Von den Freuden und Mühen des Großeltern-Daseins bis zur Lyrik über Ringelschwänze: Bei zwei Vorpremieren testet Heinrich del Core sein neues Programm „Juhuu, meine Frau wird Oma!“ vor rund 700 Besuchern im Sonnensaal auf Herz und Nieren. Die Diagnose: Der Patient lacht.
Hurra, das erste Enkele da. Die Freude bei den frischgebackenen Großeltern ist riesig. Wobei: Mit dem Wort Opa mag sich Heinrich del Core noch nicht so recht anfreunden. Er fühlt sich schließlich noch jung.
Endlich wieder „knackig“
Und doch ist vieles nicht mehr wie früher. Das morgendliche Aufstehen zum Beispiel. Das erfordert inzwischen ausgiebiges Aufwärmen. Aber die steifen Glieder haben auch ihr Gutes: Endlich bekommt der Kabarettist von seiner Frau gesagt, wie „knackig“ er ist.
Ja, das Altern ist nichts für schwache Nerven. Und das Warten auf den ersten Enkel erst recht nicht. Sex im Alter? Kann doch nur dazu gedacht sein, um endlich selbst für Enkelkinder zu sorgen, mutmaßt del Core. Und warnt: Mit steigendem Alter der Mutter besteht die Gefahr, dass die dem Kind den Brei wegisst.
Kinderwagen zum Preis eines Mofas
Ihn persönlich haben ja ganz andere Sorgen geplagt, die er auch mit seinem Rottweiler Publikum teilt.
Nein, nicht in Zusammenhang mit der „größten Baugrube Baden-Württembergs, der neuen Rottweiler JVA“, obwohl das Schild mit der Aufschrift „Wir bauen für Sie“ einem schon Angst machen könne. Sondern, ob das Enkele den Namen Schokominza erhalten könnte. Oder ob es bei den horrenden Kinderwagen-Preisen heutzutage das Kind gleich dazu gibt.
Gender Reveal? Gibt’s im Stadtgraben
Auch mit den neuen Trends rund ums Kinderkriegen muss Heinrich del Core erstmal warm werden. Gender-Reveal-Party mit einem Kuchen, dessen Füllung verrät, ob’s ein Bua oder ein Mädle wird? Warum keine schwäbische Version mit Maultaschen?
Und wozu überhaupt eine Party? Geschlechtsenthüllung gab’s früher auch schon – wenn man im Stadtgraben einem Exhibitionisten begegnete.
Verwechslungsgefahr befürchtet del Core beim Trend, die Plazenta nach der Geburt mitzunehmen, um sie weiter zu verarbeiten. Bei Mutterkuchen denkt mancher doch automatisch an die Kaffeetafel.
Schwarzwurst statt Banane
Auch mit der veganen Lebensweise seiner Tochter hat der Kabarettist so seine Schwierigkeiten. Warum die Größe des Embryos mit einer Banane vergleichen, wenn eine Schwarzwurst doch genauso groß ist? „Die Fleischesser geraten immer mehr in die Defensive“, beklagt er und erhält zustimmendes Nicken aus dem Publikum.
Und dann steht auch noch eine Hochzeit mit veganem Essen an – ob er da mit einem Hähnchenwagen als Überraschung punkten kann? Das Gelächter ist riesig.
Von Donnerwetter bis „Ach je“
Und del Core hat noch so viel mehr zu erzählen. Von unerwünschten Urlaubsgästen in Südfrankreich, vom Unterwäschekauf für seine Frau – Eselsbrücke zum Merken der Körbchengröße inklusive – von Anschaffungen fürs Enkele, das schon einiges im Leben der Großeltern durcheinanderwirbelt, bevor es überhaupt geboren ist, von irritierenden Saunabegegnungen und Wellness-Urlauben mit Pickel-Ausdruckstanz und Co.
Außerdem lüftet er das Geheimnis darum, wo er die roten Schuhe, sein Markenzeichen, her-, und welcher „Promi“ die Treter schonmal anprobiert hat.
Frauen und ihre kalten Füße
Natürlich geht es auch wieder um Missverständnisse und Eigenarten von Mann und Frau. Die del Core durchaus wissenschaftlich hinterfragt. Ob schnarchen oder kalte Füße in der Steinzeit Abwehr- und Tötungspraktiken waren?
Del Core weiß, wie er an den Erfahrungsschatz seiner Gäste kommt und diesen gezielt und pointiert ansteuern kann. Die Reaktionen im Sonnensaal geben ihm Recht: Mit seinem Mix aus vertrauter Alltagskomik mit teilweise auch unerwarteten Wendungen – das macht denn auch einen guten Teil des besonderen Charme des Programms aus – trifft del Core ins Schwarze.
Und auch im neuen Programm darf es dabei durchaus auch mal schlüpfriger werden. Im Endeffekt bleibt er aber vor allem eins: ganz nah dran an der Lebensrealität seines Publikums – die er überspitzt interpretiert und mit Lachgarantie zurückspielt.
25 Jahre auf der Bühne
In diesem Jahr ist es übrigens 25 Jahre her, seit del Core seinen Beruf als Zahntechniker an den Nagel gehängt hat, um Kabarettist zu werden. Anlässlich dieses Jubiläums bringt er im Sommer ein Best-of-Programm auf die Bühne.
Nach den Vorpremieren im Kapuziner stand del Core, auch nach all der Zeit und trotz seines Erfolgs ganz auf dem Boden geblieben, noch für Fotos, Autogramme oder ein Schwätzle parat. Ein Kabarettist zum Anfassen eben – „nur bitte it am Schnäpperle“.