Gäste und Einheimische im Blick (von links): Kerstin Köpfer (Leiterin der Tourist-Information in Bernau), Hansjörg Mair (Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus), Landrat Frank Scherer (Vorsitzender Gesellschafterversammlung der Schwarzwald Tourismus), Walter Strohmeier (Ski-Botschafter aus Bernau) und Patrick Streib (Geschäftsführer Hochschwarzwald Tourismus) Foto: Karin Zeger

Neue Wanderwege stellen 2024 Tiere in den Mittelpunkt, beim „Dorfurlaub“ darf der Gast den Einheimischen über die Schulter schauen, und mit der WälderCard profitieren Einheimische von den Attraktionen. Die Schwarzwald Tourismus GmbH präsentiert auf der CMT in Stuttgart Rekordzahlen für das vergangene Jahr.

Bedeuten schlechte Zeiten mit Krieg, Inflation und Klimawandel gute Zeiten für den heimischen Tourismus? Schaut man sich die Zahlen der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) für 2023 an, könnte man dies vermuten. Sowohl die Anzahl der Gäste als auch das Übernachtungsvolumen sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut gestiegen.

 

Der Blick zurück „8,3 Millionen Gäste wurden in den ersten elf Monaten in der Region gezählt“, berichtet Hansjörg Mair, Geschäftsführer der STG, bei der Urlaubsmesse CMT (Caravan-Motor-Touristik) in Stuttgart stolz. Das entspricht einem Zuwachs von 10,4 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 7,2 Prozent auf rund 21,5 Millionen. Nach Auswertung des ganzen Jahres 2023 rechnet die STG sogar mit 23 Millionen Übernachtungen – das wären dann noch mehr als vor der Pandemie im Jahr 2019.

Die Sonne scheint derzeit über dem Schwarzwald besonders hell zu strahlen. Doch die Touristikexperten sehen auch dunkle Wolken. Der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der STG, nennt sie beim Namen: Wirtschaftsflaute, Konsumzurückhaltung und politische Entscheidungen wie jüngst bei der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. „Die Touristikbranche wird in der Wirtschaft völlig unterschätzt, und die Politik sieht die Folgewirkungen ihrer Entscheidungen nicht“, sagt er. Im ländlichen Raum hätten immer weniger Gasthäuser geöffnet. Wer unter der Woche mittags einkehren möchte, fände nur schwer ein geöffnetes Restaurant. „Es wird noch mehr Betriebsschließungen geben“, so seine Prognose. Ein Blick auf die Preise werfe beim Gast zusätzlich die Frage auf: „Ist es mir das noch wert?“ Die STG möchte dagegenhalten. Unter anderem mit Marketingmaßnahmen und Veranstaltungen, sodass die Attraktivität der Region weiter gesteigert werden könne, so Scherer.

Solche Maßnahmen habe die STG im vergangenen Jahr hauptsächlich in die Nebensaison gelegt – „weil die Hauptsaison schlichtweg so gut wie ausgebucht war“, ergänzt Mair. „Und die haben gewirkt. In der Nebensaison haben wir die höchsten Zuwächse.“

Der Blick nach vorne „Mit dem Begriff ,nachhaltiger Urlaub’ wird oft Schindluder getrieben“, so die Erfahrung von Mair. „Viele sprechen von Nachhaltigkeit, aber wir können sie mit der digitalen KONUS-Gästekarte im Bereich Mobilität beweisen.“ Gäste erhalten diese Karte seit 2005 in rund 150 Schwarzwälder Ferienorten beim Check-in, sie gilt als Freifahrtticket für Busse und Bahnen. Ab sofort ist die KONUS digitalisiert. Die Vorteile: unter anderem Abfahrtszeiten in Echtzeit und intelligente Besucherlenkung in touristischen Einrichtungen.

