Nach der Corona-Zweitimpfung ist ein 46-Jähriger an einer Herzmuskelentzündung erkrankt. Jetzt steht die Boosterimpfung an. Sollte er sich immunisieren lassen oder lieber abwarten? Das sagen Experten der Deutschen Herzstiftung.
Frankfurt/Main - Der 46-Jährige aus Bamberg ist sich unsicher: Nach seiner zweiten Corona-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer entwickelte sich bei ihm zwei Wochen später eine Herzmuskelentzündung. Diese sei inzwischen ausgeheilt. Allerdings bemerke er vermehrt ein Herzstolpern. Nun steht die Boosterimpfung an. Sollte er den Termin aufgrund der Vorgeschichte absagen?
Melderate bei jungen Männern unter 30 Jahren ist am höchsten
Die Frage wurde in der Patientensprechstunde der Deutschen Herzstiftung gestellt – steht aber stellvertretend für die Sorgen vieler: Mehr als 92 Millionen Impfdosen Comirnaty (Biontech) und Spikevax (Moderna) sind bis einschließlich 30. September 2021 verimpft worden. Im Rahmen der Spontanberichterfassung sind bis dahin insgesamt 1243 Verdachtsmeldungen einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung) unabhängig vom Kausalzusammenhang mit der jeweiligen Impfung berichtet worden. Die Melderate bei Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren sowie jungen Männern unter 30 Jahren war dabei am höchsten.
Krankheitsverläufe sind meist mild
Insgesamt beurteilt die Deutsche Herzstiftung das Erkrankungsrisiko nach einer zweiten Impfung mit einem mRNA-Corona-Impfstoff als nicht sehr hoch – vor allem bei Patienten über 30 Jahren. Aktuelle Sicherheitsdaten aus Deutschland gehen von ein bis fünf Fällen pro 100 000 Impfungen aus, sagt Thomas Meinertz, Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg, der im wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung sitzt. Auch sind die bisher gemeldeten Verläufe meist mild und ohne bleibende Schäden.
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Herzzustand sollte vor dem Boostern untersucht werden
Wie sich die Betroffenen im Falle einer Boosterimpfungen verhalten sollen, darüber gibt es noch eine verlässlichen wissenschaftlichen Daten. Meinertz rät daher, den Herzzustand vorher nochmals mittels klinischer Untersuchung, EKG und Echokardiografie beurteilen zu lassen: „Bestehen noch linksventrikuläre Einschränkungen, sollte meines Erachtens mit der Boosterimpfung gewartet werden, bis sich diese normalisiert haben.“ Die erwähnten Rhythmusstörungen würden mit ziemlicher Sicherheit nicht mit der Impfung zusammenhängen. Auch sei nicht davon auszugehen, dass sie Folge einer Myokarditis sind.
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Boostern ist auch für Herzkranke empfehlenswert
Liegen jedoch keinerlei Symptome, Entzündungszeichen oder andere strukturelle Auffälligkeiten vor, die in Verbindung zu einer Myokarditis oder auch Perikarditis stehen könnten, ist eine Boosterimpfung empfehlenswert, sagt Meinertz. „Gerade wenn vielleicht bereits eine andere Herzerkrankung vorliegt, die das Risiko für einen schweren Covid-Verlauf nachweislich erhöht.“