Neben wändefüllenden Werken werden auch ganz kleine, feine Arbeiten gezeigt: Kurator Daniel Künzler mit dem „Flashbook“ der spanischen Künstlerin Paula Grenouille. Foto: Tonio Paßlick

„Captured & Composed“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 25. April in der Colab Gallery in Weil am Rhein zu sehen ist. Es geht um Vergängliches

Sensibilität für die unterschiedlichsten Wahrnehmungsformen möchte Daniel Künzler fördern.

 

Der Kurator der Colab Gallery im Weiler Stadtteil Friedlingen hinterfragt mit der aktuellen Ausstellung „Captured & Composed“ Wahrnehmungen der Künstler und „Follower“ der Urban-Art-Szene hinterfragt.

Die Schau widmet sich dem Dialog zwischen unterschiedlichen visuellen Sprachen und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Sie untersucht dabei den scheinbaren Widerspruch zwischen der Flüchtigkeit der künstlerischen Inspiration und dem Bedürfnis nach dauerhafter Erfassung der schnell vergänglichen Kunstwerke untersucht.

„Captured & Composed“ lautet der Titel der Ausstellung folgerichtig. „Eingefangen“ und „Komponiert“ als Kürzel für nur auf den ersten Blick gegensätzliche künstlerische Bedürfnisse.

Das durchaus diverse Publikum der Colab Gallery lässt sich immer wieder von den erfrischenden Fragestellungen neuen Entdeckungen überraschen.

Ausstellungsbesucher kommen von weit her

Viele kommen aus der weiteren Region. Sie verbinden den Einkauf bei Carhartt im Erdgeschoss mit einem Abstecher in das Obergeschoss. Andere legen, wie auch bei den bekannten Kunst- und Designmuseen der Region, Zwischenstopps im Sommer ein.

Ab Juni ist denn auch eine besondere Ausstellung zur 20-jährigen Geschichte der „Gallery“ in Arbeit. Mit Gründungskurator Sigi von Koeding, Stefan Winterle, der viele Jahre für die Organisation von Ausstellungen zuständig war und Daniel Künzler wird sie die Handschrift dreier Kuratoren tragen, welche mit ihren unterschiedlichen „Styles“ die Colab Gallery geprägt haben.

Alle drei können weltweite Netzwerke in der Szene aufweisen „Styles“ werden denn auch bei der Jubiläumsausstellung beleuchtet. Passend dazu kann man jetzt schon eine Übersicht der Kataloge der letzten zehn Jahre im Barbereich der privaten Galerie anschauen und frühere Kataloge erwerben.

Videos und Dokumente beleuchten Stilphasen

Der Shop-Bereich mit erschwinglichen Arbeiten wird derzeit umgestaltet. Nebenan entsteht eine Ecke mit Videos und Dokumenten von Künstlern, die für verschiedene Stilphasen stehen. Mit etablierten Namen aus der Szene werben zu können, schlägt sich in der Besucherstatistik nieder.

Künstler gestalten ihre Räume selbst

Neue Namen zu entdecken macht den besonderen Reiz aus. Wie zum Beispiel Paula Grenouille, die ihre Koje erst kurz vor der Vernissage gestaltet hat. „Viele Besucher können sich gar nicht vorstellen, dass die Künstler anwesend sind und ihre Kojen selber spontan gestalten“ erzählt Daniel Künzler. „Eingefangen“ wurden deshalb auch Videos der Aufbauarbeit, die im Barbereich zu sehen sind.

Spontan und unkonventionell geht die Spanierin Paula Grenouille vor. Ihre Figuren strahlen eine verspielte Atmosphäre aus. Ihre comicartigen Skizzen verschmerzen es, um die Ecke gemalt zu werden. Sie scheinen das innere Kind widerzuspiegeln, das sich auch in keramischen Spielzeugfiguren austobt.

Skizzenheft zeigt kleinste Details

Dazwischen präsentiert sie ein „Flashbook“ voller skizzierter Beobachtungen. Ein „Flashbook“ ist das Skizzenheft der Tätowierer, die gegenständliche Objekte in ornamentale und zugleich verspielte Linien übersetzen. Die 26-Jährige hat in der Colab Gallery ihre erste Ausstellung.

Wo sich aktuelle Politik und Konflikte wiederfinden

Nebenan verknüpft Finok aus der brasilianischen Künstler-Crew VLOK aus Vila Madalena Themen wie Identität oder Traditionen mit Symbolen der Street Art.

Reiche Texturen und geometrische Muster deuten soziale Narrative in einer für die Kids der Straße verständlichen Formensprache an.Welche aktuellen politischen Bezüge die Ausstellung aufweist, wird vor allem in zwei Kojen deutlich.

Poetisch und rau zugleich: Arbeiten des ukrainischen Künstlers Sasha Kurmaz. Foto: Tonio Paßlick

Der Ukrainer Sasha Kurmaz verbindet mit seiner Fotografie sowie kruden Tags und Graffitis intime Beobachtungen des Alltagslebens mit politischer und sozialer Sensibilität.

Wandbild mit aktuellem Bezug

Es geht im nicht nur um politische Unabhängigkeit, sondern vor allem um die Macht der Bilder, die zugleich poetisch und rau sein können. Der Berliner Fotograf OLF zeigt Langzeitprojekte zwischen Berlin, China und Australien.

Mehrere Wochen waren nötig, um das große Bild auf der Stirnwand zu erstellen: eine Forschungsstation im arktischen Norden Grönlands, nur über Schlittentransporte erreichbar. Grönland kann hier als Synonym für eine sich brachial verändernden Realität gelesen werden, die an Gewohnheiten rüttelt und zugleich die Wahrnehmung des Gewohnten infrage stellt.

https://colab-gallery.com/de