Mehr als 200 Besucher erlebten Heinrich del Cores ersten Comedy Club 2026 in Rottweil – mit Überraschungsgästen, Musik, bissigem Wortwitz und einem faszinierenden Finale.
Der erste Comedy Club im Jahr 2026 im Kapuziner hielt nicht nur für die Gäste Überraschungen bereit. Auch Gastgeber Heinrich del Core erlebte man mal kurz verblüfft, als er seinen Meister aus Zahntechniker-Zeiten im Publikum erspähte. Begeistert vom Tun seines Azubis sei der damals nicht gewesen, verriet Del Core. Gut, dass „Heini“ das Metier gewechselt hat – bei der Auswahl seiner Gäste für den Comedy Club jedenfalls bewies er wieder Fingerspitzengefühl.
Der Erste im Bunde, Christoph Maul, brachte nicht nur fränkischen Charme auf die Bühne, sondern auch Geschichten mitten aus dem Leben. Die Anfangsfrage, ob seine Zuhörer was Politisches oder „was Blödes“ hören wollen, beantwortete sich von selbst – sei ja dasselbe. Mauls Theorie zu Markus Söders Hüftleiden? Eine Unwucht durchs einseitige Bratwurstsemmel-Halten.
Apropos deftig: Im Familienhotel im Bayerischen Wald würde Maul viel lieber zu Schnitzel und Pommes am Kinderbuffet greifen als zur veganen Auberginenpasta für Erwachsene. Also muss der fünfjährige Sohnemann als Alibi herhalten. Schwierig wird nur, glaubhaft zu machen, dass der Kurze sieben Schnitzel verdrücken kann.
Und ja, das Elterndasein könnte so schön sein – wenn da nicht die anderen Eltern wären. Mauls Premium-Tipp, wenn die Eltern-Clique beim Kita-Fest will, dass die Bilder ihrer Kinder aus Datenschutzgründen entfernt werden: Lautstark Freude darüber äußern, dass die Fotos der hässlichen Kinder der Gruppe endlich weg sind.
Waghubinger: bissig und feinsinnig
Stets die richtigen Worte findet auch Christian Langer, Mitgründer der A-cappella-Comedy-Gruppe „Füenf“, mit seinem „Pianismus“. Von gefühlsbetonten Songs wie „Liebe ist Käse“ über Handwerkerromantik bis zum „Patrick-Lindner-Supermix“ mit Publikumsbeteiligung brachte er einen Hauch Poesie und Philosophie mit einem Zwinkern in den Kapuziner – und löste auf, warum es ursprünglich mal vier Heilige Könige waren („auf dem Ritt nach Bethlehem schwächelt einem das Immunsystem“).
Auf ihn folgte das absolute Gegenprogramm: Österreicher Stefan Waghubinger bestach mit bissigem Humor und feinsinnigem Wortwitz, den man zu verpassen drohte, wenn man nicht aufmerksam war. Mit Gedanken an die Zukunft sei es heutzutage wie mit dem Gang in ein unbekanntes Gewässer, meinte er: Angst ohne Grund. Der Unterschied zwischen einem Realitätsleugner und einem Realitätsverweigerer? Letzterer rauche nicht nur weiter, obwohl das sein Leben laut Zigarettenschachtel verkürzen könnte – er werde dabei auch noch 100 Jahre alt.
Vorsicht bei Komplimenten
Lebensverkürzend kann sich im Zweifel auch das Komplimente-Machen auswirken. „Du machst das so gut, du könntest das professionell machen“, funktioniere etwa in der Küche gut, im Schlafzimmer weniger, teilte Waghubinger seine Erfahrungen.
Und in einer herzzerreißenden Anekdote aus seiner Kindheit mit der juckenden Biene-Maja-Strickversion der gewünschten Captain-Kirk-Jacke ließ er die Rottweiler wissen, wie er sich dem Jesuskind im Stroh plötzlich ganz nahe gefühlt habe.
Von Parallelen zwischen dem Leben und einem abgelaufenen Joghurt bis hin zur Frage, warum der Buddha in China-Restaurants immer grinst – „der weiß, was im Essen wirklich drin ist“: Dem zynischen Nörgler Waghubinger hörte man nur allzu gern zu.
Faszinierende Kunst
Das Highlight hatte sich Gastgeber Del Core für den Schluss aufgehoben. „Erklären kann man das nicht, das muss man erlebt haben“, kündigte er „Deutschlands einzige Bauchsängerin“ an: Murzarella. Und er hatte nicht zu viel versprochen, gewann die mit ihrer Darbietung doch selbst diejenigen, die der Kunst des Bauchredens wenig abgewinnen können.
Nicht nur verlieh sie ihren Figuren mit unterschiedlichen Stimmfarben, Dialekt und sprachlicher Präzision Charakter, sie hauchte ihnen mit lebensechter Gestik bei gleichzeitigem Bauchreden oder -singen Leben ein. Was technisch hoch anspruchsvoll ist – das richtige Timing beim Wechsel zwischen den Charakteren und Murzarella selbst – wirkte bei ihr spielerisch leicht.
Operngesang, ohne die Miene zu verziehen
Und spätestens, als sie ihren Charakter Frau Adelheid – nach einem kleinen Flirt mit Horst aus der ersten Reihe – die „Habanera“ aus der Oper Carmen schmettern ließ, ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen, fragte man sich als Zuschauer fassungslos: Kann das wirklich live sein?
Der Comedy-Faktor kam bei aller Faszination für die Kunst aber auch nicht zu kurz. Insbesondere Kalle, die Kanalratte aus Wanne-Eickel, zog mit seinen markigen Sprüchen im Ruhrpott-Charme die Sympathien auf seine Seite. Und als Kakadu Dudu, Frau Adelheid und Murzarella als Terzett „Time to Say Goodbye“ sangen, wurden sie dafür mit Standing Ovations gefeiert – der gelungene Schluss eines Comedy-Club-Abends, der einen den Alltag kurz vergessen ließ.
Die nächsten Comedy-Club-Termine in Rottweil sind der 20. April, der 21. September und der 9. November. Karten gibt es unter www.heinrich-delcore.de oder in der Buchhandlung Klein.