Der nationale Tourismus ist in der Halle 6 zu finden. Foto: Karin Zeger

Weiterentwickelt wurde auch die Hochschwarzwald-Card. Mit ihr stehen rund 100 Attraktionen, indoor und in der freien Natur, kostenfrei zur Verfügung – jeweils einmal während des Aufenthaltes im Hochschwarzwald. Neu inkludiert ist beispielsweise die Blackforestline bei Todtnau.

Zahlreiche Infos auf einer App

Aber nicht nur die Gäste sollen die Attraktionen zwischen Breitnau, St. Georgen und Ühlingen kostengünstig nutzen können. Mit der WälderCard der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HGT) bekommen Einheimische einmal freien Zugang beispielsweise in den Freizeitpark Tatzmania oder zu einer Alpaka-Wanderung (89 Euro für Erwachsene, www.hochschwarzwald.de/waeldercard ). Inspirationen, Informationen zu mehr als 200 Ausflugszielen, Öffnungszeiten, Schneeberichte sowie Rad- und Wandertouren hat die HTG in ihre Hochschwarzwald App gepackt, so der Geschäftsführer der HGT, Patrick Schreib.

Heimat neu entdecken Apropos Wandern: Neue Erlebnispfade rücken Tiere in den Mittelpunkt. So gibt es am Kaiserstuhl jetzt einen Wildbienenpfad, in Dachsberg einen Dachsweg und einen Insektenpfad in Bad Bellingen. Auch die Reihe der „Schwarzwälder Genießerpfade“ wurde erweitert („Bergbaurundweg“ in Dachsberg, „Wolfacher Grenzgänger-Steig“ im Kinzigtal, „Dorfblickrunde“ in Schramberg-Tennenbronn). Neue Qualitätswege heißen „Entdeckertour“ (Freiburg) und „Niedereschacher Kulturrunde“. Und unter die Premiumwege schaffte es die „Große Loffenauer Runde“. Der Nördliche Schwarzwald ist ab sofort mit dem Zertifikat „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet.

Zeit für Gespräche: Noch bis Sonntag läuft die CMT. Foto: Karin Zeger

Wer seine sportlichen Ambitionen unter Beweis stellen möchte, kann dies 2024 bei mehreren Veranstaltungen und auf noch mehr Strecken auf dem Renn- oder Tourenrad, auf dem Mountain- oder Gravelbike tun. Die Radsaison startet im April mit dem „Kinzig Rad Tag“ und endet im Oktober mit der „Gravel Rallye Rhine Valley“ am Kaiserstuhl ( www.rad-schwarzwald.info ). Auch die „Deutschland Tour“ macht erneut Station: Villingen-Schwenningen empfängt am 24. August die Elite der weltbesten Radsportler ( www.deutschland-tour.com ).

„Dorfurlaub“ heißt das Projekt, das die Gäste zu den Wurzeln des Schwarzwalds führt. In 17 Gemeinden lassen sich Menschen über die Schulter schauen, die ihre Heimat leben: Glasbläser, Bäcker, Fischzüchter, ein Wuhrenwart, Künstler, Besitzer von Sägen und Mühlen sowie Genuss-Manufakturen (www.dorfurlaub.info).

Momentaufnahme Caravaning, Reisemobile, Wohnwagen, Campingzubehör: Die Messe macht ihrem „C“ im Namen alle Ehre. Mehr als sechs Hallen widmen sich diesem Thema. Das sei manchem Besucher fast ein bisschen zu viel, berichtet ein erfahrener Touristikexperte in Halle 6, die für den nationalen Tourismus reserviert ist. „Aktionen und Vorführungen gibt es kaum noch“, meint er und erinnert sich an frühere Messen, als noch mehr (Schwarzwälder) Handwerk gezeigt worden sei. Der Besucherandrang habe am ersten CMT-Wochenende auf sich warten lassen – bis Wochenmitte sei es auch eher ruhig gewesen. Nun hoffen die Protagonisten auf mehr Austausch und Gespräche am kommenden Wochenende.