Der schwäbische Kabarettist Klaus Birk steht in Nagold mit dem badischen Komiker Andreas Müller gemeinsam auf der Bühne. Wie das zusammenpasst? Das verraten sie im Doppel-Interview.
Klaus Birks Auftritte in der Alten Seminarturnhalle – auch das ist, wenn man so will, in Nagold schon Adventstradition. Doch diesmal reicht ein Birk alleine nicht für diese Stadt.
Ausgerechnet aus dem Badischen hat er sich mit Andreas Müller prominent verstärkt. Gemeinsam treten sie am 13. und 14. Dezember ab 20 Uhr mit ihrem Programm „HomeLändZäck“ auf. Ein schöner Anlass, um im Doppelinterview nachzuhaken, wie es zu dieser schwäbisch-badischen Allianz kam.
Herr Birk, zu ihren traditionellen Dezember-Auftritten in der Seminarturnhalle bringen Sie diesmal mit Andreas Müller prominente Verstärkung mit. Bietet das Ländle mittlerweile zu viel Stoff für einen einzigen Kabarettisten?
Überlegen Sie mal, wie viele Beamtentinnen wir in Bawü haben, die für das Land arbeiten müssen und den Irrsinn der EU und der Rundesbegierung umsetzen sollen. Bei zig tausend Paragrafen und Gräfinnen kommst du doch als einzelner Kabaretteur gar nicht nach. Da heißt es Gemeinsam sind wir fassungslos.
Diesmal also lieber gemeinsam, statt einsam. Wie kam es denn zu der Kombi Müller/Birk? Was verbindet Sie?
30 Jahre gegenseitige Wertschätzung - damals noch in DM, heute in Euro. Birk hat für SWF3 Radio-Szenen geschrieben und gespielt und Müller hat ihn dabei beraten, unterstützt. Danach sind wir uns bei Müller TV und bei BW lacht begegnet und haben da schon die große Gemeinschaft zwischen Schwabener und Bader genossen.
Tja und dann kam ein Mänätscher auf uns zu und meinte - wir sollten eine Show der Hoffnung in die Herzen der Menschen tragen - und so riefen wir beide hinaus. One Länd - One Problämm! oder war es No Länd - No Problem? Jedenfalls war so Ratz samt Fatz - Müllers Birk und „HomeLändZack!“ geboren.
Was erwartet die Gäste an den zwei Abenden?
Birk: Humor in The Städt, The Länd, und in „the Wörld of Wer schafft“. Kurz, wir machen alle lustig über was halt isch. WM-Quali, Landtagswahl, Merz im Scherz, über Hagelflieger und das Mir vom Özdemir. Über Alltag, Ufos, Pünktlichkeit, über Baustellen, Bahnhöfe und selbstredend über uns.
Wie entsteht denn so ein gemeinsamer Auftritt? Wie darf ich mir den kreativen Schaffensprozess vorstellen?
Müller: Wir machen etwas heute völlig Untypisches: Wir reden miteinander. Bis heute sind es über 250 Gespräche und alle zeichnen wir auf. Reden über Aktuelles, Spirituelles, Materielles, über Politik samt Menschlichkeit, kurz über älles was isch und nicht wird halt. Birk liest recherchierend täglich Zeitung, Bote, BNN, StZ.
Birk: Müller macht sich ein Bild im Spiegel der Zeit und so sprechen wir über Gelesenes, Erlebtes, Erwartetes, Versprochenes und Gebrochenes. Und haben Spaß mit Ernst.
Herr Müller, was verbinden Sie eigentlich mit Nagold?
Ganz klar – Klaus Birk – und den Wert von Gold an sich. Die Unze Gold liegt inzwischen bei mehr als 3500 Euro, da gehe ich auch bei der Unze Nagold von einer deutlichen Wertsteigerung aus – und da will man natürlich dabei sein, vor allem, wenn man wie ich ansonsten gar kein Gold hat.
Übrigens verbindet Nagold und meine Heimatstadt Bühl doch etwas, und zwar der Rhein. Die Nagold fließt irgendwann über allerlei Umwege in denselben, genau wie die Bühlot. Das ge-schieht fließend und schafft Meer Gemeinsamkeit.
