Marianne Schätzle geht im Kräuterkasten der Frage nach, ob früher alles besser war.
Aus der Sicht einer nicht mehr ganz jungen Frau schilderte Marianne Schätzle am vergangenen Freitag im Kräuterkasten, wie das Leben einmal war und wie es heute ist. Dabei helfen ihr Zeugen aus verschiedenen Generationen: die eigene Großmutter, die eigenen Enkel, ihre Freundinnen.
Die Beurteilung der Vergangenheit fällt deutlich positiver aus. Was hat sich etwa doch bei den Kindern geändert? Früher gab es die Outdoorkinder, die im Freien tobten. Heute sind das Indoorkinder.
Das sind aber keine Kinder, die einen Inder als Vater haben – ein Beispiel dafür, wie Marianne Schätzle mit der Sprache spielt – sondern Kinder, die im Haus nur noch am Handy hängen, die nicht mehr Angst haben vorm Schwarzen Mann, sondern vorm Weißen Hai, die nicht mehr selbst rennen, sondern anderen dabei zuschauen. Früher war die Kindheit einfach schöner.
„Wir hatten Freude, kein Handy“
Marianne Schätzle greift zur Gitarre, singt und lässt dann das Publikum als Refrain immer wieder bestätigen „Wir hatten Spaß, Freude, wir hatten kein Handy“. Diese Erkenntnis zieht sich durch den ganzen Abend.
Auch die Kleidung war früher besser. Keine Jeans, dafür unverwüstliche Lederhosen, Rock und Kniestrümpfe. Die Sonntagskleidung wurde im Schrank durch Mottenkugeln geschützt.
Heute wäscht man sie mit solch komischen Mitteln, dass sie einen fürchterlichen Geruch verbreiten. Doch halt, das verhindert vielleicht, dass die so gekleidete Person entführt wird – wieder eine überraschende Schlussfolgerung.
Hoher Besuch
Ganz aufgeregt erzählt Marianne Schätzle nach der Pause, dass eben jemand eingeflogen wurde. Sie verschwindet, und an ihrer Stelle betritt Angela Merkel den Raum, ein Höhepunkt des Abends. Jacke, Frisur, Raute, Blick, Sprache, alles ist täuschend echt.
Auch sie vergleicht ihr früheres Leben mit der Gegenwart, wobei die Gegenwart positiver ausfällt, kein enttäuschender Umgang mit anderen Politikern mehr, dafür ein eigenes Buch, gemütliches Sitzen im Garten, warten, warten bis endlich die Schecke erscheint. Und für den Umgang mit Gatten Joachim hat sie Hilfe von Marianne Schätzle erhalten, von der sie oft vertreten wird.
Die tritt wieder auf, nachdem Angela Merkel verschwunden ist, und sie wendet sich jetzt einem weiteren wichtigen Thema zu, dem Verhältnis von Mann und Frau. Als treffendes Beispiel wählt sie einen Grillabend. Da sei der Mann ein Mann, der alles beherrscht, die Frau sei nur Zulieferer.
Darf Wurst noch Wurst heißen?
Doch auch beim Essen hat sich viel geändert. Früher gab es nur einmal pro Woche Fleisch. Ein Huhn wurde erst geschlachtet, wenn es keine Eier mehr legen konnte. Wurst war die Hauptsache beim Grillen, heute diskutiert man, ob eine Wurst noch Wurst heißen darf, wenn sie vegetarisch oder vegan hergestellt wurde, wieder eine lustige Pointe.
Früher war alles besser. Man ist alt geworden, der Körper hat sich negativ verändert, um sich schwindelig zu fühlen braucht man keine Flasche Wein mehr.
Wenn man im Bus mit lauter jungen Leuten sitzt, fühlt man sich völlig fehl am Platz. Bleiben Freundschaften. Man trifft sich zum Kaffee. Doch die Themen haben sich geändert. Früher redete man über Kuchen, über Rezepte, über Abnehmen, heute redet man über Werte – Blutwerte.
Einen Rat hat Marianne Schätzle für das Publikum. Man soll bei solch einem Treffen nie zu früh gehen, denn sonst wird von den anderen über einen geredet. Nun, sie selbst gibt nach kräftigem Applaus zwei Zugaben, und die Gäste im Saal reden tatsächlich über sie, aber nur Gutes nach diesem vergnüglichen Abend.