Einblick in eine Intensivstation. Die Vergabe und Verteilung von Intensivbetten wird durch das Land gesteuert. (Symbolfoto) Foto: Gollnow

Die Belegung der Intensivbetten im Kreis Rottweil rückt in den Fokus. Nicht nur beim Gesundheitsamt zur Einschätzung der aktuellen Lage, sondern auch bei etlichen Bürgern. Viele verstehen nicht, wie es zu den veröffentlichten Belegungszahlen und der Zahl der Covid-Patienten kommt. Außerdem werden weitere Informationen vermisst. Doch so einfach ist das Ganze nicht.

Kreis Rottweil - Problem Nummer eins in der Intensivbetten-Debatte, die vor allem aktuell im Netz kursiert: Viele vergleichen Zahlen, die man nicht vergleichen kann. So scheint mancher nur einen Blick auf die Rottweiler Helios-Klinik und deren Homepage zu haben und wundert sich dann, warum das Landratsamt andere Zahlen veröffentlicht.

Komplexe Angelegenheit

Dass in der Gesamtübersicht auch die Betten und die Patienten des SRH-Krankenhauses in Oberndorf einfließen, wird außer Acht gelassen. Und vielen scheint außerdem nicht bekannt, dass die Zahl der vorhandenen Intensivbetten in einer Klinik keine festzementierte Größe ist, sondern sich ganz schnell ändern kann. Spontane Verlegungen von Patienten machen das Ganze zusätzlich dynamisch. Der Kreis Rottweil lässt sich dabei nicht immer genau von anderen abgrenzen, denn Verlegungen geschehen kreisübergreifend.

Das Gesundheitsamt erklärt den komplexen Sachverhalt auf unsere Nachfrage so: Die Vergabe und Verteilung von Intensivbetten werde durch das Land gesteuert. Daher sagt die Belegung der Intensivbetten auch nicht zwingend etwas über den Wohnort der Patienten und Patientinnen aus.

Verlegung in anderen Kreis

Ein Beispiel: Ein Patient aus dem Kreis Rottweil wird aufgrund einer Covid-19-Erkrankung in eines der beiden Krankenhäuser im Landkreis eingewiesen. Somit fällt die Person in die Zuständigkeit des Gesundheitsamtes Rottweil und wird sowohl in der Inzidenz als auch in der sogenannten "Hospitalisierung" als Fall geführt.

Muss diese Person nun beispielsweise verlegt werden, da die technischen, medizinischen oder personellen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, bleibt diese im Kreis Rottweil wohnhafte Person fallmäßig weiterhin in der Zuständigkeit des Gesundheitsamtes Rottweil und wird vom Gesundheitsamt auch weiterhin als "hospitalisiert" geführt, auch wenn das Krankenhaus nicht im Landkreis liegt.

Umgekehrt sei damit auch erklärbar, dass Patienten aus einem anderen Landkreis, als Fall nicht in die Statistik vom Gesundheitsamt Rottweil fallen, auch wenn sie in einer Klinik im Kreis Rottweil behandelt werden und innerhalb der Klinik in die Bettenbelegung eingehen. Hier kommen aber auch Verlegungen innerhalb des Krankenhauses in Betracht – zum Beispiel Verlegung von "peripherer" Station auf "Intensiv" oder umgekehrt. Ferner bleibe immer zu klären, weshalb eine Person hospitalisiert wird: Ist Covid-19 ursächlich oder eine andere Verletzung oder Erkrankung?

LGA erfasst alle Daten

Und: Eine dezidierte Aufschlüsselung und Veröffentlichung über Alter, Impfstatus, behandelnde Klinik, Grundleiden – wie viele das im Netz immer wieder fordern – sei aus datenschutzrechtlichen Gründen schwierig. Die Daten würden daher vom Landesgesundheitsamt zusammengeführt.

Ebenso müsse bedacht werden, dass die Kapazität an Intensivbetten sich ständig ändern kann. "Wir verfügen nur über eine einmal täglich abgegebene „Momentaufnahme", so das Gesundheitsamt. In der Tat ist in den Kliniken auch noch anderes zu tun. Und natürlich sei klar: Intensivstationen werden auch mit anderen Krankheitsbildern belegt.

Kein fixer Wert

Die Beatmungskapazität sei dabei sowohl vom Beatmungsgerät – aber eben auch vom Personal abhängig. Sprich: Auch, wenn das Gerät und das Bett frei wäre, jedoch Fachpersonal (Ärzte und Pflege) nicht zur Verfügung steht, könne die Intensivstation nicht mit voller Kapazität betrieben werden. "Daher kann auch nie ein fixer Wert an Intensiv-/ Beatmungsbetten innerhalb eines Krankenhauses angegeben werden", betont das Gesundheitsamt. Ein Umstand, der vielen schwer begreiflich zu machen ist. Manche Kommentatoren im Netz vermuten da ­Vertuschung und bewusste Steuerung von Falschinformationen.

Der tagesaktuelle Status landesweiter Intensivkapazitäten kann über die Website der DIVI – der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin –­ eingesehen werden. "Daraus ziehen wir auch unsere kreisbezogenen DIVI-Zahlen auf unserem Dashboard", erklärt das Gesundheitsamt.

Wer meint, man könne täglich einfach jede Klinik abtelefonieren und von dort werden dann stetig patientenbezogene Daten mitgeteilt, der irrt.