Der Neuhäuslewald zwischen Villingen und Unterkirnach spielte bei der Entführung eines 24-Jährigen eine besondere Rolle. Foto: Marc Eich

Neue Ermittlungsdetails zeigen: Die Entführung eines 24-Jährigen in Villingen war offenbar minutiös vorbereitet. Nur ein Umstand sorgte dafür, dass die Täter von ihrem Plan abwichen.

Arbeitsteilig, brutal und skrupellos: So sollen die fünf Täter und zwei Mittäterinnen bei der Entführung im vergangenen Oktober vorgegangen sein. Hierzu kommen nun neue Details ans Tageslicht. Den Ermittlungen zufolge war der hinterlistige Raub durchaus professionell geplant.

 

Zur Erinnerung: Die Gruppierung hatte am frühen Morgen des 2. Oktober einen 24-Jährigen in die Falle gelockt, um ihn auszurauben. Einer der Täter – ein 21-Jähriger aus Villingen – fungierte dabei als Lockvogel. Das ahnungslose Opfer geriet in einen Hinterhalt, wurde ausgeraubt und später schwer verletzt ausgesetzt, während seine Wohnung ausgeräumt wurde.

Mittlerweile ist klar, dass die Gruppe gewieft vorging. Im Vorfeld sollen sich die sieben Beteiligten genau abgesprochen haben – die fünf jungen Männer hatten für ihre Tat zwei ebenso junge Frauen (19 und 20 Jahre alt aus Villingen) als Fahrerinnen rekrutiert.

Gleich mehrere Verabredungen wurden getroffen, um den Verdacht von sich abzulenken. Wie unsere Redaktion erfuhr, hatten sich die Täter Decknamen gegeben und besprochen, vorzutäuschen, dass der Angriff dem 21-jährigen Lockvogel galt. Bemerkenswert: Die Gruppe soll sogar vereinbart haben, mit russischem Akzent zu sprechen. Zudem maskierten sie sich.

Opfer sollte eigentlich im Wald ausgesetzt werden

Auch die anschließende Arbeitsteilung soll im Vorfeld geplant gewesen sein. Ein Teil der Täter soll nach Bad Dürrheim zur Wohnung des Opfers fahren, der andere Teil sollte den 24-Jährigen nach dem Überfall in Schach halten und ihn später tief im Wald aussetzen. Damit sollte verhindert werden, dass der Mann schnell Hilfe holen kann.

Im Grundsatz setzte die Gruppe ihren Plan um – allerdings mit Abweichungen.

An einer abgelegenen Parkbank an der St.-Konrads-Kirche in der Villinger Südstadt überfielen die Täter – nachdem ein Codewort gerufen worden war – in einem Hinterhalt zunächst den 24-Jährigen, während der Lockvogel „flüchten“ konnte. Die Täter sollen dabei brutal vorgegangen sein: Einer der Beteiligten drohte demnach mit einer Pistole, ein anderer soll mit einer Eisenstange mehrfach auf den Kopf des Opfers geschlagen haben, ein weiterer malträtierte wohl seinen Kopf mit Faustschlägen. Die Folge waren multiple Verletzungen, darunter auch ein offenes Schädelhirntrauma.

Täter hatten wohl Angst, dass das Opfer stirbt

Die Täter befürchteten offenbar, dass der 24-Jährige sterben könnte, wenn sie ihn hilflos im Wald aussetzen – deshalb wichen sie vom ursprünglichen Plan ab. Während die zweite Tätergruppe Drogen und Wertgegenstände aus der Wohnung des Opfers entwendeten, wurde der Schwerverletzte gefesselt am Pfadfinderheim ausgesetzt.

Etwa eine halbe Stunde später entschieden sich die jungen Männer dazu, mit dem Mobiltelefon des 24-Jährigen und verstellter Stimme den Notruf zu tätigen. Zu groß war wohl die Angst, dass sie seinen Tod verursachen könnten. Vorher sollen sie noch versucht haben, Spuren zu verwischen. Im Neuhäuslewald – zwischen der Alten Vöhrenbacher Straße und dem Tontauben-Schützenplatz – verbrannten sie offenbar ihre Maskierungen und warfen dort auch den Geldbeutel des Opfers weg.

Ein Täter weiterhin auf der Flucht

Die jungen Täter – der jüngste 19, die anderen 21 Jahre alt aus Villingen, Unterkirnach und Donaueschingen – sitzen seit mehreren Monaten in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten in Untersuchungshaft, die beiden Komplizinnen sind auf freiem Fuß. Ein weiterer mutmaßlicher Täter ist noch auf der Flucht.

Ihnen wird unter anderem gemeinschaftlicher besonders schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Aussetzung sowie schwerer Wohnungseinbruchdiebstahl beziehungsweise Beihilfe hierzu vorgeworfen. Der Prozess an der Jugendkammer des Landgerichts Konstanz ist noch nicht terminiert.