Alarmstufe Rot: Im vergangenen Jahr wurden am 22. Juni bundesweit Gebäude beleuchtet – in Calw unter anderem das Rathaus – um auf die Not der Veranstaltungsbranche in Pandemie-Zeiten aufmerksam zu machen. (Archivfoto) Foto: Ott

Die Event- und Veranstaltungs-Branche leidet besonders schwer unter den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken suchte deshalb das Gespräch mit Calwer Vertretern dieses Wirtschaftszweigs.

Calw - Seit gut einem Jahr finden kaum Veranstaltungen statt – und wenn doch, dann mit Einschränkungen und unter Auflagen. Viele Veranstalter und Unternehmen, die veranstaltungsnahe Dienstleistungen anbieten, haben existenzielle Sorgen, auch im Nordschwarzwald. Die SPD-Parteivorsitzende und Bundestagsabgeordnete Saskia Esken unterhielt sich deshalb unlängst mit Calwer Vertretern dieser Branchen in einem digitalen Gespräch, um sich einen Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Erheblicher Wirtschaftsfaktor

Esken betonte die Bedeutung von Kultur, auch und gerade in einer Pandemie: "Kultur ist nicht nur Seelenwärmer und ganz entscheidender gesellschaftlicher Kitt, sondern auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor." Einige würden in Pandemie-Zeiten die Gastronomie und die Kultur hinten anstellen und aus dem Blickfeld verlieren.

Im Koalitionsausschuss ebenso wie in der SPD-Bundestagsfraktion habe man die Nöte der Branche erkannt und im Lauf der Pandemie immer feiner abgestimmte Maßnahmen ergriffen. Dazu gehörten vor allem die November- und Dezemberhilfen und die gerade anlaufende Überbrückungshilfe III. Klargestellt sei hier, dass auch Veranstaltungsstätten als direkt betroffene Unternehmen antragsberechtigt sind. Daneben seien auch viele indirekt Betroffene antragsberechtigt, wenn sie regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Das würde auch auf viele in der Eventbranche (wie Tontechniker, Bühnenbauer und Beleuchter) zutreffen, führte Esken weiter aus.

Esken wies zudem auf den Anfang Februar im Bundeskabinett beschlossene Anschluss-Programm für das Programm "Neustart Kultur" hin. "Dieses Programm hatten wir im Sommer 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro beschlossen, um der Kunst- und Kulturszene zu helfen. Die Gelder sind sehr gut angenommen worden. Deshalb haben wir jetzt ein Anschluss-Programm beschlossen, das wiederum ein Volumen von einer Milliarde Euro hat", so die Abgeordnete. Darin seien Gelder für den Erhalt der Kulturinfrastruktur, für Neustarts in Theaterhäusern, Kinos oder Clubs mit neuen Hygienekonzepten oder für alternative, digitale Angebote enthalten.

"Die Veranstaltungsbranche wird von der Politik gesehen und ernstgenommen"

Jürgen Ott von der Konzertagentur "concetera" freute sich über das Interesse der Bundestagsabgeordneten für das Thema und über die Unterstützung aus der Bundesregierung. Die November- beziehungsweise Dezemberhilfen kämen gut an, "die Branche sieht, dass der Bund sich Mühe gibt, die Probleme erkennt und auch angeht", so Ott. Dominik Schirle, Mitglied der Geschäftsleitung von "MF Sound & Light" in Calw, pflichtete ihm bei: "Die Veranstaltungsbranche wird von der Politik gesehen und ernstgenommen. Das freut uns sehr." Er wies auch darauf hin, dass die Branche sehr heterogen und vielfältig sei, deshalb sei die Förderung auch so schwierig.

Beide betonten, das Hauptproblem sei weiter die Planungsunsicherheit, vor allem für bereits geplante Veranstaltungen im Sommer. "Wir wissen einfach nicht: Kann die Veranstaltung überhaupt stattfinden? Wenn ja: Reichen die erdachten Hygienekonzepte aus? Wer kommt für die Verluste auf?", so Ott.

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Esken verwies in diesem Zusammenhang auf einen neuen, vom Finanzministerium geplanten Fonds, der genau für solche Situationen konzipiert sei. Der Fonds soll zum einen Ertragsausfälle beim Wegfallen von Veranstaltungen ausgleichen und zum anderen bei aus Hygienekonzeptgründen nicht wirtschaftlichen Veranstaltungen eine finanzielle Beihilfe leisten. "Das Finanzministerium arbeitet mit Hochdruck an letzten Details. Ich hoffe, dass wir den Fonds so schnell wie möglich beschließen können, damit die Veranstalter-Branche wieder die Planungssicherheit hat, die sie dringend braucht. Ich freue mich, dass Olaf Scholz sich dezidiert für die Belange der Veranstalter-Branche und der Kultur-Szene einsetzt", so die Abgeordnete.

Calwer Stadtfest schlicht nicht möglich

Markus Kleinschmidt, stellvertretender Kulturamtsleiter der großen Kreisstadt Calw, berichtete von weiteren Auswirkungen von Corona auf Veranstaltungen in der Region. Aufgrund der Pandemie und der notwendigen Maßnahmen zu deren Eindämmung seien für den Sommer 2021 große Veranstaltungen wie das Calwer Stadtfest unter diesen Bedingungen schlicht nicht möglich, da man die Anzahl der Besucher nicht kontrollieren könne. Veranstaltungen wie der Klostersommer könnten hingegen mit gewissen Einschränkungen stattfinden. Er unterstrich die Bedeutung von kulturellen Veranstaltungen, nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch als Wirtschaftsfaktor. "Wenn jemand zum Klostersommer nach Calw kommt, bezahlt er ja nicht nur den Eintritt. Er übernachtet über das Wochenende in einem Hotel, geht ins Restaurant, kauft noch in Geschäften in der Stadt ein. Mit dem Wegfall der Veranstaltung fallen diese Sachen mit aus und verursachen einen wirtschaftlichen Schaden", so Kleinschmidt.

Esken wies darauf hin, dass es jetzt darauf ankäme, neue Formate auch in der Veranstaltungsbranche auszuprobieren. So könne man etwa Konzerte mit geringer Auslastung für einen geringeren Preis online anbieten, also mit hybriden Formaten arbeiten. Das sei übrigens nicht nur in Pandemie-Zeiten interessant, sondern auch darüber hinaus: "Solche digitalen Formate sind auch interessant für Menschen mit Mobilitätseinschränkung oder für Menschen mit kleinen Kindern, die eben nicht einfach um 20 Uhr ins Konzert gehen können, den Kulturgenuss aber auch nicht missen wollen", so die Bundestagsabgeordnete weiter.

Esken sicherte zu, sich auf Bundesebene weiter für die Belange der Veranstaltungsbranche und der Kunst- und Kulturszene einzusetzen.

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