In der Abwehrschlacht mit der italienischen Unicredit mangelt es der Commerzbank nicht an überzeugenden Argumenten. Das Problem ist der rigorose Gegner, meint unser Autor.
Die Commerzbank-Führung muss sich nicht vorwerfen zu lassen, es nicht versucht zu haben: Sie tut das ihr Mögliche, um den Übergang in italienische Hände abzuwenden. Was nicht alles an Argumenten ins Feld geführt wird: die günstige wirtschaftliche Entwicklung mit Ergebnissen auf Rekordniveau, die ambitionierten Ertragsziele, die Leitfunktion für den Mittelstand vor allem im internationalen Geschäft, die enge Bindung zum Privatkunden sowie – besonders hervorgehoben – die Sorge um die Zukunft der Belegschaft. Wie schmal dieser Grat der Solidarisierung ist, zeigt freilich der Plan, weitere 3000 Stellen abzubauen, nur um die Aktionäre jetzt mit größtmöglicher Effizienz zu beeindrucken.
Mit Aktientausch sind hohe Risiken verbunden
Zugleich warnt die Commerzbank eindringlich vor den hohen Risiken für Anteilseigner, die der Unicredit zuneigen: vor drohenden Ertragsverlusten, einem zu optimistisch veranschlagten Kostensenkungspotenzial, womöglich viel höheren Restrukturierungsaufwendungen, den Auswirkungen der hohen italienischen Staatsschulden und sogar vor dem Russland-Geschäft. Und logisch: Anders als bei einem Barangebot kann sich der Commerzbank-Aktionär bei einem Aktientausch nicht sicher sein, dass sich seine neuen Papiere so positiv entwickeln wie versprochen, zumal er sie nach aktuellen Stand unter Wert erwerben würde.
Das Ganze wird mittlerweile inszeniert wie ein Kulturkampf. Nach dem Gebaren von Unicredit-Chef Andrea Orcel zu urteilen, wird er sich von all dem aber nicht beirren lassen, selbst wenn es immer teurer für ihn wird. Das weiß auch Vorstandschefin Bettina Orlopp. Unterm Strich hat die Hauptversammlung daher gezeigt, dass es ihr vorrangig darum geht, den Preis hochzutreiben – weniger zum Schutze der Beschäftigten und Kunden als vielmehr im Sinne der Aktionäre. Zu befürchten ist, dass für die eigenständige Commerzbank langsam die Uhr abläuft.