Profitiert vom „Weihnachtszauber“: der Ebinger Bürgerturmplatz. Foto: Karina Eyrich

Am dritten Adventswochenende ist Weihnachtsmarkt in Ebingen – oder richtiger: „Weihnachtszauber“, denn so heißt er ja seit dem vergangenen Jahr.

An die 50 Gäste waren gekommen, die Stuhlreihen größtenteils gefüllt: Das Citymanagement hatte alle, die auf dem Markt respektive „Zauber“ mit einem Stand vertreten sein wollen, ohne professionelle Marktbeschicker zu sein, in den Ebinger KulTurm eingeladen, um ihnen das Konzept des „Ebinger Weihnachtszaubers“ vorzustellen und schmackhaft zu machen. Und um ihnen die Sorge zu nehmen, dass sie sich an einem Standort im kommerziellen Abseits wiederfinden könnten.

 

Diese Sorge treibt offenbar so manchen um: Keiner will während des Weihnachtsmarktes, der vom 12. bis 14. Dezember stattfindet, Randerscheinung und Mauerblümchen sein. Citymanager Ulrich Daum sah sich daher mit der anspruchsvollen Aufgabe konfrontiert, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern die frohe Botschaft zu vermitteln, dass es in seinem Theater keine schlechten Plätze gebe.

Hauptaugenmerk richtet sich auf den Bürgerturmplatz

Ist das so? Mittlere und untere Marktstraße erfreuen sich begreiflicherweise großer Beliebtheit, desgleichen der Kurt-Georg-Kiesinger-Platz, wo buchstäblich die Musik spielt. Nicht ganz so gut ist der Ruf des Bürgerturmplatzes, der nach wie vor unter einem gewissen Schmuddel-, Hinterhof- und Granitwüstenimage leidet. Hier setzte Daum an: Er hat seinen „Weihnachtszauber“ statistisch erfasst und ausgewertet – wann hätte es das in den alten „Weihnachtsmarkt“-Zeiten gegeben? – und präsentierte dem Publikum im KulTurm einen Vergleich zwischen dem „Weihnachtsmarkt“ des Jahres 2023 und dem „Weihnachtszauber“ von 2024. Unter besonderer Berücksichtigung des Bürgerturmplatzes.

Ulrich Daum und die Vertreter von Vereinen, Schulen, Initiativen und der Feuerwehr, die beim „Weihnachtszauber“ mit Ständen präsent sein werden Foto: Kistner

Die Ergebnisse: So groß ist der Unterschied zwischen 2023 und 2024 gar nicht; 2023 kamen 47 000 Gäste, 2024 dann 46 000. In der Marktstraße und auf dem Kurt-Georg-Kiesinger Platz waren die Zahlen weitgehend identisch, wobei man berücksichtigen muss, dass das Wetter 2023 einen Tick besser ausfiel als im Folgejahr. Der dritte Tag, der Sonntag, brachte 2023 mehr Zulauf, dafür strömten am Samstag, der etatmäßig bester Markttag ist, 2024 mehr Besucher, vor allem auf den Kiesinger-Platz. Wichtig aus Daums Sicht: Sie waren auch besser über den Tag verteilt; anders als 2023 drängte sich das Publikum nicht nur zu Beginn des „Winter City Open Air“ mit „Südlich von Stuttgart“, sondern auch schon früher am Nachmittag. Der Citymanager sieht sich dadurch in seiner Entscheidung bestätigt, auf die von vielen so geliebte Pyramide zu verzichten.

Der Bürgerturmplatz hat aufgeholt

Und stattdessen eine Bühne auf dem Bürgerturmplatz aufzustellen. Denn das war die Pointe von Daums Ausführungen: Der Bürgerturmplatz hat – zumindest samstags – erkennbar auf die anderen beiden Marktbrennpunkte aufgeholt, und laut Besucherstatistik liegt das primär am abendlichen Musikangebot. Wenn die Albstädter jetzt noch erkennen, dass es Kult ist, am Freitagabend die „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann anzuschauen und dazu das einschlägige Heißgetränk zu schlürfen, und wenn das Marionettentheater am Sonntagmittag wie erhofft die Familien anlockt, dann, so Daums Hoffnung, wird sich auch der Bürgerturmplatz etabliert haben.

Kunsthandwerker ziehen Märkte vor, die länger dauern

Was hat der „Weihnachtszauber“ sonst noch zu bieten? Das Kunsthandwerk will Ulrich Daum zentral in der Marktstraße platzieren, die kulinarischen Dauerbrenner Dinnede und Bratwurst wie gehabt an ihrem oberen und unteren Ende. Im Übrigen hofft er auf mehr Variabilität beim Essen im Allgemeinen – „diesmal gibt’s auch Kartoffelpuffer“ – und bei den Wurstsorten im Besonderen. Am Ruf des Ebinger Weihnachtsmarkts, primär „Fress- und Saufmeile“ zu sein, kann er nur bedingt etwas ändern. Erstens bestimmt die Nachfrage das Angebot – und zweitens zieht es die Verkäufer des klassischen weihnachtlichen Kunsthandwerks auf die Märkte, die nicht schon nach drei Tagen zu Ende sind, sondern erst nach zwei Wochen.

Hier kommentiert der Citymanager die Anordnung der Stände. Foto: Kistner

Apropos: Vom Glühweinpreis, einem beliebten Gegenstand vorweihnachtlicher Lamenti, war nur am Rand die Rede; die Gäste ließen durchblicken, dass mit einer Drei vor dem Komma nicht mehr zu rechnen ist. Hochprozentiges ist Off-Limits, das gilt, zum Leidwesen vieler, auch für Ouzo. 30 Prozent – plus vier Prozent Knautschzone – sind die Obergrenze.

Das Programm

Hauptbühne auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz:
 Freitag, 12. Dezember, 18 Uhr: Eröffnung des Weihnachtszaubers mit Oberbürgermeister Roland Tralmer18.30 Uhr: Es spielt das Städtische Orchester Albstadt.

Samstag, 17 Uhr: Es singt der Rockchor Ryestones.19 Uhr: Winter City Open Air mit „Südlich von Stuttgart“

Sonntag: Es musizieren um11 Uhr: Popspace12.30 Uhr: Musikverein Onstmettingen14 Uhr: Stadtkapelle Tailfingen15.30 Uhr: Musikkapelle Pfeffingen

Bühne auf dem Bürgerturmplatz:
 Freitag, 19.30 Uhr: Filmvorführung „Die Feuerzangenbowle“

Samstag: Es musizieren um12 Uhr: Eyachtal Kids13.30 Uhr: der Posaunenchor Truchtelfingen16 Uhr: die Musikkapelle „Frohsinn“ Lautlingen18 Uhr: DJ Jeff

Sonntag: Es musizieren um11.30 Uhr: die Nähbergblächle Ringingen.13 und 14.30 Uhr: Marionettentheater16 Uhr: Es spielt der Musikverein Winterlingen.