Im Untergeschoss des evangelischen Gemeindehauses mietet die Stadt den Jugendraum des Clubs 22. Foto: Ingmar Lorenz

Damit der Jugendraum des Clubs 22 im Untergeschoss des evangelischen Gemeindehauses erhalten bleibt, wurden unter anderem die Öffnungszeiten verkürzt.

Im Keller des evangelischen Gemeindehauses in Eimeldingen findet der offene Jugendtreff statt. Etwa dreimal in der Woche treffen sich hier Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in der Regel zuvor über eine Whatsapp-Gruppe dort verabredet haben. Weil mehrfach bei der Gemeinde Eimeldingen Beschwerden über die Lautstärke dort eingegangen waren, wurde das Thema bei der letzten Gemeinderatssitzung öffentlich diskutiert. Damit der Jugendtreff erhalten bleibt, haben sich der Arbeitskreis Jugend, dem die Gemeinderäte Sven Herfort, Bürgermeisterstellvertreter Manfred Schamberger und Gemeinderätin Sabrina von Pidoll-Danne (alle drei Unabhängige Bürger Eimeldingen) angehören und die Jugendlichen sich auf Maßnahmen verständigt, um die genervten Anwohner zu schonen.

 

Beschwerden per Whatsapp

„Es musste eine Lösung her“, erzählt Sven Herfort, der allerdings auch mit dem anonymen Vorgehen mancher Anwohner nicht ganz glücklich ist. Herfort hofft auf gegenseitiges Verständnis und mehr Kompromissbereitschaft. Dass Beschwerden schon am frühen Abend vor dem ersten Mai erfolgen, halte er aber für übertrieben. Und er gibt zu bedenken, dass der Lärm von Mofas und Mopeds nicht zwangsläufig durch die Ortsansässigen verursacht werde. Manche Anwohner hätten gar, anstatt mit den Jugendlichen selbst zu reden, sich spätabends bei seinen Ratskollegen Schamberger und Pidoll-Danne auf dem Privathandy beschwert. Um das zu vermeiden, gibt es jetzt eine den Anwohnern bekannt gemachte Telefonnummer. Wem ein Anruf zu mühsam ist, könne sich sogar per Whatsapp-Nachricht bemerkbar machen. Der 18-Jährige Club-Sprecher Joschua Bodack erläutert das Prinzip: Über das Smartphone streamen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Musik, erfolgt eine Benachrichtigung über den Instant-Messaging-Dienst, ertönt ein kurzes, aber unüberhörbares Signal. Zudem schließe der Kompromiss ein, dass die Öffnungszeiten begrenzt wurden: Unter der Woche hat der Club 22 nur noch bis 21.30 Uhr geöffnet, „und ab 21 Uhr drehen wir die Musik leiser“, verspricht Bodack. Am Wochenende sei spätestens um 24 Uhr Schluss.

Tag der offenen Tür am 29. August

Außerdem laden die Jugendlichen am Freitag, 29. August, alle Anwohner und Nachbarn des Jugendtreffs zu einem Tag der offenen Tür ein, dann soll gemeinsam gegrillt und vor allem: geredet werden. „Mit uns kann man auf jeden Fall reden“, sagt Bodack. Herfort hofft nun auf eine gute, dauerhaft funktionierende Lösung. Schon in der Gemeinderatssitzung hatte er sich für die Jugendlichen und den Erhalt des Clubs 22 stark gemacht, und auch Schamberger würdigte den Einsatz des Clubs 22 etwa beim Fasnachtsfeuer, wo die Jugendlichen bewirtet und Scheiben verkauft haben. Den ihnen 2022 zur Verfügung gestellten Raum hatten die Jugendlichen wochenlang in Eigenregie renoviert und hergerichtet. Diese hatten sich zuvor mit dem Wunsch nach einem Jugendraum an die Gemeinde gewandt.

Diakon Frieder Rühle bietet sich als Mediator an

Diakon Frieder Rühle, der für die Jugendarbeit in den Gemeinden des vorderen Kandertals zuständig ist und im Pfarrhaus direkt neben dem Jugendtreff wohnt, hatte in der Gemeinderatssitzung seine Unterstützung angeboten. Auch ihm sei es wichtig, dass der Raum als Treffpunkt erhalten bleibt und bietet sich als Mediator an.

Weil, wie Bürgermeister Oliver Friebolin betont, der Gemeinde eine weltanschaulich offene, lebendige Jugendarbeit wichtig sei, hat die Gemeinde die Trägerschaft für den Raum übernommen. Friebolin hatte den Vorschlag gemacht, die Jugendlichen könnten sich selbst verwalten – Voraussetzung dafür sei, dass mindestens einer den Jugendleiter-Lehrgang absolviere, um die Jugendleiter-Card (Juleica) zu erhalten. Diesen Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit besitzt Rühle und bietet auch hier seine Unterstützung an.