Steven Spielberg reiht seit Jahrzehnten einen Erfolg an den anderen. Foto: Jordan Strauss/dpa

Améziane zeichnet das Leben des Starregisseurs Steven Spielberg als Comic-Roman nach – vor allem für Filmfans ein großes Vergnügen.

Anders als im klassischen Hollywood gibt es heute kaum noch Regisseure, deren Namen weltweit ein Begriff sind; die meisten von ihnen sind zudem schon seit Jahrzehnten berühmt. Steven Spielberg zum Beispiel hat mit dem Thriller „Der weiße Hai“ (1975) vor gut fünfzig Jahren den ersten Blockbuster gedreht und seither bis auf wenige Ausnahmen Erfolg an Erfolg gereiht. Im Unterschied zu Alfred Hitchcock, dem Meister des Spannungskinos, ist sein ungeheuer umfangreiches Gesamtwerk als Regisseur, Autor und Produzent ein Sammelsurium unterschiedlichster Genres; deshalb kann die Comic-Biografie „Spielberg“ von Améziane nur die wichtigsten Filme erfassen.

 

Anekdoten über Dreharbeiten

Der Zeichner betont zwar, seine Graphic Novel sei Fiktion, doch der besondere Reiz des Buches liegt darin, dass Spielberg seine Geschichte selbst erzählt. Mitunter hat Améziane, der sich selbst den Beinamen „Amazing“ (erstaunlich) gab, die Ereignisse ein wenig dramatisiert, wie er einräumt, aber davon abgesehen sind die gut 190 Seiten eine fesselnde Lektüre, die mit Kenntnis der großen Erfolge Spielbergs natürlich doppelt so viel Spaß macht. Allein die Entstehungsgeschichten von „E.T.“, „Jurassic Park“ oder der „Indiana Jones“-Reihe sind ein großes Vergnügen für alle Filmfans; von den Anekdoten über die Dreharbeiten ganz zu schweigen. Bei „Schindlers Liste“, den Spielberg als seinen persönlichsten Film bezeichnet, wird es allerdings auch ziemlich ernst.

Sicherlich ließe sich einwenden, dass die meisten Fakten bereits bekannt sind, zumal es neben einigen ausgezeichneten Büchern über den Regisseur auch seinen autobiografischen Spielfilm „Die Fabelmans“ (2022) gibt. Der Vorteil des Comic-Romans ist jedoch Amézianes künstlerische Freiheit. Dank diverser Zuspitzungen und Verdichtungen wird das Leben Spielbergs selbst zum Filmstoff, zumal sich mit Hilfe der Fiktionalisierung Zusammenhänge herstellen und Kreise schließen lassen, die retrospektiv überaus plausibel wirken, auch wenn die Realität womöglich anders aussah.

Der Franzose Améziane Hammouche, Mitte fünfzig und somit etwas älter als Spielbergs erster kommerzieller Kinoerfolg, hat bereits ähnliche (und ähnlich lesenswerte) Comic-Romane über Quentin Tarantino und Martin Scorsese verfasst. Hier wie dort haben seine Arbeiten einen unübersehbaren Makel: Er ist kein guter Porträtzeichner. Spielberg ist ihm gut gelungen, aber einige andere sind ihm gründlich verunglückt. Die Filmszenen sind jedoch sehr überzeugend. Gerade grafisch ist die Gestaltung des Buches, das immer wieder durch kleine stilistische Besonderheiten erfreut, sehr abwechslungsreich.

Améziane: Spielberg. Aus dem Französischen von Harald Sachse. Splitter-Verlag, Bielefeld. 192 Seiten, 35 Euro