Anfang dieser Woche hat die Stadt ihr Pilotprojekt Virtuelles Rathaus vorgestellt, das es ermöglicht, Anträge komplett in einer Online-Beratung abzuwickeln, ohne dass eine persönliche Vorsprache im Lahrer Bürgerbüro mehr nötig ist. Diese Nachricht hat bei mir zwiespältige Gefühle ausgelöst.
Ich kenne nämlich eine Frau sehr gut, Jahrgang 1943, intelligent, tatkräftig, die viel geleistet hat in ihrem Leben, für die dieser neue Service keine Hilfe darstellt. Im Gegenteil fühlt sie sich durch die fortschreitende Digitalisierung manchmal überfordert. Nicht nur Amtsgeschäfte laufen ja immer häufiger über das Netz, vielmehr hat die Digitalisierung nahezu jeden Lebensbereich durchdrungen.
Die 81-Jährige liebt es, mit Angehörigen und Freunden über What’s App zu kommunizieren oder Fotos der Familie aufs Handy geschickt zu bekommen, darüber hinaus nutzt sie das Internet als Informationsquelle neben der Zeitung. Aber damit ist es ihr auch genug mit dem neuen Technologieglück. Wie sollte es auch anders sein, wenn man die meiste Zeit seines Lebens ohne eigenen Computer verbracht hat?
Die Digitalisierung verändert unser Leben rasant und schafft viele neue Möglichkeiten. Doch zahlreiche ältere Menschen fühlen sich dadurch abgehängt.
Eine weitere Nachricht aus dem Lahrer Rathaus hat mich dagegen in dieser Woche vorbehaltlos gefreut: Das städtische Bürgerbüro verfügt neuerdings über eine Infotheke, an der eine Mitarbeiterin Besucher empfängt und direkt Angelegenheiten klärt, die weder einen hohen Zeitaufwand noch eine individuelle Beratung erfordern. Das ist eine sehr gute Einrichtung, denn ohne persönliche Gespräche – von Angesicht zu Angesicht, nicht über den Computer – geht es auch in Zukunft nicht. Bei aller fortschreitenden Digitalisierung darf das menschliche Miteinander nicht aus den Augen verloren werden.