Als Sybille Bullatschek führt Ramona Schukraft ihrem Publikum in der bestens besuchten Stadthalle im Sulzer Backsteinbau den Pflegealltag kabarettistisch vor Augen. Foto: Vollmer

Comedienne Ramona Schukraft bringt in Sulz die Herausforderungen, die die Arbeit in der Pflege mit sich bringt, ihrem Publikum auf ganz besondere Weise nahe.

Mit Vorschusslorbeeren wurde Sybille Bullatschek, die ebenso herzensgute wie schlagfertige Pflegekraft, im Backsteinbau von den Besuchern begeistert empfangen. Ihr Ruf eilte ihr voraus: Mit Respekt, Humor und großer Empathie bringt sie das Thema Pflege auf die Bühne – ohne je die Würde der Pflegebedürftigen aus dem Blick zu verlieren.

 

Genau das gelang Ramona Schukraft, Kabarettistin und Autorin aus Wertheim, die als charmant schwäbelnde Sybille Bullatschek aus Pfleidelsheim auftritt.

Die fröhlich-chaotische Altenpflegerin aus dem imaginären Haus Sonnenuntergang fesselte mit skurrilen Geschichten, schrägen Figuren und liebevollem Blick auf die Herausforderungen des Pflegealltags.

Pointierte Gesellschaftskritik

Dabei verband die Comedienne überzogene Episoden mit pointierter Gesellschaftskritik und musikalischen Einlagen zu einem höchst unterhaltsamen Abend. Es wurde ausgiebig gelacht über das viel diskutierte Thema – das Alter.

In ihrem Soloprogramm, in dem es von Menschen nur so wimmelte, macht sie mit feinem Gespür auf Missstände aufmerksam, bricht mit Vorurteilen und zeigt zugleich eine warmherzige, lebensnahe Sicht auf das Leben im Heim. Körperoptimierung, Pflege und Gebrechlichkeit – aber auch die Konflikte ihrer eigenen Generation – brachte die 53-Jährige zum Schreien komisch auf die Bühne.

Jeder Bewohner hat seine eigene Melodie

Bei aller Spöttelei: Sie machte sich nachdrücklich für Pflegekräfte stark. Mit Herzblut, Respekt und einem Augenzwinkern verlieh sie ihnen eine Stimme, die berührte – und nachhallte.

In ihrer Szenenfolge nahm sie das Publikum mit in den 24-Stunden-Alltag im Heim: vom Ankommen mit automatischer Begrüßung vom Band bis zur Nachtschicht mit skurrilen Bewohnerritualen, bei denen es pausenlos mit verschiedenen Melodien klingelte – jede passend zum jeweiligen Heimbewohner. Erst um 3.05 Uhr war endlich fünf Minuten Ruhe – Zeit für ihren Liebesroman. Als die Frühschicht kam, hieß es nur: „Du hast es gut in der Nacht!“

Weiter erzählte sie von Ausflügen in die Wilhelma oder eine Kläranlage, Geburtstagsfeiern von Hundertjährigen, Feuerwehr- und Polizeieinsätzen und dem Besuch eines Bestatters mit Werbeprospekten. Mit Publikumsinteraktion und einem übergroßen Luftballon bewies sie zudem spontanen Erfindungsgeist.

Partnersuche bei so einem Job? Nur per Speed-Dating. Der erste Kandidat: „Ich heiße Stephan mit ‚ph‘.“ Ihre Antwort: „Ich heiße Sybille mit ‚BH‘.“

Wehrdienst würde der Pflege helfen

Zum Schluss wurde sie ernst: Zur aktuellen Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht sagte sie: „Ich wünsche mir, dass sie zurückkommt – für den Zivildienst. Der würde der Pflege gut tun.“

Publikum singt mit

Beim abschließenden Song „Kommt, lasst uns pflägen“ sang das Publikum mit. „Ich singe ihn so lange, bis sich etwas ändert. Sollte sich nichts ändern, noch mit 80.“ Der lang anhaltende Applaus für zwei kabarettistisch glänzende Stunden war mehr als verdient – für die wohl lustigste Altenpflegerin Deutschlands.