Bei den Special Olympics in Neckarsulm waren einige Mitglieder des Club Handicap aus Albstadt mit dabei. Foto: Club Handicap

Der Club Handicap Albstadt organisiert Freizeitmöglichkeiten für Menschen mit und ohne geistige Beeinträchtigung. Nun wird ein lange gehegter Wunsch Realität.

Im Juni ist es wieder so weit: Dann finden die Special Olympics im Saarland statt. Was das mit Albstadt zu tun hat? Jede Menge! Denn hier trainieren die Mitglieder des örtlichen Club Handicap regelmäßig in der Sportart Schwimmen. „In jedem von uns steckt ein Held“, lautet das Motto der von Eunice Kennedy Shriver im Jahr 1968 gegründeten Bewegung. Was für den einen die Olympics, den anderen die Paralympics, das sind die Special Olympics für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Auch sie sind Helden!​

 

„So können sie jedem zeigen, was in ihnen steckt“, erläutern Petra Ströbel und Evi Calic vom Club Handicap Albstadt. Regelmäßig trainieren acht Mitglieder im Badkap und im Hallenbad Ebingen, um sich auf die Meisterschaften vorzubereiten. Die Wettkämpfe sind immer eine tolle Geschichte für die Sportbegeisterten unter den Mitgliedern: die Eröffnungsfeier, der Einmarsch und die Anerkennung für erbrachte Leistungen. Auf dem Treppchen stehen. Das spornt an. Ob mit oder ohne geistige Beeinträchtigung.

Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung

Manchmal gebe es auch Enttäuschungen, wissen die beiden Vorstandsmitglieder zu berichten. Wenn etwa jemand richtig gut trainiert hat und top in Form ist, aber beim eigentlichen Wettkampf dann vor lauter Aufregung einen Fehlstart hinlegt. Aber auch hierbei gelte eben das „Normalitätsprinzip“, so Petra Ströbel, egal wie bitter das für den Einzelnen sei. Der Club Handicap ist aber weitaus mehr als eine reine Talentschmiede für Schwimmerinnen und Schwimmer, auch wenn man einige davon in den eigenen Reihen hat und deshalb Albstadt im vergangenen Jahr Ausrichter des Schwimmfestes mit 85 Athleten war.

Der Club Handicap ist Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Angebote können also alle nutzen. Und das ist wahre Inklusion, ohne dass man lange darüber reden muss. Dass Petra Ströbel und Evi Calic als Ehrenamtliche selbst viel Spaß bei den einzelnen Aktionen haben, merkt man ihnen an. „Wir machen das schon ewig“, lachen beide auf die Frage, seit wann sie dabei sind. Alle im Verein seien routiniert und ein eingespieltes Team mit einem festen Stamm von zehn bis zwölf Personen plus weiteren, die immer wieder mithelfen. „Alle sind sehr zuverlässig und es macht allen Spaß“, bestätigt die zweite Vorsitzende Evi Calic, die hauptberuflich bei der Lebenshilfe Zollernalb arbeitet. Genau von dort kennen sich auch viele der Mitglieder mit Handicap, da sie dort quasi Arbeitskollegen sind.

Sinnvolle Beschäftigung in Freizeit ermöglichen

Aber Freizeit ist nochmal was ganz anderes. „Es geht beim Club Handicap darum, Menschen mit geistiger Behinderung eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen“, verdeutlicht Petra Ströbel, die für die Organisation im Verein zuständig ist. Viele Angebote, die ausdrücklich allen offenstehen – unabhängig von einer Mitgliedschaft und einem Handicap –, seien „ratzfatz ausgebucht“. Für die Fahrt nach Lübeck sind schon 20 Teilnehmer angemeldet. Die Truppe hat auch schon längere Flugreisen unternommen, beispielsweise in die Türkei, nach Spanien, Griechenland, Tunesien oder London. „Wir waren überhaupt die Ersten, die mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung eine Flugreise gewagt haben“, erinnert sich Petra Ströbel.

Auf Wünsche der Mitglieder wird eingegangen

Zwar habe man als Ehrenamtliche eine große Verantwortung, doch diese bringe so viel Erfahrung mit, dass noch nie etwas schiefgegangen sei. Das gilt übrigens sowohl für weite Reisen als auch für das Schwimmtraining. Passieren könnte überall etwas. Aber das soll niemanden davon abhalten, dass Menschen mit Handicap selbstbestimmt ihre Freizeit planen können. „Viele wünschen sich diese Unabhängigkeit“, weiß Evi Calic. „Für die Angehörigen ist das auch oft eine Entlastung“, weiß Petra Ströbel.

Und beide versichern, dass immer alles total entspannt und gechillt sei. Ob es nun Ausflüge sind oder Kochkurse, ob man gemeinsam essen geht oder ins Kino. „Gemütliche Sachen“ seien bei vielen gefragt. Schließlich wolle man auch niemanden überfordern. „Integration muss Sinn haben und Spaß machen“, betont Petra Ströbel.

Und deshalb werden die Mitglieder immer wieder nach ihren Wünschen gefragt: Dart, Kegeln, Basteln oder ein Besuch in Rust von „Immer wieder sonntags“. Glücklicherweise hat der Club Handicap Karten ergattert, bevor die Sendung eingestellt wird. „Das haben sich viele Mitglieder schon lange gewünscht“, sagt Petra Ströbel.

Spenden für Bus werden gesammelt

Der Club Handicap Albstadt hat rund 130 Mitglieder, passive mitgerechnet, und besteht aus Erwachsenen aus Albstadt und dem gesamten Zollernalbkreis. Die Kurse kann man auch buchen, ohne Mitglied zu sein. Was der Club Handicap nicht hat, ist Geld für die Anschaffung eines neuen Busses. Der vorhandene neunsitzige Sprinter ist aus dem Jahr 2008 und müsste eigentlich in Bälde ersetzt werden.

Denn dieser Bus ist für den Fahrdienst von behinderten Menschen wichtig, damit sie auch wirklich an allen Angeboten teilhaben können. Dankbar ist man für Spenden, die bereits eingegangen sind, aber noch ist das Ziel in weiter Ferne. Weiter als die Special Olympics im Saarland.

Stammtisch

Termin
Jeden Mittwoch von 20 bis 21.30 Uhr treffen sich Mitglieder im Irish Pub in Ebingen, um zu plaudern, eine Kleinigkeit zu essen, dazu ein Gläschen Bier zu trinken und sich von den Strapazen des Alltags zu erholen.