Vertagt wurde die Entscheidung im Gemeinderat, ob das Wasserschutzgebiet rund um den Tiefbrunnen Pfaffenwiesen in Locherhof unterhalb des Brenntenwaldwegs (links oben) aufgehoben werden soll. Foto: Herzog

Gemeinderat: Diskussion um Wasserschutzgebiet in den Pfaffenwiesen / Entscheidung wird vertagt

Ist es richtig, ein Wasserschutzgebiet aufzuheben, obwohl sich ständig Colibakterien im Quellwasser befinden? Darüber sind sich Gemeinderäte und Bürgermeister Franz Moser uneins.

Eschbronn. Einen unerwarteten Verlauf nahm die Diskussion um einen Antrag der Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Eschbronner Gemeinderats, das Wasser­schutzgebiet rund um den ehemaligen Tiefbrunnen Pfaffenwiesen des Wasserzweckverbands Eberbachgruppe in Locherhof aufzuheben. Die Entscheidung wurde schließlich vertagt.

Nach Auskunft des Bürgermeisters wurde im November 2019 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Unter dem Brenntenwald – 2. Erweiterung" und im Mai dieses Jahres die Offenlegung des Entwurfs beschlossen. Bei den darauf eingegangenen Stellungnahmen weise das Umweltamt auf das seit 1973 bestehende Wasserschutzgebiet hin, das ein Problem für die beabsichtigte Bebauung der Fläche darstelle.

Zwar liege das Plangebiet in der Wasserschutzzone III-A, in der eine Bebauung ausnahmsweise zulässig sei, der Geltungsbereich grenze jedoch an die Zone II, und die Zone I liege in unmittelbarer Nähe, argumentiere die Behörde.

Das Wasserschutzgebiet sei 1973 festgelegt worden, um die Trinkwassergewinnung aus dem Pfaffenwiesenbrunnen zu schützen. Seit Ende Dezember 2006 betreibe der Zweckverband den Brunnen allerdings nicht mehr, weil regelmäßig coliforme Keime aufgetreten seien und das Quellwasser in erheblichem Maße gechlort werden musste. Letzteres habe sowohl in Dunningen als auch in Eschbronn zu Beschwerden der Einwohner geführt.

"Die Schüttung des Brunnens war mit rund 1,5 Litern pro Sekunde relativ niedrig, und die Technik ist inzwischen auch zurückgebaut worden. Eine erneute Inbetriebnahme ist somit nicht vorgesehen, weshalb das Wasserschutzgebiet aufgehoben werden sollte", begründete Moser den Antrag.

Rat Christoph Meyer-Sander sprach von einer Diskussion, die in die falsche Richtung gehe. "Wenn das Wasserschutzgebiet aufgehoben wird, sind die Colibakterien trotzdem noch im Grundwasser vorhanden. Den Landwirten öffnet es Tür und Tor, dort Gülle auszufahren", befürchtete das Ratsmitglied. Wer wisse schon, ob der Brunnen irgendwann wieder gebraucht werde.

Auch wenn der alte Brunnen stillgelegt sei, könne daneben ein neuer gebaut werden. "Ich halte die Aufhebung für fahrlässig. Ein bestehendes Problem sollte nicht einfach auf die Seite geschoben, sondern untersucht werden. In diesem Fall müsste das Gebiet sogar vergrößert werden", urteilte Meyer-Sander.

Franz Moser betonte, er wolle jetzt nicht darüber debattieren, woher die Colibakterien kämen. Wenn man das Einzugsgebiet näher betrachte, werde dort kaum intensive Landwirtschaft betrieben.

Unterstützung in seiner Ansicht erhielt Meyer-Sander von Ratskollege Fred Zehner. "Welche Nachteile bringt es uns, wenn wir das Wasserschutzgebiet nicht aufheben?", wollte Zehnder wissen. Nachdem auch Rat Andreas Noth vorschlug, vor dem Beschluss erst bei der Baurechtsbehörde nachzufragen, welche konkreten Einschränkungen ein weiteres Bestehen des Wasserschutzgebiets nach sich ziehe, empfahl Moser, das Thema in eine der nächsten Sitzungen zu vertagen. Diesem Vorschlag folgte das Ratsgremium einstimmig.