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Freikirche in VS Nach Corona-Ausbruch: Besucher sehen kein Fehlverhalten

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Knapp 60 Personen haben sich im Zusammenhang mit zwei Gottesdiensten Ende Oktober mit dem Virus infiziert. (Symbolfoto) Foto: © Corona Borealis – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Einer Schwenninger Freikirche droht möglicherweise eine Anzeige des Landratsamtes wegen des Verstoßes gegen die Corona-Verordnung, wodurch es mittlerweile 60 Infizierte gibt. Weshalb eine Besucherin des Gottesdienstes trotz eigener Infektion kein Fehlverhalten gesehen haben will, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Als der Schwarzwälder ­Bote am Dienstag über mindestens einen Corona-Fall nach zwei Gottesdiensten in einer Schwenninger Freikirche berichtete, war noch nicht klar, welches Ausmaß die Sache annehmen würde. Nun steht fest: aktuell sind es schon 60 Infizierte.

Bereits in der Kreistagssitzung am Montag hatte Landrat Sven Hinterseh von diesem Vorkommnis berichtet, welches dem Gesundheitsamt des Landkreises momentan einiges abverlange. Konkret wurde Hinterseh allerdings nicht. Auf Anfrage des Schwarzwälder Boten bestätigte Pressesprecherin Heike Frank noch am selben Tag, dass die Schwierigkeit der Nachverfolgung der Kontaktpersonen darin liege, dass die Teilnehmerlisten der Gottesdienste, an denen insgesamt rund 150 Personen aus mehreren Landkreisen teilgenommen hatten, nicht vollständig und zum Teil mit Pseudonymen und falschen Telefonnummern ausgefüllt seien.

Gottesdienst-Besucher wollen keine Verstöße erkannt haben

Genau diese Tatsache gibt nun Anlass, dass das Landratsamt als zuständige Behörde prüft, ob sie gegen die Schwenninger Freikirche als Verantwortliche Anzeige erstattet, heißt es am Donnerstag vonseiten des Landratsamtes. Denn im Laufe der Woche stieg die Zahl der bislang bekannten Corona-Infizierten in Folge dieser beiden Gottesdienste vom 24. und 25. Oktober auf 60 Personen, was laut Landratsamt einen Großteil der Neuinfektionen im Kreis ausmache.

Nach Recherche unserer Zeitung lässt sich bisher nur der Verstoß gegen die Angabe der persönlichen Daten als Fehlverhalten einiger Gottesdienstbesucher nachweisen. Im Gespräch mit mehreren, zum Teil sogar infizierten Besuchern, wollen diese sich aber an die Vorschriften und Hygienemaßnahmen gehalten haben. So habe eine Besucherin sich vor Betreten des Gotteshauses die Hände desinfiziert, habe ihre Daten angegeben und habe - außer auf ihrem Platz auf der Empore, auf dem sie "allein und mit Abstand" gesessen habe - einen Mundschutz getragen. Dennoch sei sie mittlerweile positiv getestet. Ob sich alle Teilnehmer so verhalten hätten, konnte die Frau nicht sagen. "Ob das unten auch so war, weiß ich nicht", erklärt sie gegenüber unserer Zeitung.

Eine weitere Person, die nach eigenen Angaben öfter Gast in der betroffenen Freikirche ist, verurteilt im Telefongespräch die öffentliche Darstellung des Sachverhalts massiv. Auf konkrete Nachfrage, wie er sich die lückenhaften und bewusst mit Pseudonymen falsch ausgefüllten Listen erkläre, wenn angeblich keine Fehler gemacht worden seien, antwortet der Anrufer: Vielleicht müsse man hinterfragen, warum die Leute die Listen nicht korrekt ausfüllen wollen. Sie hätten eben kein Verständnis dafür und wollten sich durch derartige Maßnahmen nicht mehr gängeln lassen, liefert er die Antwort gleich selbst.

Unbestritten ist, wie das Landratsamt auch bestätigt, dass die Listen durchaus korrekte Daten enthalten und demnach auch einige Personen im Laufe der Woche auch ausfindig gemacht und über die Ereignisse informiert werden konnten. Fakt ist aber in diesem Fall auch, dass diese beiden Gottesdienste ein Infektionsherd darstellen, der durch das überregionale Einzugsgebiet der Gemeinde, welches bis in den Zollernalbkreis reicht, eine kaum zu kontrollierende Ausbreitung nach sich zieht.

Rückmeldung der Verantwortlichen steht noch aus

Dass nun das Landratsamt eine Anzeige gegen diese Freikirche in Erwägung zieht, könnte die Gemeinde schmerzlich treffen. Auf unsere Anfrage am Donnerstagmittag bei den Verantwortlichen der Gemeinde, die auf deren Wunsch hin schriftlich einging, erhielten wir bis Redaktionsschluss noch keine Rückmeldung.

Eine Erklärung des Kirchenvorstands, wie die Gottesdienste abgelaufen sind, welche Maßnahmen die Gemeinde bei diesen Veranstaltungen grundsätzlich ergreift und ob es möglicherweise das verhängnisvolle Fehlverhalten einzelner Besucher ist, für welches die Freikirche nun gerade stehen muss, könnte vielleicht Licht ins Dunkel bringen.

Und nicht nur das: Natürlich wächst aufgrund solcher Fälle auch das öffentliche Unverständnis bei den einen, und die Sorge bei den anderen. Wie mehrfach berichtet, sind Gastronomen wegen genau solcher Listen mit Strafen belegt worden und Restaurants im Zuge des Lockdowns geschlossen worden, um genau eine solche Verbreitung des Virus zu verhindern.

Deshalb befürchten nun andere Religionsgemeinschaften ein grundsätzliches Verbot von Gottesdiensten, obwohl sich viele Gemeinden strikt an die Maßnahmen halten und mit ihren Hygienekonzepten bislang auch erfolgreich sind. Auch aus diesem Grund würde eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse des 24. und 25. Oktobers weiterhelfen.

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