Seit 1987 gehört der Manú Nationalpark in Peru zum Unesco-Weltnaturerbe. Wer den Dschungel zwischen Anden und Amazonas erkunden will, nimmt am Besten das Boot.
Eng umschlungen stehen sie da, in ewiger Verbundenheit. Niemand wird sie mehr trennen können. Im Dschungel muss man manchmal ums Überleben kämpfen als Baum mitten im peruanischen Manú Nationalpark. „Was so friedlich aussieht, läuft auf den Tod hinaus. Der Würgebaum, der seinen Wirt ganz fest umschlingt, wird ihn am Ende töten“, erklärt Cleber Usca. Der Guide weiß ganz genau, was, wo, wann wächst, kreucht und fleucht in „seinem“ Park.
Von den Andengipfeln mit 4300 Metern Höhe bis hinunter ins Tiefland, in dem sich die Flüsse auf zum Amazonas machen, erstreckt sich das Schutzgebiet. Der größte Teil, die Kernzone, ist verbotenes Terrain und darf von niemand betreten werden. Er ist Heimat der indigenen Stämme, die oft keinen Kontakt zur Außenwelt haben. In die Reserved Zone, die Pufferzone, kommt man nur mit Guide und Genehmigung. Seit 1987 gehört der Manú Nationalpark zum Unesco-Weltnaturerbe. Seine Biodiversität ist nahezu einmalig. Rund 1000 Vogelarten sind hier zu Hause, zehn Prozent der Spezies weltweit. Dazu 1300 Schmetterlingsarten, 362 Ameisenarten und 200 Arten Säugetiere, darunter Jaguar und Tapir, doch die verstecken sich im dichten Wald.
Fressgeräusche! Ansonsten Stille
Der Riesenotter dagegen versteckt sich nicht. Mit Geduld und einem Fernglas entdeckt man ihn in den Uferzonen des Rio Madre, während der motorisierte Stahl-Einbaum flussabwärts gleitet. Maschine aus. Schon lässt sich das knapp zwei Meter lange Raubtier beim Fang beobachten und belauschen: Wer genau hinhört, der hört das Knacken: Fressgeräusche! Ansonsten Stille.
Selbst die bunten Aras, die über den Fluss zu ihren Collpas, den salzhaltigen Lehmlecken, fliegen, machen in der Hitze Mittagspause. Zum Glück sind sie immer paarweise unterwegs. Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert selbst bei Laien, die gerade einmal Krähe und Meise unterscheiden können. Hinterm nächsten Baumstamm ist das große Fressen schon vorbei. Faul treiben die farblich zum bräunlichen Wasser passenden Capybara, die Wasserschweine, herum. Sie sind die größten Nagetiere, doch wie sie so gemächlich ihre Bahnen ziehen oder sich auf den dicken Baumstämmen sonnen, sehen sie eher aus wie große Kuscheltiere. Bootsführer Alberto drosselt den Motor. Er stammt aus Diamante, einem kleinen Dorf der Indigenen direkt am Flussufer des Madre de Dios. Bleierne Hitze. Richard Ccahua aus der Andenstadt Cusco reicht gekühltes Wasser. Auch er ist von der überbordenden Natur seines Landes immer aufs Neue beeindruckt, dabei gehören die Bootstouren in die Einsamkeit des Regenwaldes zu seinem Berufsbild. Wie ergeht es da erst den Passagieren, die zum ersten Mal hier sind? Die kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Falls es einen Grün-Flash gibt, bekommt man ihn garantiert hier im Südosten Perus, wo der Madre de Dios in den Manú mündet und Teil des Amazonasbeckens wird.
Eine Wasserschlange schlängelt sich am Boot vorbei. Schnell ein Foto. Noch ist der Akku voll. Die Fotos nach Hause zu verschicken, das muss warten, denn im Dschungel gibt’s kein WLAN, Steckdosen sind äußerst selten. Taschenlampen sorgen für Licht in der Dunkelheit, die ohne jede Lichtverschmutzung doppelt dunkel ist. Die Einfachheit der Lodges wirkt nach langer Bootsfahrt wie Fünf-Sterne-Komfort, auch wenn eine Spinne die Wand hoch krabbelt. Die einsame Rolle Toilettenpapier ist wie ein Kissen auf dem pflegeleichten Bettüberwurf drapiert, das Moskitonetz zur Seite gebunden, aus der Dusche kommt ein erfrischend kalter Strahl. Koch Juan tischt in Windeseile das Abendessen auf. Den Gästen soll es auch im Dschungel an nichts fehlen. Jedes Boot hat seinen eigenen Koch. Auch wenn sich zwei Gruppen eine Unterkunft teilen. Das aber ist selten.
Im Nationalpark gibt es keinen Overtourism. Dafür sorgen Beschränkungen und Kontrollpunkte, an denen man sich anmelden muss und sich dazu auch noch informieren kann über das Leben in der Wildnis, die Flora, die Fauna und die Indigenen, denen das Gebiet einen geschützten Lebensraum bietet. Manche Stämme haben bis heute keinen Kontakt zur Außenwelt. Doch „ganz selten zeigen sie sich am Flussufer, um von den Indigenen aus der Pufferzone T-Shirts, Medizin oder Zucker zu bekommen“, erzählt Richard Ccahua. „Die meisten leben tief in der gesperrten Zone vollkommen autark. Wenn die Ranger erfahren, dass sich kontaktlose Indigene am Fluss aufhalten, werden die Touristenboote nicht mehr durchgelassen.“
Die Indigenen bleiben unter sich. 13 verschiedene Gruppen leben im Nationalpark. Sehen wird man sie nicht, doch „sie sehen uns“, weiß Cleber Usca. Im dichten Dickicht seien sie unsichtbar, wie so vieles hier im Fluss und im Regenwald, das sich nur erahnen lässt. Während das, was man sieht, allein schon die Sinne herausfordert, spätestens dann, wenn die Sonne sich als feuerroter Ball aus dem Wasser erhebt, den Himmel lila färbt und die bunten Aras paarweise über den Madre de Dios zu ihren Collpas fliegen.
Peru
Anreise Von Stuttgart geht es beispielsweise mit KLM über Amsterdam, ( www.klm.de ), mit Air France über Paris ( www.airfrance.de ) oder mit Latam über Madrid ( www.latamairlines.com/de/de ) weiter nach Cusco.
Veranstalter
Der Zugang zum Nationalpark ist nur mit einer organisierten Tour möglich. Manu Adventures bietet eine viertägige Tour mit Verpflegung und drei Übernachtungen für 410 Euro, https://manuadventures.com .Bei Manu Wildlife Peru kostet die dreitägige Tour inklusive Übernachtung und Verpflegung 420 Euro, www.manuwildlifeperu.com .
Allgemeine Informationen
Peru ist Partnerland des Future Tourism Congress auf der Urlaubsmesse CMT, www.futuretourismcongress.com; Peruanisches Fremdenverkehrsamt, www.peru.travel/