Unter 150 Gottesdienst-Teilnehmern einer Freikirche war auch ein positiver Corona-Fall.(Symbolfoto) Foto: RioPatuca Images – stock.adobe.com

Bestätigter Corona-Fall unter 150 Besuchern einer Freikirche. Falsche Adressen erschweren Kontaktnachverfolgung.

Villingen-Schwenningen - Zwei Gottesdienste mit etwa 150 Teilnehmern einer Freikirche haben an einem Wochenende zu mindestens einem Corona-Fall geführt. Unzureichend oder gar falsch ausgefüllte Anwesenheits­listen erschweren nun die Arbeit des Gesundheitsamtes.

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Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes des Schwarzwald-Baar-Kreises haben es momentan nicht leicht. Wie Landrat Sven Hinterseh in der Kreistagssitzung am Montag berichtete, gebe es einen Corona-Fall, der im Rahmen einer "Veranstaltung mit kirchlichem Hintergrund" aufgetreten sei, der das Gesundheitsamt offenbar auf Trab hält.

Nachverfolgung der Teilnehmer ist nur schwer möglich

Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten beim Landratsamt, bestätigt Pressesprecherin Heike Frank den Vorfall. Und es wird in ihrer Schilderung schnell klar, welches Ausmaß die besagte Veranstaltung hatte: Genau genommen handelt es sich um gleich zwei Gottesdienste einer "größeren Freikirche in Schwenningen", wie Frank berichtet. Diese haben am Samstag, 24., und Sonntag, 25. Oktober, stattgefunden. "An den Gottesdiensten nahmen zirka 150 Personen teil. Die Veranstaltung wurde von Teilnehmern vorwiegend aus der Region besucht (Schwarzwald-Baar-Kreis, Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Zollernalbkreis)", erklärt Heike Frank den Sachverhalt.

Nicht nur die umfangreiche Anzahl der Besucher stellt das Gesundheitsamt seither vor große Herausforderungen. Erschwerend kommt hinzu, dass es die Teilnehmer mit den Hygienemaßnahmen und Corona-Regeln offenbar überhaupt nicht ernst genommen haben. "Unser Gesundheitsamt ist mit Hochdruck damit beschäftigt, die Kontaktpersonen zu verfolgen. Leider sind die vorgelegten Listen unvollständig, das heißt, dass keine Adressen benannt, Pseudo-Namen und Telefonnummern verwendet wurden, die nicht erreichbar sind", berichtet die Pressesprecherin.

Bundesweit immer viele Fälle in freikirchlichen Gemeinden

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hätten noch am Sonntag die Personen telefonisch erreicht, die ihre Telefonnummer richtig benannt hatten und vorab mündlich die Quarantäne ausgesprochen. Eine schriftliche Anordnung folgte, eine Testempfehlung sei ebenfalls ausgesprochen worden, so Frank.

In der Vergangenheit gab es bundesweit immer wieder Corona-Fälle in Freikirchen. Im Juli geriet eine Freikirche im nordrhein-westfälischen Euskirchen in die Schlagzeilen. Damals mussten rund 500 Gemeindemitglieder in Quarantäne, nachdem eine Familie positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Ende September war eine Freikirche im Landkreis Rotenburg in Norddeutschland ebenfalls ein Corona-Hotspot. Hintergrund ist oftmals, dass Gläubige in freikirchlichen Gemeinden das Coronavirus tendenziell verharmlosen oder gar leugnen und demnach auch die politischen Richtlinien sowie die vorgeschriebenen Maßnahmen missachten.

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