Was wäre die Chrysanthema ohne die Gästeführungen? Manuela Griesbaum leitet Gruppen durch die Stadt und erzählt ihnen, welche Geschichten und Sagen in den Blumenbeeten stecken.
Jedes Jahr zur Chrysanthema wird die Stadt geflutet mit Touristen, die oft in Gruppen und mit Reisebussen kommen. Viele von ihnen machen geführte Touren durch die blühende Innenstadt, geleitet von Stadtführern in den typischen roten Filzmänteln. Eine dieser Führungen hat unsere Redaktion begleitet.
Manuela Griesbaum trifft ihre Gruppe am Riesenrad auf dem Marktplatz. Es sind etwa 15 Menschen, ausschließlich Frauen, 60 Jahre und älter. Sie erhalten Kopfhörer, sodass sie Griesbaum während der Führung trotz lauter Drehorgelmusik und anderer Hintergrundgeräusche gut verstehen. Außerdem bekommt jede von ihnen einen Flyer in die Hand gedrückt – dann geht es auch schon los, durch die Kreuzstraße zum ersten Bütenwagen.
Griesbaum erklärt, dass diese jedes Jahr von Vereinen gestaltet werden: „Die bekommen frühzeitig das Thema mitgeteilt und erhalten die ganzen Werkzeuge dafür. Die Vereine schreiben auch Texte dazu, hier geht es zum Beispiel um die Geschichte der Ortenaubrücke. Vielleicht hat’s der eine oder andere von Ihnen gesehen, als er hierher gekommen ist“. Die Frauen nicken, treten näher heran, machen Fotos von der Blumenpracht.
Das Krokodil in der Kanalisation von New York
Weiter geht es zum blumengeschmückte Piratenschiff, das sich aber längst nicht mehr in seiner ganzen Pracht zeigt: Diebe haben unter anderem den Kopf der Galionsfigur gestohlen (wir berichteten). „Es verschwinden auch immer wieder Blumen, gerade jetzt zu Halloween“, bedauert Griesbaum.
In diesem Jahr seien viele Beete erlebbar und begehbar, betont die Gästeführerin „Vorher war es oft ein Problem, dass Kinder darin gespielt haben. Jetzt dürfen sie ganz offiziell rein“. Die Gruppenführerin blickt in die Runde und fügt lachend hinzu: „und die Erwachsenen natürlich auch“.
Das Beet an der Stadtmühle, an dem die Gruppe jetzt steht, besteht aus mehreren Betonrohren, die New Yorks Kanalisation symbolisieren sollen. Passend zum Motto „Sagenhaft“ der Chrysanthema ist dort eine urbane Legende über Aligatoren in der New Yorker Kanalisation dargestellt.
Am Rosenbrunnen zeigt die „sagenhafte“ Blumenkonstruktion eine alte Legende aus Lahr, in der der Teufel einen Brunnen errichtet haben soll. Auf manche der mystischen Geschichten hinter den Blumen geht Griesbaum näher ein, andere Beete lässt sie einfach für sich wirken.
Schweizerinnen sind begeistert
Zu der Frage, wie die Pflanzen in den Beeten die gesamte Zeit der Chrysanthema über bewässert werden, hat Griesbaum interessante Einblicke: „Vier Gärtner sind die ganzen 14 Tage über nur damit beschäftigt, acht Stunden jeden Tag zu gießen“. In diesem Jahr sei das vergleichsweise unproblematisch, aber sie habe auch schon Blumenfestivals erlebt, bei denen sie bei 25 Grad ihren roten Filzmantel trug.
Zwei Schweizerinnen erzählen unserer Redaktion im Anschluss an die Führung, dass es ihre erste Chrysanthema ist. Sie seien über die Webseite eines Reisebusunternehmens darauf aufmerksam geworden und wollten sich die Blumenpracht unbedingt ansehen. Die weite Anreise aus der Nähe von Zürich habe sich gelohnt: „Wir kommen nächstes Jahr wieder, es sind zwar viele Leute hier, aber es verteilt sich echt gut. Und es gibt einfach überall etwas zu schauen.“
Manuela Griesbaum macht solche Führungen über die Chrysanthema seit etwa zehn Jahren. Sie wolle gern noch eine Abwechslung zum Berufsalltag haben und auch das Sprechen nicht verlernen. Sie stören die vielen Touristen also nicht, im Gegenteil: „Ich finde es einfach toll, dass mal ein bisschen Betrieb ist in Lahr“.
Die Festblumen kaufen
Chrysanthemen sind empfindliche Pflanzen und lassen sich nur schwer überwintern. Aus diesem Grund werden die beim Blumenfestival ausgestellten Pflanzen ab kommender Woche als Dekoration für Zuhause verkauft.