Eike Fundinger, die Heimleiterin der Mediclin-Seniorenresidenz, wird im Januar als eine der ersten Donaueschingerinnen gegen Covid-19 geimpft. Die Impfung muss jetzt wohl wiederholt werden. Foto: Sigwart

Antje Mürner hat sich gefreut. Nach so vielen Entbehrungen sollte die zweite Corona-Impfung für Sicherheit sorgen. Nicht bei ihr, sondern bei ihrer 80-jährigen Mutter. Doch aufgrund eines Corona-Ausbruchs kommt das Impfteam nicht durch.

Donaueschingen - Die Mutter von Antje Mürner ist Bewohnerin der Mediclin-Seniorenresidenz in Donaueschingen. Dort hätte am Samstag, 13. Februar, die zweite Impfung stattfinden sollen. Dann schlug Corona zu. Bislang ist die Einrichtung ohne eine Infektion mit dem Virus durch die Pandemie gekommen, das hat sich nun geändert. Besonders problematisch: Wegen der Infektion kommt das Impfteam vorerst nicht vorbei. Und es wird wohl auch noch länger dauern.

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"Bei mir herrscht absolutes Unverständnis", sagt Mürner. Sie habe ihre Mutter seit Wochen nicht gesehen. Weihnachten nach 49 Jahren zum ersten Mal ohne sie verbracht. Auf der Arbeit habe sie Kundenkontakt, habe deshalb darauf verzichtet. Und, um ihre Mutter nicht zu gefährden. "Ich verzichte seit Wochen auf Besuche bei meiner Mutter, um das Virus nicht ins Haus zu tragen. Ich wollte abwarten, bis die Bewohner geimpft sind, deshalb telefonieren wir einfach nur täglich", sagt Mürner. Und dann habe das Gesundheitsamt den Termin für die Impfung abgesagt. "Hier ist doch Gefahr im Verzug. Die zweite Impfung muss nach Angaben der Hersteller des Impfstoffes drei bis vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen."

"Gefahr im Verzug"

Gerade jetzt sei es besonders wichtig, alle, die nicht infiziert seien, schnell zu schützen, findet Mürner. "Meine Mutter ist 80 Jahre alt und lungenkrank. Ihr geht es trotzdem noch gut und sie ist nicht infiziert." Sie leide an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (englisch abgekürzt: COPD). "Das macht alles noch viel schlimmer, und umso wichtiger ist jeder Tag für sie, den wir mit der Impfung gewinnen können." Im Heim sei man bislang auch so gut durch die Pandemie gekommen, weil alles dafür getan werde, dass das Virus dort nicht eindringen könne. "Meine Mutter war zuerst etwas skeptisch. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich sie nicht verlieren will." Die Impfung kam und alles sei gut gegangen. Keine Probleme und keine Nebenwirkungen. "Und dann sowas. Gerade wenn Infizierte dort sind, ist es wichtig, wenn die anderen geimpft werden."

Warum wird nicht geimpft?

Die Angehörige will auch betonen, dass es kein Fehler des Heimes sei: "Die hatten bislang keinen Corona-Fall und haben auch alles getan, um einen Ausbruch zu vermeiden." Sie sei "langsam mit dem Latein am Ende". Man überzeuge die Lieben, dann geschehe so etwas: "Das nimmt mich mit. Auch, weil die Impfquote im Heim sehr gut ist."

Was Mürner nicht verstehen kann: Wieso nicht unter Einhaltung des Hygiene-Konzeptes weiter geimpft werden könne. Mürner hat selbst in der Mediclin-Seniorenresidenz gearbeitet, ihre Tochter arbeitet auf einer Intensiv-Pflegestation: "Dort gab es in einem Trakt des Hauses auch Ausbrüche. Aber alle gesunden Bewohner wurden trotzdem zeitnah geimpft, auch das Personal." Dort habe es funktioniert, wieso also nicht hier?

Diffuse Situation

Das fragt sich auch Eike Fundinger, Leiterin der Mediclin-Seniorenresidenz: "Wir wissen nicht, wann der zweite Impftermin nachgeholt werden soll. Wir hoffen, das passiert in Kürze. Die Situation sei unbegreiflich, schließlich gebe es auch andere Heime mit Infektionen, wo dennoch geimpft werde. "Besonders für Angehörige ist das schwer. Viele haben ihre Eltern allein in einem Zimmer. Man hat die Hoffnung, dass die Impfung für Sicherheit sorgt – und dann das", so Fundinger. Jetzt werde entsprechend des Hygienekonzeptes verfahren, regelmäßige Tests sollen eine Kontrolle ermöglichen: "Wir hoffen jetzt auf einen Stillstand der Infektion." Man sei eine kleine Einrichtung, da seien schnell viele Leute betroffen.

Bis es in der Seniorenresidenz wieder zu einer Impfung kommt, wird es aber noch dauern. Das bestätigt Arnold Schuhmacher vom Ordnungsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises. Dort laufen die Fäden in Impf-Angelegenheiten zusammen, jeweils im Austausch mit dem Gesundheitsamt. Wie Schuhmacher erklärt, werde man jetzt sechs Monate abwarten und dann mit einem neuen Impf-Zyklus beginnen. Ein Fall wie jener in Donaueschingen sei der erste dieser Art im Kreisgebiet. Dass zwischen erster und zweiter Impfung in der Einrichtung eine Infektion auftritt, das hat es bislang noch nicht gegeben.

Entscheidung hat auch medizinische Gründe

Er habe Verständnis für die Situation der Betroffenen und die Reaktionen, wenn plötzlich "eine Vollbremsung gemacht wird". Jedoch müsse in einer solchen Lage immer differenziert werden: "Wenn wir nur bestimmte Zimmer haben, eine Station, die betroffen ist, wenn der Ausbruch nur begrenzt ist, dann lässt sich trotzdem eine Impfung durchführen", erklärt Schuhmacher. Wenn die Infektion allerdings diffus im Gebäude verteilt sei, dann "ist nicht einschätzbar, wer es hat". Es habe auch damit zu tun, dass man mit dem raren Impfstoff bewusst umgehen wolle: "Es ist auch so, dass man für eine Impfung eben gesund sein muss." Die Entscheidung komme nicht nur aus der Verwaltungsecke, sondern habe auch medizinische Gründe. "Wäre die Situation begrenzbar gewesen, dann hätte man die Impfung gemacht."

Wenn in sechs Monaten die Impfung wiederholt wird, dann müssen sowohl erste wie zweite abermals erfolgen. Wie das dann genau ablaufe, könne jedoch noch nicht gesagt werden. Zu unklar die Sachlage und wie alles in einem halben Jahr genau aussieht – etwa die Verfügbarkeit des Impfstoffes. Planungssicherheit ist das große Opfer der Krise.

Was sollte bei der Impfung in Senioren- und Altenpflegeheimen, in denen vor Kurzem oder zeitgleich zur Impfung Covid-19-Fälle aufgetreten sind, beachtet werden? Dazu schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Homepage: "Ob man in einem Senioren- beziehungsweise Alterspflegeheim im Rahmen eines Ausbruchs mit der Covid-19-Impfung beginnt, kann nur vor Ort entschieden werden." Die endgültige Entscheidung des weiteren Vorgehens hänge mitunter von der Größe des Ausbruchs, also der Zahl der Betroffenen und dem Anteil der Covid-19-Fälle bei allen Bewohnern sowie von der Dynamik des Ausbruchsgeschehens ab.

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