Die Akteure vor Ort stehen bereit. Doch weil es am Impfstoff fehlt, können im Lahrer Zentrum in der Rheintalhalle in den kommenden sieben Wochen nur jeweils 150 Menschen immunisiert werden. Möglich wären 750 am Tag. Foto: Braun

Zum Start bei Terminvergabe Riesen-Chaos. Zentrum in der Rheintalhalle ist soweit fertig.

Lahr - Seit Dienstag um 8 Uhr werden Termine für die Kreisimpfzentren im Land vergeben, auch für das in Lahr, so zumindest der Plan der Landesregierung. Doch bei der Vergabe der Zeiten hakte es zum Start gewaltig –­ denn es gibt viel zu wenig Impfstoff.

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Frust in der Warteschleife oder vor dem Computer – so erging es am Dienstag fast allen, die einen Termin für das Lahrer Impfzentrum buchen wollten, das am kommenden Freitag in der Rheintalhalle an den Start geht. Dort sollen zum Start lediglich 30 Dosen täglich verimpft werden – so der neueste Stand, über den das Sozialministerium das Landratsamt am Montagabend informierte.

An den Tagen zuvor hatte es noch geheißen, dass zum Beginn 36 Dosen täglich zur Verfügung stehen. Ausgelegt ist das Lahrer Zentrum für 750 Impfungen täglich – doch davon ist man zurzeit meilenweit entfernt. Alle, die sich im Lahrer Zentrum eine Injektion setzen lassen wollen, erhalten einen Termin über die zentrale Nummer 116 117 oder im Internet unter impfterminservice.de. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht zum Start aber ganz anders aus.

Welche Probleme gab’s?

Der LZ-Check offenbarte: Nach kürzester Zeit waren alle Impftermine vergeben. Um 8 Uhr wurde die Hotline freigeschaltet, um kurz nach elf hatte die Redaktion, die tatsächlich einen Termin für einen Berechtigten buchen wollte, eine völlig entnervte Call-Center-Mitarbeiterin am Hörer: "Es ist längst alles ausgebucht, nicht nur in Lahr, sondern in ganz Baden-Württemberg." Sie könne auch nicht sagen, wann es wieder Termine geben wird, erklärte die Frau. Ihr sogenannter Ratschlag: "Schauen Sie ins Internet, wann wieder Impfstoff geliefert wird, vorher müssen sie es gar nicht erst probieren."

Wann gibt es wieder Termine?

Die LZ gab sich mit dieser (Nicht-)Auskunft nicht zufrieden und hakte beim Landratsamt nach, das unter anderem für das Lahrer Kreisimpfzentrum verantwortlich ist. Die Antwort aus Offenburg: Bis 12. März ist alles ausgebucht.

"Es wurden in Lahr für die nächsten sieben Wochen Termine vergeben, mit 150 Impfungen pro Woche", erklärte Behördensprecherin Caroline Luschy der LZ. Mit eingerechnet sei dabei die notwendige zweite Immunisierung. Weiter in die Zukunft könne man aktuell nicht planen, "weil wir nicht wissen, wann wir die nächsten Impfstoffdosen erhalten und wie groß die Lieferung sein wird", so Luschy. Sobald es nähere Infos aus dem Sozialministerium gebe, werde man bekannntgeben, wann wieder Terminvergaben möglich sind.

Funktioniert die telefonische Anmeldung?

Theoretisch: ja. Allerdings muss man sich, geleitet von einer Computerstimme, per Telefontastatur über mehrere Menüpunkte zu einer realen Person durchtippen, inklusive Eingabe der Postleitzahl. Für viele über 80-Jährige, die zusammen mit Pflegekräften derzeit einzigen Impfberechtigten (siehe Info "Sie sind zuerst an der Reihe"), dürfte das ohne fremde Hilfe ein schwieriges Unterfangen sein. Das haben uns am Montag mehrere Leser bestätigt. Beim LZ-Check war es nach sieben Minuten Wartezeit geschafft.

Und wie läuft die Terminvergabe im Internet?

Genauso erfolglos, dafür noch viel komplizierter. Nach ungezählten Klicks sowie mehreren hin und her geschickten SMS- und E-Mail-Codes kommt die nüchterne Mitteilung "Leider sind in Ihrer Region aktuell keine Termine verfügbar", gefolgt von der Bitte, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. Auf ein grundlegendes Problem hat uns ein Leser aus Schuttertal aufmerksam gemacht: Im Internet Impftermine zu vereinbaren, setzt wie beschrieben Handyempfang voraus – aber den hat der Mann im Michelbrunn, wo er lebt, nicht. Ein Schicksal, das er mit vielen Menschen im ländlichen Raum teilt.

Wie ist der Stand beim Aufbau des Lahrer Impfzentrums?

Das Zentrum in der Rheintalhalle ist soweit fertig, bis auf die Kühlgeräte, in denen der hochempfindliche Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert werden soll. Sie sollen am heutigen Mittwoch geliefert werden. Am Freitag öffnet das Zentrum dann seine Pforten.

Es soll montags bis freitags von 10.30 bis 15 Uhr betrieben werden, mit zwei Impfbahnen. Aufgebaut wurde es für einen Betrieb an sieben Tagen in der Woche, von 7 bis 21 Uhr, mit sechs Impfbahnen. Dafür würde auch genügend Personal bereit stehen, wie berichtet haben sich sehr viele freiwillige Helfer gemeldet. Doch mangels Impfstoff ist man von einer Vollauslastung weit entfernt. Wann die Anzahl der täglichen Impfdosen in Lahr erhöht werden kann, ist zurzeit nicht bekannt.

Kann in Lahr zwischen mehreren Impfstoffen gewählt werden?

Nein. Es sind zwar zwei Impfstoffe zugelassen worden, von Biontech/Pfizer und von Moderna, im Lahrer Zentrum wird aber nur ein Impfstoff gespritzt, der von Biontech, ein Biotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Mainz. Die Erst- und Zweitimpfung muss immer mit demselben Impfstoff erfolgen.

Sie sind zuerst an der Reihe

Mit Impfungen in Senioren- und Pflegeheimen wurde, wie berichtet, bereits begonnen. Zur Gruppe mit der höchsten Priorität zählen außerdem Menschen ab 80 Jahren sowie medizinisches Personal, das einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt ist, also zum Beispiel Ärzte und Pfleger in Intensivstationen, Notaufnahmen oder Rettungsdiensten. Wer nicht zu dieser Berufsgruppe gehört und jünger als 80 ist, braucht jetzt gar nicht erst zu versuchen, einen Impftermin zu vereinbaren – er hat ohnehin keine Chance.

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