Adrian Hägele vom Handels- und Gewerbeverein (links) und Bürgermeister Matthias Winter begrüßen Sophie Bihl offiziell. Foto: Cools

Rund 60 000 Instagram-Follower zeigen es: Sophie Bihl ist Marketing-Expertin. Als City-Managerin geht sie nicht nur Oberndorfs Leerstände an, sondern auch das Image-Problem.

Bei dieser Stellenbesetzung war man fix: Sophie Bihl ist seit Anfang Juli Oberndorfs City-Managerin. Von ihrem Engagement erwarten sich die Stadt und der Handels- und Gewerbeverein (HGV) entscheidende Impulse bei der Wirtschaftsförderung. Was sie konkret plant, und woran es in Oberndorf fehlt: Wir haben nachgefragt.

 

Es ist noch nicht lange her, seit der HGV mit der Idee eines City-Managers an die Stadt herangetreten ist. Die ehrenamtlich tätige Führungsriege war mit ihrem Engagement an die Kapazitätsgrenze gestoßen, wie dem Gemeinderat im Frühjahr erklärt wurde.

Impulse in der Wirtschaftsförderung

Man einigte sich darauf – wenn auch ein Drittel des Gremiums dagegen stimmte – dass der HGV einen City-Manager mit einem Stellenumfang von 25 Wochenstunden einstellt, auf Wunsch des Gemeinderats vorerst befristet auf drei Jahre, bei einer Kostenaufteilung von 40 zu 60 zwischen dem HGV und der Stadt.

Vom Erfolg dieser Entscheidung ist zumindest Bürgermeister Matthias Winter überzeugt, wie er im Pressegespräch deutlich macht. Es gehe außerdem nicht um die Unterstützung eines Vereinsfestes oder Ähnliches. Es gehe um Impulse im Rahmen der Wirtschaftsförderung in Ergänzung zu der, die von städtischer Seite betrieben werde.

Handel und Gewerbe wüssten dabei am besten, was es brauche. In anderen Städten würden die Kosten für einen City Manager vollständig von der Stadt übernommen, daher sei man froh über die finanzielle Handreichung von Seiten des HGV.

Unzählige Ideen

Und schließlich gehe es um ein ureigenes Interesse der Stadt, meint Adrian Hägele als einer der Vorsitzenden des HGV. Im Bestreben Oberndorf zu entwickeln und nach vorne zu bringen, habe man schon vieles auf die Beine gestellt, erklärt er und nennt als Beispiel das Gutscheinprogramm, mit dem man mehr als 400 000 Euro an Kaufkraft hier in Oberndorf gebunden habe, aber auch erfolgreiche Veranstaltungen wie das Herbstfest.

Und es gebe noch unzählige weitere Ideen, um das Potenzial der Stadt auszuschöpfen. Es brauche aber auch jemanden, der diese umsetze.

Bindeglied zwischen HGV und Stadt

Auf diese Aufgabe freut sich Sophie Bihl. Die 32-Jährige aus Bochingen, Mutter zweier Kinder im Kindergartenalter, ist gelernte Handelsfachwirtin, war Filialleiterin im Handel und einige Jahre bei einem Unternehmen im Einkauf und Vertrieb tätig.

Als City-Managerin ist sie nun erste Ansprechpartnerin für Wirtschaftsthemen aller Art und für die HGV-Mitglieder, ist deren Sprachrohr und Bindeglied zwischen dem HGV und der Stadt.

Auf Instagram hat Bihl mit Inhalten zum „authentischen Alltag einer Mama“ auf ihrem privaten Account bereits rund 60 000 Personen, die ihr folgen. Ihre Social-Media-Kompetenz will sie nun dafür nutzen, zu zeigen, was Oberndorf zu bieten hat. Denn eine ihrer vielen Aufgaben ist auch das Marketing.

Im Hintergrund läuft ganz viel

„Menschen gewinnen, kommunizieren und das medial transportieren“, fasst Adrian Hägele die Aufgaben kurz zusammen. Denn im Hintergrund laufe beim HGV schon ganz viel, das aber öffentlich noch nicht wahrgenommen werde. „Wir sind weit weg von einem ‚toten Städtle‘, wie es immer heißt“, stellt er klar. In Oberndorf gebe es mit rund 500 Unternehmern – „von der One-Man-Show bis zur großen Firma“ – einen Blumenstrauß an Möglichkeiten, die man sichtbar machen müsse.

Mit Sophie Bihl habe die Chemie gleich gestimmt, sagt Hägele. Nun müsse man sie in die Stadt implementieren. Deshalb stellt sich die 32-Jährige den HGV-Mitgliedern nun nach und nach vor und will per Instagram Einblicke in deren Tun geben.

Start-ups und Pop-up-Stores

Zu ihren Aufgaben zählt aber auch, das Thema Leerstände anzugehen und die Vermarktung über die Erschließung weiterer Kanäle, wie eben die Sozialen Medien, voranzutreiben. So könnten beispielsweise Start-ups unterstützt werden und Pop-up-Stores einziehen. „Ich möchte enger mit den Eigentümern zusammenarbeiten und, wo möglich, auch Zwischenlösungen suchen“, erklärt Bihl.

Ein großes Ziel sei, das Einkaufsverhalten der Bürger zu verändern und wieder mehr zu den lokalen Händlern zu lenken. „Den Eventcharakter in der Stadt wird Amazon nie bieten können“, meint Bürgermeister Winter dazu. Oberndorf habe „grausig viel Potenzial“.

Eis-am-Stiel-Party und Bar-Tour

Hinter vielen Veranstaltungen steckten HGV-Mitglieder – sei es das Sommerfest am Pavillon in der Talstadt, die Eis-am-Stiel-Party am 9. August im „Tres“ oder die geplante Bar-Tour am 11. Oktober im Rahmen des diesjährigen Herbstfestes – sagt Adrian Hägele. Auch der Talplatz werde nach der Umgestaltung ein attraktiver Platz für die Ansiedlung weiterer Unternehmen sein, ist er überzeugt.

Sophie Bihl würde in Zukunft gerne auch eine Sprechstunde für Bürger anbieten, um deren Impulse aufzunehmen. Der Standort für ein entsprechendes Büro steht aktuell noch zur Diskussion, erfahren wir beim Pressegespräch.