniere und leere Kassen – viele Vereine müssen seit knapp zwei Jahren der Corona-Pandemie um ihre Existenz bangen. Die Spielvereinigung Oberndorf hat sich deshalb nun etwas einfallen lassen, um dem entgegen zu wirken.

Oberndorf - Zusammen Sport treiben und in der Gemeinschaft Spaß haben – das macht die Spielvereinigung Oberndorf aus. Doch seit einiger Zeit stehen Sorgenfalten in den Gesichtern der Sportler. Denn nicht nur, dass seit Beginn der Corona-Pandemie der gesunde Sport nur begrenzt möglich war und die Hallen teilweise leer blieben – auch die Kassen sind seither blank. Das bringt dem Verein große Probleme. Und lässt ihn nun ungewöhnliche Wege beschreiten: Er bittet seit einiger Zeit um Spenden auf Social Media.

"Der Verein ist viel mehr als nur Fußball spielen, er ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Man erfährt, was Zusammenhalt ist und erlebt besondere Momente miteinander", schreibt Vereinsmitglied Patrick Vurusic in einem Beitrag auf Facebook. Durch die Einschränkungen der Krise seien nun zum zweiten Mal die Haupteinnahmequellen des Vereins weggefallen.

Gaststätte als Vorbild

"Dadurch gab es finanzielle Engpässe", erklärt Vurusic im Gespräch mit unserer Redaktion. Auf die Idee, einen Spendenaufruf zu starten, kam er durch eine ähnliche Aktion einer Oberndorfer Gaststätte. "Da kam einiges an Geld zusammen, und ich dachte, warum mache ich das nicht einfach auch, vielleicht kommt auch der eine oder andere Taler zusammen", erzählt der Fußballer. Anfang Dezember ergriff er daher die Initiative und rief auf Facebook, Instagram und via Whatsapp zum Spenden auf.

Viele Veranstaltungen, die der Verein zum Überleben brauche, seien schließlich ausgefallen: die Fasnetswafa, der Sportler- und der Bürgerball, das internationale U19-Turnier, die Jugendspieltage im Stadion und die Jugendspieltage in der Halle.

Den Sportlerball, die Jugendspieltage und Fußballturniere hat der Verein stets selbst organisiert, auf anderen Veranstaltungen bewirtet – und nun fehlen gänzlich die Einnahmen.

Noch sei man nicht ins Minus abgerutscht, aber gerade von der Fasnet und dem U19-Turnier im Sommer lebe der Verein, sagt Vurusic und betont: "Hilfe ist wirklich nötig, daher der Aufruf." Die Fasnet werde nun ja voraussichtlich zum zweiten Mal ausfallen.

Dass die SpVgg Oberndorf nicht der einzige Verein mit diesen Nöten ist, ist dem Fußballer klar. "Ich gehe davon aus, dass es den anderen Vereinen auch nicht anders geht und wundere mich, dass da niemand etwas startet."

Unverständnis

Für die Corona-Maßnahmen hat er nicht immer Verständnis. "Ich denke, die Politik ist überfordert", meint Vurusic. "Alle paar Wochen ändert sich etwas, und manche Dinge widersprechen sich, oft kann ich es nicht nachvollziehen."

Etwa, als die Saison Anfang 2021 von heute auf morgen abgebrochen wurde, wie Vurusic berichtet. "Da wurde zu schnell gehandelt, es war nicht nachweislich aufgezeigt worden, dass Sport im Freien viele Infektionen hervorruft", meint er. Für den Fußballer und seine Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer waren und "wahrscheinlich aufgestiegen wären", sei das natürlich enttäuschend gewesen.

Kampf ums Überleben

Dass sich die Maßnahmen so auf die Vereine auswirkten, findet er bedauerlich. "Es gibt bestimmt einige, die ums Überleben kämpfen müssen. Das ist traurig, wenn manche aufhören müssen – und es in Zukunft dann weniger gibt." Der Fußballer kann sich vorstellen, dass Vereine künftig auch zusammengelegt werden könnten. Das sei dann, so Vurusic, auch für die Zuschauer nicht schön.

In Sachen Spenden sei derweil noch Luft nach oben: "Es kam bisher schon etwas zusammen, aber ich habe mit mehr gerechnet, um ehrlich zu sein", gesteht er und mutmaßt: "Ich denke, dass der Beitrag sich vielleicht noch nicht genug verbreitet hat."

Hauptsächlich wird bei der 111-jährigen SpVgg Oberndorf, die rund 450 Mitglieder zählt, Fußball gespielt, aber auch Gorodki, ein russisches Wurfspiel, kann dort ausgeübt werden. Wenn Vurusic von seinem Verein spricht, kommt er ins Schwärmen: "In Vereinen merkt man auch, was Zusammenhalt bedeutet. Man erlebt gemeinsame Momente, wie den Tabellenaufstieg oder eine Weihnachtsfeier und gemeinsame Ausflüge." Die Gemeinschaft sei ihm dort am Wichtigsten.

Wichtig für die Kinder

Von großer Bedeutung seien Vereine auch für die Kinder. Es sei essenziell wichtig für die Jugend, ein Hobby als Ausgleich zu haben. "Heutzutage ist es ja so, dass die meisten nur noch vor Handys, Tablets und Laptops sitzen. Deshalb finde ich sehr wichtig, dass es Vereine gibt, die Jugend rauskommt und nicht nur vor dem digitalen Zeug verblödet", findet Vurusic deutliche Worte.

Sein Appell lautet daher: "Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb ist es wichtig, dass die Vereine Unterstützung bekommen, damit sie bestehen bleiben. Nicht nur unser Verein, sondern auch andere."