Die Container im Calmbacher Gewerbegebiet Beermiß sind nur teilweise belegt. Foto: Carsten Knöller

Die Container zur Unterbringung Geflüchteter in Calmbach sind nur teilweise belegt – die beim Waldhotel in Nagold-Gündringen stehen sogar komplett leer. Warum ist das so?

Seit einigen Monaten sind die Container für Geflüchtete im Calmbacher Gewerbegebiet Beermiß offiziell in Betrieb, die ersten Menschen wohnen seit Mai in der Unterkunft. 112 Container hat der Landkreis Calw aufstellen lassen. Darin könnten bis zu 100 Menschen untergebracht werden.

 

Schon bei der offiziellen Einweihung Anfang Juni zeigte sich Landrat Helmut Riegger froh darüber, dass die Zuweisungszahlen stark zurückgingen. Wäre dies vor einem Jahr absehbar gewesen, wären die Container gar nicht nötig gewesen.

Ein Viertel der Geflüchteten Kinder und Jugendliche

Nun stehen sie aber dort – aber wie viele Menschen wohnen dort eigentlich? „Im Mai vergangenen Jahres wurde die neue Gemeinschaftsunterkunft im Calmbacher Gewerbegebiet Beermiß in Betrieb genommen und bietet inzwischen rund 40 Asylbewerbern – darunter zehn Kinder und Jugendliche – einen Wohnraum“, teilt Mara Müssle, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes.

Da die Unterkunft insgesamt für „knapp 100 Personen“ geplant sei, stünden weitere Plätze „zur Verfügung und sollen nach und nach belegt werden“. Die Kosten für die Unterkunft trägt das Land. „Für die Berechnung der Nutzungsgebühren wurden pro Platz 427,10 Euro kalkuliert“, gibt Müssle Auskunft zu den monatlichen Kosten.

Bereits im Vorfeld sorgte die geplante Containeranlage für Unmut in Calmbach. Eine Bürgerin zeigte sich in einer Gemeinderatssitzung im Vorjahr„ziemlich ungehalten über die Art und Weise, wie da entschieden wurde“. Kein Bürger sei gefragt worden, man habe alles aus der Presse entnehmen müssen.

Viel Unmut in Calmbach über Container im Vorfeld

Die Wiese, auf der die Container aufgestellt werden sollen, sei zudem nur durch die Schienen und einen kleinen Hügel von der Straße getrennt, die auch Rad- und Schulweg und überdies nachts nicht beleuchtet sei. „Wir haben Ruhe und Sicherheit gehabt. Da laufen Kinder allein. Wer will da für Sicherheit sorgen?“, brachte sie ihre Sorgen zum Ausdruck. Ein weiteres Thema sei der Lärmschutz.

Da Lärm und Schall nach oben abstrahlten, werde sie künftig ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen, wenn auf der Wiese 100 Menschen lebten. „Wir haben es bisher so schön genossen. Ich wohne dort sei 24 Jahren. Mir graust’s“, sagte sie damals weiter.

Die Flüchtlingsunterkunft in Calmbach wurde im Sommer eingeweiht. Foto: Bernd Mutschler

Um diese „anfänglichen Bedenken der Bevölkerung ist es zwischenzeitlich ruhig geworden“, teilt Müssle auf Anfrage unserer Redaktion mit und zieht eine positive Bilanz: „Die Asylbewerber haben sich in Calmbach gut eingelebt. Der Alltag gestaltet sich sehr harmonisch und friedvoll. Die Bewohner helfen sich, wo sie nur können.“

Weniger Flüchtlinge im Kreis Calw als in Vorjahren

Nicht nur in Calmbach gibt es derzeit freie Plätze für Asylbewerber. „Es sind derzeit 658 Flüchtlinge vorläufig in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Insgesamt gibt es im Ganzen 954 Plätze in Flüchtlingsunterkünften, die vom Landkreis für die Pflichtaufgabe der vorläufigen Unterbringung während der Asylverfahren betrieben werden“, so die Pressesprecherin weiter. Im gesamten Landkreis leben zurzeit 5383 Personen mit Fluchthintergrund, teilt Müssle weiter mit. Im Vorjahresvergleich würden weniger Flüchtlinge zugewiesen. „Das Niveau hält sich seit vier Monaten relativ stabil. Es werden zwischen 20 und 30 Personen monatlich zugewiesen“, so Müssle.

Container in Nagold stehen komplett leer

Die Platzkapazitäten im Landkreis seien mit dem Regierungspräsidium abgestimmt. Müssle schreibt weiter: „Für unvorhergesehene Flüchtlingszuströme wären wir somit weiterhin gut aufgestellt.“

Komplett leer steht übrigens die ähnliche Containeranlage beim Waldhotel in Nagold-Gündringen, bestätigt die Sprecherin. Diese soll dann aber für ein „dringend nötiges Sanierungskonzept der Bestandsgebäude“ genutzt werden, „indem dort Personen als Übergangslösung untergebracht werden, während die anderen Gebäude nicht belegt sind“.