Die Kinderwerkstatt Eigen-Sinn gibt in der Aktionswoche „vergessenen“ Kindern aus Suchtfamilien in Freudenstadt Stimme und Gesicht.
„Liebe“, „Hoffnung“, „Sicherheit“, „Freude“ steht in großen, farbigen Lettern auf dem Pflaster vor dem Freudenstädter Rathaus. Lauter schöne Worte in einem ernsten Zusammenhang. Sie machten am Freitag zur Wochenmarktzeit aufmerksam auf die sogenannten „vergessenen Kinder“, auf Kinder aus Suchtfamilien.
Die Freudenstädter Kinderwerkstatt Eigen-Sinn gab in der Coa-Aktionswoche diesen Kindern Gesicht und Stimme. „Wir werden sichtbar“ war die internationale Woche zwischen dem 22. und dem 28. Februar überschrieben.
Betroffene gibt es auch im Kreis Freudenstadt
Die Kinderwerkstatt hatte das Thema der suchtbelasteten Familie die ganze Woche über in ihrer Gruppenarbeit in den Vordergrund gestellt, „aber wir beschäftigen uns ja ganzjährig damit“, erklärte Geschäftsführerin Dina Bühler.
Laut Statistik ist jedes fünfte bis sechste Kind davon betroffen. Auch in der Provinz, auch im Kreis Freudenstadt. Und doch machen viele Bürger und Familien einen großen Bogen darum.
Das war auch bei der Aktion vor dem Rathaus zu erleben. Nur zögerlich trauten sich Passanten an den Tisch mit den Töpfen voller bunter Farbpulver oder Tuben mit Flüssigfarben. Damit sollte eine blaue Plane auf dem Boden vor dem Rathaus bunt eingefärbt werden. „Bunt statt Blau“ heißt diese Aktion, mit der ein halbes Dutzend Mitarbeiter des „Eigen-Sinn“ unter der Regie von Projektleiterin Madleen Welle mit Passanten ins Gespräch über das angeblich so heikle und schambelastete Thema kommen wollten.
Oberbürgermeister Adrian Sonder entzog sich der Diskussion nicht, suchte gezielt das Gespräch mit dem „Eigen-Sinn“ und Geschäftsführerin Dina Bühler, löffelte fleißig die rote Farbe der Liebe auf den blauen Untergrund und wankte einmal mehr mit der „Rauschbrille“ auf der Nase über einen Parcours. Die Brille gaukelt ihrem Träger vor, er hätte gewaltig einen über den Durst getrunken. Und so schwankte der – ansonsten abstinente – Oberbürgermeister unsicher öffentlich vor seinem Rathaus herum, sicher geführt von Florian Bukowski vom „Eigen-Sinn“.
Gefahren von Komasaufen und Alkohol in der Familie
Mit von der Partie war Jörg Gericke, Leiter des Servicezentrums der DAK Gesundheit Freudenstadt und Schirmherr der Aktion. Die Kasse engagiert sich bereits seit 17 Jahren mit dem bundesweiten Plakat-Wettbewerb „bunt statt blau“, der Kinder und Jugendliche auf die Gefahren von Komasaufen und Alkohol in der Familie aufmerksam macht. Die von den jungen Leute selbst gestalteten, fantasievollen Plakate werben für ein gesundes, suchtfreies, buntes Leben. An der Aktion hatten sich in Vergangenheit schon einige Schulen aus dem Kreis Freudenstadt mit Erfolg beteiligt.
Coa ist eine internationale Vereinigung, die hierzulande mit Nacoa Deutschland firmiert. Coa steht für „Child of Addicts“ (Kind suchtkranker Eltern).