Das Landratsamt entfernt die Flüchtlingscontainer in Seelbach Ende des Jahres. Die Gemeinde hätte dies gerne verhindert. Im Rat wurden die Gründe bekannt.
34 Flüchtlinge sind aktuell in der Containeranlage im Seelbacher Wiesengrund untergebracht. „Es sind überwiegend junge türkische Familien und eine aus dem Irak“, informierte die stellvertretende Hauptamtsleiterin Jutta Fischer im Gemeinderat. Doch bis Ende des Jahres müssen sie ausziehen. Denn das Landratsamt, wird die Anlage – wie vorgesehen – nach zwei Jahren im Betrieb Ende 2025 abbauen (wir berichteten).
Fischer gab einen kurzen Rückblick: Im Jahr 2023 benötigte der Kreis aufgrund der angespannten Flüchtlingslage neue Unterkünfte. Landrat Frank Scherer schrieb die Kommunen an, Seelbachs damaliger Bürgermeister Thomas Schäfer meldete sich. In der Gemeinde hatte man bereits einige Jahre zuvor gute Erfahrungen mit einer solchen provisorischen Unterkunft gemacht.
So baute der Kreis Ende 2023 die 25 Container mit bis zu 50 Schlafplätzen auf, im Frühjahr 2024 zogen die ersten Flüchtlinge ein. Seitdem, so war in der Sitzung zu hören, hat das Zusammenleben gut funktioniert. „Wir hätten die Anlage gerne behalten. Diesen Wunsch haben wir auch Landrat Thorsten Erny bei seinem Gemeindebesuch mitgegeben“, erklärte Fischer. Doch es nützte nichts. „Es ist nicht genehmigt worden aufgrund der stagnierenden Zahlen.“
Landratsamt: Container keine Dauerlösung
Migrationsdezernentin Alexandra Roth hatte im Juni betont, dass Containeranlagen, „zwar eine schnelle Lösung in akuten Situationen“, jedoch auch teuer und auf Dauer „nicht tragfähig“ seien. Deshalb werde die niedrigere Belegungssituation genutzt, um auf nachhaltigere und wirtschaftlichere Formen umzusteigen. Und das hat Auswirkungen auf Seelbach. „Wir nehmen ab 2026 wieder an der Quotenregelung teil“, so Fischer. Diese Regelung schreibt vor, welche Gemeinde im Kreis wie viele Flüchtlinge aufnehmen muss. Zuvor war Seelbach davon ausgenommen, da man eben den Platz für die vom Kreis betriebene Anlage zur Verfügung gestellt hatte.
„Wir haben eine Restaufnahmeverpflichtung aus dem Jahr 2023 von zehn Asylbewerbern und einem ukrainischen Flüchtling“, informierte Fischer. Das sei jedoch nur der aktuelle Stand, am kommenden Montag stehe die nächste Quotenbesprechung an, auf deren Grundlage man weiter planen werde.
Ein positiver Aspekt des Abbaus: „Der Verkehrsübungsplatz steht wieder zur Verfügung. Das ist erfreulich für die Schule und auch die SWEG kann dort wieder ihre Busse parken“, so Fischer.
Die Gemeinderäte reagierten gemischt. „Ich finde es bemerkenswert. Wir wollen die Flüchtlinge bei uns haben. Da haben viele einen guten Job gemacht“, befand Markus Himmelsbach (Grüne). Er bemängelte, dass man so in die Situation kommen könnte, bei erneuter Verschärfung der Situation die Anlage ein drittes Mal aufbauen zu müssen.
Finanzielle Entlastung für die Gemeinde
Wolfgang Himmelsbach (SPD) sieht eine große Erleichterung für Anwohner, da die Busse nun wieder geordnet auf dem Parkplatz stehen könnten. Für Albert Himmelsbach (Freie Bürgerliste) wiederum war dies zweitrangig: „Der Busparkplatz spielt keine große Rolle. Unsere Aufgabe ist es, für Flüchtlinge und Obdachlose zu sorgen. Die Anlage war super organisiert und von der Bürgerschaft mitgetragen.“ Der Fraktionschef sieht „große Probleme“, in Zukunft die Quote zu erfüllen. Denn: „Wir müssen schauen, wie wir es finanzieren.“
Auch Bürgermeister Michael Moser betonte, dass Seelbach die Containeranlage gerne behalten hätte. Nicht nur, weil es keine Probleme gab, sondern auch weil sie dadurch, dass das Landratsamt die Betreuung und die Finanzierung übernimmt, den Gemeindehaushalt finanziell entlastet. Nun müsse man die weiteren Entwicklungen abwarten.
Belegte Wohnungen
Außerhalb der Containeranlage, stellte Fischer vor, leben 34 Flüchtlinge in Wohnraum der Gemeinde. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und dem Irak. Die Ukrainer, die infolge des russischen Angriffskriegs nach Seelbach kamen, leben inzwischen alle in privaten Mietverhältnissen. In der Theodor-Simon-Straße 11 sind sechs der acht verfügbaren gemeindeeigenen Wohnungen für Flüchtlinge belegt, in der Kirchstraße 24 und der von der Gemeinde angemieteten Immobilie in der Hauptstraße 75 sind es jeweils drei von drei. Ebenfalls belegt ist die Wohnung im Wittelbacher Rathaus. Freien Wohnraum gibt es in der Unterdorfstraße 8 in Wittelbach (zwei Wohnungen) sowie in der Wohnung über dem Wittelbacher Kindergarten, die jedoch aktuell saniert wird.