In Colmar war das Coronavirus vielleicht viel früher präsent als zuerst angenommen.   Foto: Deckert

Verdachtsfälle gab es frühzeitig. Pikant: Frankreichs "Patient 0" ohne Kontakte nach China.

Colmar - Nachdem am Donnerstag die Albert Schweitzer Klinik in Colmar von einem möglichen Corona-Fall bereits Mitte November 2019 berichtet hat, soll es dem Sender France Info zufolge in dem Krankenhaus auch am ­2. Dezember 2019 einen weiteren Covid 19-Fall gegeben haben. Das Klinikum habe den Fall bestätigt, er sei mithilfe eines Schnelltests nachgewiesen worden.

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Außerdem gebe es zahlreiche weitere Verdachtsfälle: Der Radiologe Michel Schmitt aus Colmar, der rund 2500 Lungen-Scans seit November 2019 analysiert hat, gehe demnach allein für seine Klinik von 16 Fällen aus, die im November und Dezember 2019 Corona-typische Spuren aufgewiesen hätten.

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Er habe zahlreiche atypische Grippe-Erkrankungen im Spätjahr 2019 beobachtet, erklärte der Arzt gegenüber dem Sender. Die Erkrankungen seien mit einem Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes einhergegangen. Symptome, die auch bei einer Corona-infektion häufig auftreten. Für eine klärende Stellungnahme war in der Klinik in Colmar am Freitag wegen des Feiertags allerdings niemand zu erreichen.

"Patient 0" in Frankreich kurz vor Weihnachten

Als erster definitiv bestätigter Corona-Fall ("Patient 0") in Frankreich gilt dem Fachmagazin "International Journal of Antimicrobial Agents" zufolge seit Freitag ein 43 Jahre alter Fischhändler aus der Nähe von Paris, bei dem anhand einer Blutprobe aus dem Dezember nun rückwirkend nachgewiesen werden konnte, dass er kurz vor Weihnachten mit Corona infiziert war.

Besonders interessant dabei: Der Mann hatte keine Kontakte nach China und war auch nicht verreist. Er muss sich somit in Frankreich angesteckt haben. Französische Wissenschaftler gehen daher zunehmend davon aus, dass das Coronavirus sich früher als bisher gedacht verbreitet haben muss: Viele Infizierte hätten nichts von der Ansteckung gemerkt, sodass sich die Epidemie zunächst unerkannt in der Bevölkerung verbreitet habe.

Reisende aus China, die im Dezember nach Frankreich kamen, seien nicht zwangsweise der Auslöser der Pandemie im Land gewesen. Mehrere Kliniken und das Forschungszentrum Institut Pasteur in Paris haben mittlerweile damit begonnen, Patientenakten und Influenza-Fälle der vergangenen Monate auf mögliche frühe Corona-Fälle aus den letzten Monaten des vergangenen Jahres zu untersuchen. Dadurch erhoffe man sich Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus, um auch für eine weitere Infektionswelle besser gerüstet zu sein, erläuterte laut France Info der Infektologe Olivier Bouchard vom Avicenne-Klinikum in Bobigny bei Paris. Dort war der Fall des 43 Jahre alten Fischhändlers vom Dezember entdeckt worden.

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