Bei der vergangenen EM jubelten die Italiener – beim Turnier in Deutschland gehören sie aber nicht zu den Favoriten. Foto: dpa/Nick Potts

Die ersten Teams sind in Deutschland gelandet – die Fußball-Europameisterschaft wirft ihre Schatten voraus. Stellt sich die Frage: Wer hat eigentlich gute Chancen auf den Titel?

Wer wird Europameister? Diese Frage beschäftigt nicht nur Fußballfans in halb Europa, sondern auch diejenigen, die in diesen Tagen Tippspiele ausfüllen oder bei Wettanbietern Geld auf den Ausgang der EM 2024 in Deutschland setzen.

Dabei ist das häufig ein Fischen im Trüben, denn besonders Europameisterschaften waren immer wieder für Überraschungen gut. Allzuweit muss man dazu nicht in die Vergangenheit blicken: Mit den Überraschungssiegern Dänemark (1992) und Griechenland (2004) haben sich komplette Außenseiter die europäische Fußballkrone aufgesetzt. Auf Portugal hatten 2016 sicherlich auch nicht viele getippt.

Wer aber wird in diesem Jahr triumphieren? Das hat ein Forscherteam der Universitäten Innsbruck und Luxemburg, der Hochschule Molden sowie der Technischen Universitäten Dortmund und München errechnet.

Wer gewinnt die EM 2024?

Der Favorit ist dabei wenig überraschend. Mit den größten Chancen geht demnach Frankreich ins Turnier. Die Experten haben für „Les Bleus“ eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 19,2 Prozent errechnet. Es folgen:

  • England (16,7 Prozent)
  • Deutschland (13,7 Prozent)
  • Spanien (11,4 Prozent)
  • Portugal (10,8 Prozent)

Wie haben die Forscher „gerechnet“?

Zunächst wurden die Mannschaften anhand statistischer Modelle bewertet. Unter anderem flossen Leistungen der Spieler, Wettquoten und auch sozio-ökonomische Faktoren mit ein. „Mithilfe unseres Modells können wir den wahrscheinlichen Verlauf des Turniers durch Simulation erkunden. Dass es sich dabei natürlich nur um Wahrscheinlichkeiten handelt und es vor dem Turnier keine Gewissheiten zum Ausgang geben kann, liegt auf der Hand“, sagt Achim Zeileis von der Universität Innsbruck.

Der Verlauf der EM wurde 100.000 Mal simuliert – Spiel für Spiel. „Damit ergaben sich Wahrscheinlichkeiten für das Weiterkommen aller Teams in die einzelnen Turnierrunden und letztendlich für den EM-Sieg“, schreiben die Wissenschaftler.

Wer hat Außenseiter-Chancen bei der EM?

Unter zehn Prozent Wahrscheinlichkeit den Pokal nach dem Finale am 14. Juli in Berlin in den Nachthimmel zu recken, misst der Computer folgenden Teams zu:

  • Niederlande (7,6 Prozent)
  • Italien (5,6)
  • Belgien (4,9)

Dieses Trio könnte man noch zum Kreis der erweiterten Favoriten zählen. Kroatien (2,1), Dänemark (2,0), die Schweiz (1,6) und das von vielen Experten hoch gehandelte Österreich (1,1) wären demnach schon Überraschungssieger.

Den Rest des Teilnehmerfeldes kann man nach den Computerberechnungen getrost als „krasse Außenseiter“ bezeichnen – die größten unter ihnen sind Albanien und Georgien, das zum ersten mal an einer EM teilnimmt.

Wie wahrscheinlich ist die Vorhersage?

Die Wissenschaftler weißen daraufhin, dass selbst bei den Top-Teams die Wahrscheinlichkeiten auf den EM-Sieg „vergleichsweise niedrig“ sind. „Eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 19,2 Prozent bedeutet umgekehrt natürlich auch, dass Frankreich zu 80,8 Prozent nicht Europameister wird“, sagt Zeileis.

Sein Modell hat in der Vergangenheit aber bereits erfolgreich Prognosen gestellt. Beispielsweise wurde das EM-Finale 2008 (Spanien und Deutschland) korrekt vorhergesagt; auch beim Welt- und Europameister Spanien (2010 und 2012) lag es richtig.

Gibt es andere Prognosen?

Ja. Beispielsweise hat der Supercomputer von „OCB Scores“ einen anderen EM-Favoriten auserkoren: England. Demnach haben die „Three Lions“ sogar eine relativ hohe Chance auf den Sieg von mehr als 34 Prozent. Es folgt Frankreich (28,3), Deutschland wird immerhin noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 13 Prozent Europameister.

Wen sehen die Wettanbieter vorne?

Computermodelle und Wettanbieter sehen zwei Nationen klar vorn: England und Frankreich (etwa 4,5). Wer auf sie setzt – und richtig liegt – bekommt am Ende am wenigsten für seinen Einsatz.

Eine geringfügig höhere Quote gibt es auf einen „Heimsieg“ von Deutschland (6,5), Portugal und Spanien (9 – 9,5) haben ähnliche Quoten. Titelverteidiger Italien (17), die Niederlande und Belgien (beide 20) könnten bei einem richtigen Tipp viel Geld bringen.