Foto: Schabel

Infektionsgeschehen in Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Langenwinkel hat sich verschlimmert.

Langenwinkel - Traurige Nachricht aus dem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung in Langenwinkel: Dort sind zwei weitere Bewohner ihrer Corona-Erkrankung erlegen. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer auf drei erhöht. Es gibt 37 Infizierte.

"Es ist das Schlimmste passiert, was man sich vorstellen kann. Die Stimmung in dem Haus ist natürlich sehr betrübt", sagte Michael Walter, Sprecher des Trägerverbands, der Johannes-Diakonie Mosbach, auf Nachfrage unserer Redaktion. Das Thema Corona sei ohnehin bereits seit Monaten eine große Last für die Bewohner, ihre Angehörigen und die Mitarbeiter. Durch die Todesfälle sei diese Belastung nun aber "extrem angewachsen".

In dem kombinierten Wohn-Pflegeheim am Ortsrand von Langenwinkel leben Menschen mit geistiger Behinderung und erhöhtem Pflegebedarf, aber auch Menschen mit geistiger Behinderung, die keine besondere Pflege, sondern nur Unterstützung im Alltag benötigen. Es gibt zwei Teilbereiche mit jeweils 24 Wohnplätzen. Den Corona-Ausbruch hatte es in der vorvergangenen Woche unter den Bewohnern mit erhöhtem Pflegebedarf gegeben, von denen mittlerweile 20 infiziert sind. Betroffen ist inzwischen allerdings auch der andere Gebäudeteil, in dem Menschen ohne besonderen Pflegebedarf leben – dort ist das Virus bei neun Bewohnern festgestellt worden. Bei drei Bewohnern hat sich der Gesundheitszustand so verschlechtert, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.­ Infiziert haben sich auch acht Mitarbeiter, die jetzt natürlich zuhause in Quarantäne sind.

Bei Menschen mit geistiger Behinderung sind präventive Maßnahmen wie Abstand halten schwierig umzusetzen, wenn sie auf körpernahe Unterstützung angewiesen sind. In die Zimmer der Bewohner gehen die Mitarbeiter zurzeit nur "in Vollmontur" rein, wie Walter es nennt, also mit kompletter Schutzausrüstung. Man habe insgesamt alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um das Personal und die Bewohner zu schützen,­ versichert der Sprecher.­

Die Johannes-Diakonie betreibt auch die Lahrer Werkstätten in Langenwinkel, in denen etwa 300 Menschen mit Behinderung Aufträge für die regionale Industrie ausführen und Dienstleistungen im landwirtschaftlichen Bereich anbieten, zudem gibt es außer dem Haus am Scheidgraben weitere Wohnangebote. Von dort sind Mitarbeiter abgezogen worden, um die im Haus am Scheidgraben entstandenen Personallücken zu schließen. Das klappe insgesamt gut, "die Beschäftigten arbeiten zusammen und halten zusammen", so Walter.

Der Diakonie-Sprecher ist der Ansicht, dass die Bewohner mit erhöhtem Pflegebedarf eigentlich schon längst hätten geimpft sein müssen – seiner Überzeugung nach gehören sie in die erste Prioritätsstufe der Impfberechtigten. Walter begründet das mit ihrer Einstufung bei der Pflegeversicherung. Tatsächlich sei der Besuch eines mobilen Impfteams aber erst für den 16. April angekündigt.

Allerdings ist es nun mehr als fraglich, ob es bei diesem Termin überhaupt bleibt, da die Impfteams zum Selbstschutz eigentlich nicht in Häuser gehen, in denen es einen Corona-Ausbruch gibt. Außerdem haben sich in einem von zwei Wohnbereichen ohnehin mittlerweile fast alle Bewohner mit Corona infiziert. Man sei darüber im Austausch mit dem Gesundheitsamt, so Walter.

Hätten die Bewohner des Heims in Langenwinkel nicht bereits gegen Corona geimpft sein sollen? Hier widerspricht das Landratsamt auf Nachfrage unserer Redaktion: Einrichtungen für Menschen mit Behinderung gehörten nach der festgelegten Impfreihenfolge des Landes zur zweiten Prioritätsstufe. Im Gegensatz dazu gehörten Altenpflegeheime zur ersten Prioritätsstufe. Personengruppen, die zur Stufe zwei gehören, würden im Ortenaukreis seit Mitte März geimpft. Die Einrichtungen werden sukzessiv von den mobilen Impfteams angefahren, so die Kreisbehörde.

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