Herr Müller, Sie sind ja auch für ihre Parodien bekannt. Ist schon klar, welche Promis Sie auf der Bühne zu Wort kommen lassen?
Alle, die in letzter Zeit irgendwie von sich reden machten und die stimmlich oder sittlich noch geeignet sind. Das kann sich also bis kurz vor knapp noch neu sortieren – eine alte Radiokrankheit. In jedem Fall aber rechne ich mit Karl Lauterbach – diese Stimme zu hören macht einen direkt fünf Jahre gesünder.
Herr Birk, dass Sie nun als Duo kommen, heißt aber nicht, dass es keine lokale Jahresrückschau gibt Da würde den Nagoldern glaube ich schon was fehlen…
Sie können aber auch fragen! Solange hier Einbahnstraßen zu Sackgassen werden und die Verwaltung vom Blitz des Radars getroffen wird; Nagolder geschlossen hinter dem Wertstoffhof stehen; Liebesbriefe kein Postamt mehr finden und das Parkhaus Traube schon wieder ver-renoviert wird, kann ich unmöglich den Blick abwenden von den Wundern der nagoldenen Stadt, die 2025 eindeutig einen rostigen Nagel im Wappen trägt.
Herr Birk, was war denn ihr lokales Nagold-Highlight in diesem Jahr?
Es war nicht. Es ist. Welche Stadt beleuchtet so liebevoll ihr Rathaus und wirft in der Advents-zeit strahlendes Licht auf die Verwaltung - in der Hoffnung, dass hier in Zukunft alles heller werde.
Viele Künstler haben ja eher ein ambivalentes Verhältnis zur Adventszeit. Wie ist das bei Ihnen – mögen Sie Weihnachten oder dient es eher als Stofflieferant?
Birk: Wir lieben Weihnachten und auch den Stofflieferanten. Herr Müller hat sich aus einem Stoff, aus dem die Träume sind einen Lebkuchen-Mantel nähen lassen. Vegan und ohne Zucker. Oder war die Frage jetzt anders gemeint?
Was ist für Sie das Absurde, Schöne oder Nervige an der Vorweihnachtszeit?
Birk: Die Vorweihnachtszeit!
Müller: Also ich mag Weihnachten irgendwie – es ist meist so kurz, dass es oft ganz schnell auch wieder vorbei ist – der Duft von Kinderaugen und das Strahlen von Tannenzweigen ist doch immer wieder schön anzuhören. Und überhaupt Weihnachten passt auch immer gut ins Stadtbild.
Und wie verbringen die Herren Müller und Birk privat die Feiertage?
Birk: In einer Einbahnstraße der Innenstadt und danach vor den Toren des geschlossenen Wertstoffhofs. Voller Hoffnung auf die Rückkehr des Lichts. Mit Familie, Baum und Gugelhupf.
Müller: Ich erzähle meiner Familie die Weihnachtsgeschichte – wie sich in Nagold zwei Abende lang das Wunderbare in die Herzen des Publikums gesenkt hat, Lächeln die Gesichter zum Strahlen brachte und in himmlischer Eintracht eine Petition zur Rettung des Wertstoffhofes verfasst wurde. So hat es mir zumindest Herr Birk empfohlen, weil es vorab eine inspirierende Geschichte auf dem Weg zur Wahrheit sei.
Infos
Andreas Müller
ist Jahrgang 1966. Seine Heimatstadt ist Bühl am Rhein. Seit 1991 ist Andreas Müller als Parodist, Stimmenimitator und Komiker aktiv.
Klaus Birk
ist 1955 in Nagold geboren. Der studierte Jurist, ist seit Anfang der 1980er Jahre als Kabarettist aktiv. Seit Ende der 1980er-Jahre schreibt er für Radio, TV, Film und Zeitungen, zudem moderiert er, führt Gespräche, coacht und ist als Regisseur in den Bereichen Kabarett, Comedy und Volkstheater tätig. Und er steht natürlich auch selbst auf der Bühne.
Die Auftritte
Müller und Birk gastieren mit ihrem Programm „HomeLandZäck“ am Samstag, 13. und Sonntag, 14. Dezember ab 20 Uhr in der Alten Seminarturnhalle in Nagold.