Kim Kulig als Co-Trainerin beim VfL Wolfsburg. Foto: imago/regios24

Die ehemalige deutsche Nationalspielerin startet an diesem Samstag mit ihrem neuen Club VfL Wolfsburg in die Frauen-Bundesliga. Was sie am Verhältnis zwischen Fußballern und Fußballerinnen in Deutschland bemängelt.

Wolfsburg - Sie hatte eine große Karriere im deutschen Frauenfußball vor sich: Die gebürtige Herrenbergerin Kim Kulig war Nationalspielerin, wurde 2009 Europameisterin, erzielte im Finale gegen England das 3:1. Doch zwei Jahre später der Schock: Bei der Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land zog sich Kulig einen Kreuzbandriss zu. Immer wieder versuchte sie auf den Rasen zurückzukehren, vergeblich. Die Beschwerden im Knie hielten an, trotz mehrerer Operationen. 2015 zog Kulig schließlich den Schlussstrich unter ihre aktive Karriere – im besten Fußballerinnenalter: Sie war damals 25.

 

Kulig: „Ich wollte was Neues wagen.“

Ihr frühes Karriereende änderte jedoch nichts an ihrer Lust am Fußball. Im Gegenteil: Seit 2017 steht die 31-Jährige wieder auf dem Trainingsplatz, nicht als Spielerin, sondern als Coach, seit diesem Sommer als Co-Trainerin der Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg. „Ich habe nach der aktiven Karriere gemerkt, dass ich nicht fertig bin mit dem Fußball, weiter gerne auf dem Rasen stehe“, erzählt Kulig. Und das Knie? „Es gibt immer mal wieder Tage, an denen es nicht so mitmacht, aber generell ist es kein Problem.“

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Der VfL Wolfsburg, der 2017, 2018, 2019 und 2020 viermal in Serie die Deutsche Meisterschaft gewann, sei für sie der nächste Schritt in ihrer Trainerkarriere: „Ich wollte etwas Neues wagen, raus aus meiner Komfortzone“, sagt Kulig, die zuletzt zehn Jahre in Frankfurt als Spielerin und in der Zweitligamannschaft als Cheftrainerin tätig war.

Zweikampf um die Meisterschaft: VfL Wolfsburg gegen Bayern München

An diesem Samstag im Auftaktspiel gegen Turbine Potsdam wird Kulig zum ersten Mal bei einem Bundesliga-Spiel des VfL Wolfsburg an der Seitenlinie stehen. Schon am heutigen Freitag eröffnen 1899 Hoffenheim und der SC Freiburg im Baden-Duell die 32. Saison der Frauen-Bundesliga. „Ich sehe da Hoffenheim im Vorteil, weil sie schon ein Pflichtspiel und ein Erfolgserlebnis hatten“, sagt Kim Kulig. Hoffenheim hat sich am vergangenen Freitag mit einem 2:0-Sieg gegen den AC Mailand für die Champions-League-Playoffs qualifiziert.

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Für Kuligs Mannschaft ist ein Auftaktsieg gegen Potsdam Pflicht. Denn auch in der kommenden Saison will der VfL wieder ganz oben angreifen, auch wenn Kulig das M-Wort noch nicht in den Mund nimmt. Stärkster Konkurrent im Kampf um Platz eins: der amtierende Deutsche Meister FC Bayern München, der die Titelverteidigung anstrebt. Angst vor einem Machtwechsel in der Frauen-Bundesliga ? „Auf keinen Fall, es ist immer gut, wenn Konkurrenz da ist“, sagt Kulig.

Bundesliga-Spielerin und trotzdem nicht genügend Gehalt

Die ehemalige Nationalspielerin wünscht sich deshalb auch, dass aus dem Zweikampf um die Meisterschaft bald ein Mehrkampf wird. Dafür seien aber endlich professionelle Strukturen bei allen Vereinen der Bundesliga nötig – nicht nur bei Clubs wie Wolfsburg oder Bayern. Deutschland hinke jedoch den um einiges professionelleren Frauenfußball-Ligen in England und Spanien hinterher. „Wir müssen da nachlegen“, fordert Kulig.

Es sei ein Unding, dass es immer noch Bundesliga-Vereine gäbe, bei denen die Spielerinnen nebenher einem anderen Beruf nachgehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Beispielsweise beim SC Sand oder bei Werder Bremen sei das so, erzählt Kulig: „Dann merkt man natürlich auch auf dem Platz einen Unterschied zu Vereinen wie Wolfsburg. Hier kann sich jede Spielerin voll und ganz auf den Fußball fokussieren.“

Distanziertes Verhältnis zwischen Fußballerinnen und Fußballern

In England kann jede Spielerin der ersten Frauenliga von ihrem Fußball-Gehalt leben. Kulig kritisiert auch, dass in Deutschland teilweise immer noch Länderspiele mittags um 13, 14 Uhr mitten in der Woche stattfinden. Klar, dass da nur wenige Zuschauer live mit dabei sein können. Generell beobachtet sie in anderen Länder eine engere Verbindung zwischen Fußballern und Fußballerinnen. Thiago Silva vom FC Chelsea etwa zeigt sich auf Instagram regelmäßig als Zuschauer der Frauen-Duelle. Zudem finden gemeinsame Fotoshootings von Spielerinnen und Spielern statt. „Sie sind genau dort, wo sie es verdienen zu spielen“, twitterte Marcus Rashford von Manchester United, als das Frauenteam im Old Trafford spielte. „In Deutschland herrscht da mehr Distanz und Abgrenzung. Das ist vielleicht was typisch deutsches“, sagt Kulig.

Auch, dass der VfB Stuttgart erst in diesem Jahr in Kooperation mit dem VfB Obertürkheim eine Abteilung für Mädchen-und Frauenfußball gründete, „hätte natürlich viel früher passieren müssen“. Denn, so kritisiert Kulig: „Talente aus dem Umkreis sind immer woanders gelandet.“ Der VfB, bei dessen Spielen Kulig nach wie vor aus der Ferne mitfiebert, als Option für ihre Zukunft? „Ich werde verfolgen, was passiert“, sagt sie. Mit dem Zusatz: „Es ist natürlich immer schön, in die Heimat zurückzukehren.“