Herztest unter Belastung: ein Patient mit Koronarer Herzkrankheit beim Arzt. Foto: dpa//Robert Pupeter

Eine Erkrankung der Herzkranzgefäße zählt zu den häufigsten Erkrankungen in Baden-Württemberg. Aber wer ist betroffen – und welche Gegenden besonders stark?

Wenn die Herzkranzgefäße verengt oder verstopft sind, drohen Herzschwäche und Herzinfarkt. Unter der Koronaren Herzkrankheit leiden knapp sechs Prozent aller Menschen in Baden-Württemberg. In diesem Text geht es um die Fakten zu chronisch ischämischen Herzkrankheiten in Baden-Württemberg, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas“ aus.

 

Je älter man wird, desto höher ist das Risiko für chronisch ischämische Herzerkrankungen. Das gilt besonders für Männer. Bis 45 erkranken 8 Prozent der Männer, bei Senioren ist es einer von vier, bei den Über-80-Jährigen einer von drei. Die Tabelle zeigt die Verteilung nach Altersgruppen und Geschlechtern:

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache bei Frauen und Männern“, sagt die AOK-Medizinerin Sabine Knapstein. Laut Robert Koch-Institut war 2020 mehr als jeder dritte Todesfall bei Frauen auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurückzuführen. Dennoch unterschätzten Frauen häufig ihr Erkrankungsrisiko, so Knapstein.

„Eine wesentliche Ursache für chronische Herzerkrankungen und Herzinfarkt ist neben der persönlichen Genetik der Lebensstil“, sagt die AOK-Medizinerin. Fettsucht und Diabetes nehmen zu, die Raucherquote sinkt. Auch weil sich im Alter mehr Menschen gesundheitsbewusst verhalten, ist der Anteil der Menschen mit chronisch-ischämischen Herzerkrankungen in Baden-Württemberg insgesamt leicht gesunken, von 6,5 auf 5,9 Prozent. In den einzelnen Altersgruppen sind die Werte recht konstant. Bei Frauen über 65 werden chronisch ischämische Herzerkrankungen mittlerweile etwas seltener diagnostiziert, bei Männern etwas häufiger.

Chronisch-ischämische Herzerkrankungen in Baden-Württemberg

Wie verteilen sich chronisch-ischämische Herzerkrankungen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.

Vor allem im Nordwesten von Baden-Württemberg werden überdurchschnittlich oft chronisch ischämische Herzerkrankungen diagnostiziert. In den Großstädten mit ihrer relativ jungen Bevölkerung dagegen deutlich seltener. Das habe mit sozialen Faktoren, den Lebensumständen, kulturellen Unterschieden und nicht zuletzt der individuellen Genetik zu tun, analysiert die AOK-Ärztin Knapstein.

Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:

Am häufigsten sind Hochbetagte über 80 Jahren von chronisch ischämischen Herzerkrankungen betroffen. Die Verteilung ist hier weniger eindeutig als in der Karte oben – die Erkrankungen verteilen sich relativ gleichmäßig übers Land.

Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei älteren Erwachsenen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:

Chronisch ischämische Herzerkrankungen in der Region Stuttgart

Vor allem im Kreis Göppingen werden chronisch ischämische Herzerkrankungen deutlich häufiger diagnostiziert als im Landesschnitt. Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden darüber. Am höchsten ist er in Deggingen (Kreis Göppingen) mit 14,8 Prozent, am niedrigsten in Stuttgart-Killesberg mit 2,6 Prozent. 18 der 20 Gemeinden mit den höchsten Diagnoseraten für chronisch-ischämische Herzerkrankungen liegen im Kreis Göppingen. Wegen des starken Einflusses von Sozialstatus und den auch bundesweit teils deutlichen regionalen Unterschieden sei das durchaus nicht ungewöhnlich, sagt Sabine Knapstein von der AOK.

Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose chronisch ischämische Herzkrankheiten zu sehen:

Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.

Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.

Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“

Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.

Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.