Die „COA-Woche“ macht auch in Freudenstadt auf das Schicksal von Kindern aus Suchtfamilien aufmerksam.
Vom 16. bis 22. Februar ist wieder bundesweite „COA-Aktionswoche“. Sie soll den vergessenen Kindern eine laute Stimme geben. #ICHWERDELAUT ist in diesem Jahr das Motto. Die Freudenstädter Kinderwerkstatt Eigen-Sinn ist wieder dabei.
Das wievielte Jahr? Man weiß es nicht so genau: „Ich glaube von Anfang an“, sagt Christian Fai, Leiter der Werkstatt. Und wieder hat sich das junge Team der Kinderwerkstatt etwas Neues einfallen lassen. Waren es vergangenes Jahr dekorierte Schaufenster und Pralinen, so sind es heuer am Donnerstag, 20. Februar, nachmittags und am Freitag, 21. Februar, vormittags ein Infostand, der über die Lage von Kindern informiert, die in Familien aufwachsen, in denen Elternteile suchtabhängig sind.
Meistens geht es um Alkohol, immer öfter auch um Spielsucht. Man nennt diese Kinder die „vergessenen Kinder“. Denn kaum einer weiß von ihnen, von ihren Sorgen, Ängsten und Gefühlen. Die Gesellschaft schaut bei diesem Thema gern weg.
Folgen im Alltag
Inzwischen kommt jedes fünfte, manche Statistiken sprechen von jedem vierten, Kind aus Familienverhältnissen, die von Süchten gezeichnet sind, nicht selten sind es beide Elternteile. Die Kinder wissen meist schnell darum, erleben Not, Krach, Streit, Unzuverlässigkeiten im Alltag, Besäufnisse und Katerstimmungen. Oft ist das Geld knapp, oft gehen Kinder ohne Frühstück in die Schule oder bereiten selbst Frühstück für ihre jüngeren Geschwister.
Manche Kinder übernehmen früh Verantwortung, der sie gar nicht gerecht werden können. Andere schalten ab, verschließen sich, ihre schulischen Leistungen sind dann entsprechend. „Die Kinder sind stigmatisiert, können über ihre Probleme ja nicht reden“, sagt Fai.
Dina Bühler, Leiterin des „Eigen-Sinn“, wird nicht müde, Erwachsene aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis immer wieder aufzufordern, in solchen Fällen aufmerksam zu sein, nicht zu schweigen, sondern das Gespräch mit den Kindern und nach Hilfen zu suchen.
Treffen einmal wöchentlich
Beim „Eigen-Sinn“ gibt es eine von Pädagogin Doreen Welle geleitete Gruppe von derzeit sieben Kindern im Alter von neun bis 13 Jahren, die aus Suchtverhältnissen kommen. Sie treffen sich einmal wöchentlich für etwa vier Stunden, die von vertraulichen Einzelgesprächen geprägt sind, wie Doreen Welle und Christian Fai berichten. Pädagogen versuchen, den Kindern ihren Stellenwert bewusst zu machen, ihre Stärken zu fördern und in die richtige Richtung zu lenken.
In der Werkstatt wird mit Holz gebastelt, wird erlebt, dass Kinder mit den eigenen Händen etwas herstellen und auch zu Ende bringen können. „Wir bieten die Möglichkeit, dass Kinder bei uns Kinder sein dürfen, dass sie ihre Kindheit nachholen können“, fasst Dina Bühler zusammen.
Infostände mit Parcours
Bei den Infoständen am Donnerstag und Freitag, 20. und 21. Februar, wird vor dem Rathaus ein kleiner „Rauschparcours“ aufgebaut, auf dem die visuelle Verzerrung durch eine Rauschbrille die Beeinträchtigungen nach Alkohol oder Drogen simuliert. Das kann jeder Interessent mal ausprobieren. Außerdem gibt es von den Kindern gebackene Muffins.
Zusätzlich zeigt das „Subiaco“ im Kurhaus am Dienstag, 25. Februar, ab 17.30 Uhr den etwa halbstündigen Film „Erinnerungen an eine vergessene Kindheit“.
Regisseur Lars Smekal war einst selbst ein „vergessenes“ Kind. Sein autobiografischer Film geht unter die Haut. Smekal steht nach der Vorführung zu Gesprächen bereit.