Natascha Pfau aus Neuenburg gibt die Hoffnung nicht auf, dass auch nach 36 Jahren der Mord an ihrer Mutter noch aufgeklärt werden kann.
Seit 2023 setzt die Tochter der getöteten Cornelia Pfau alles daran, dass der ungeklärte Fall wieder neu aufgerollt wird. Ein „Cold Case“-Projekt der Polizeihochschule Baden-Württemberg, bei der sich demnächst Studierende in Villingen-Schwenningen der zwischenzeitlich freigegebenen Akte intensiv annehmen werden, gibt der 42-jährigen Frau aus Neuenburg neue Hoffnung, dass doch noch der Mörder ihrer Mutter ermittelt werden kann. Ebenso erhofft sie sich durch die Fernsehsendung des ZDF am morgigen Mittwoch um 17.10 Uhr neue Hinweise. In der Doku-Reihe „Verbrechen! True Crime“ rückt Rechtsexpertin und Journalistin Sarah Tacke aufsehenerregende Kriminalfälle in den Blickpunkt.
Zur Erinnerung: Am 11. Januar 1990 hatten zwei Joggerinnen am Waldrand bei Ebringen die 26-jährige Cornelia Pfau tot aufgefunden. Sie war, so die damaligen Ermittlungen, zunächst vergewaltigt und dann erwürgt worden. Die ermordete Frau stammte aus Neuenburg, wohnte jedoch später auch in Schliengen und zuletzt im Freiburger Stadtteil Haslach. Dort war sie am Tattag, wie die Polizei rekonstruierte, zuletzt an der Bushaltestelle Opfinger Straße/Rankackerweg gegen 23 Uhr mit mehreren Taschen und Tüten gesehen worden. Es gibt zwar eine DNA-Spur, doch diese führte die ermittelnden Beamten nicht entscheidend weiter. So ist der Mordfall bis heute ungelöst.
Die Tochter Natascha Pfau, die zum Zeitpunkt des Gewaltverbrechens an ihrer Mutter sechs Jahre alt war, gibt sich damit nicht zufrieden. Sie setzt alles daran, dass ein entscheidender Hinweis eingeht und der Mörder ihrer Mutter noch ermittelt werden kann.
Bewegendes Video
Als sie 2023 mit einem bewegenden Video auf Youtube an die Öffentlichkeit ging, rückte der „Cold Case“ (ungelöster Kriminalfall) verstärkt in den Fokus des Interesses. Zeitungen, Fernsehsender und Podcaster kamen auf Natascha Pfau zu. Ihr Umfeld sowie der Freundes- und Bekanntenkreis bestärkten sie, diesen Weg weiterzugehen, ist er doch die einzige Chance für eine Aufklärung.
„Ich hatte nicht damit gerechnet, welche riesige Welle dieses Video auslösen wird“, sagt die 42-jährige technische Einkäuferin im Gespräch mit unserer Zeitung. Dies zumal, da ihr der Schritt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, nicht leicht gefallen sei. „Der Fall darf nicht mehr ruhen, ich muss weiterhin dranbleiben, solange ich die Kraft dazu habe. Ich habe nun den Stein ins Rollen gebracht, deshalb werde ich nicht so schnell aufgeben“, drückt Natascha Pfau ihre Entschlossenheit aus.
Video auf Youtube
Die 42-Jährige weiß allerdings auch, dass es schwierig ist, nach so langer Zeit den Täter ausfindig zu machen. „Ich würde die Erfolgsaussichten bei 50 zu 50 ansiedeln“, sagt die Frau, die mit ihrem Video auf Youtube und ihrer Facebook-Seite unter dem Titel „Wer ist der Mörder meiner Mutter?“ vor mehr als zwei Jahren erstmals die Öffentlichkeit suchte. „Ich bin mir sicher, dass es da draußen noch Mitwisser gibt, die wichtige Informationen zur Aufklärung beitragen können. Und diese Menschen möchte ich mit meiner Aktion erreichen.“ Natascha Pfau setzt auch im Zusammenhang mit dem „Cold Case“-Projekt an der Polizeihochschule, das im Frühjahr starten soll, auf neue, moderne Untersuchungsmethoden sowie auf neue Blickwinkel, neue Denkweisen und neue mögliche Szenarien sowie auf die DNA, die vielleicht doch noch einen entscheidenden Treffer liefert. Einen genauen Zeitpunkt, wann die Studierenden den Fall nochmals neu aufrollen, kennt Natascha Pfau nicht. „Angekündigt war das Frühjahr 2026. Ich warte noch auf eine Rückmeldung“, sagt sie.
Sendung im ZDF
Derweil setzt die Neuenburgerin ihre Hoffnung auf die bevorstehende ZDF-Fernsehsendung „Verbrechen! True Crime“ mit Sarah Tacke am morgigen Mittwoch. Als „großer True Crime-Fan“ hatte sie im vergangenen Jahr beim öffentlich-rechtlichen Sender angefragt, ob Interesse an dem ungeklärten Mordfall bestehe. Das Ergebnis: Ein Kamerateam und ein Reporter kamen Ende September zu ihr ins Markgräflerland, um Aufnahmen und Interviews für die Sendung zu machen. Da auch der Tatort bei Ebringen gefilmt wurde, war dies für Natascha Pfau keine einfache Situation, wie sie verdeutlicht. „Jedes Mal macht es etwas mit mir, wenn ich dort bin.“
Die Sendung am Mittwoch, 21. Januar, 17.10 Uhr, im ZDF dauert 50 Minuten, wobei der Beitrag über den Cold Case Cornelia Pfau rund 15 Minuten lang ist.