Aus Anlass des 100. Geburtstags ihres Architekten zeigt der Förderverein der Christuskirche Fotos von Bernhard Tränkle.
Olaf Andreas Gulbransson wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat die Christuskirchen-Gemeinde eine Ausstellung zusammengestellt, die Fotos ihrer Kirche zeigt. Der Münchner Architekt hat die Christuskirche im Neumatt-Gebiet gebaut. Sie wurde 1962 eingeweiht. Die Ausstellung wird am Sonntag, 25. Januar, nach dem Gottesdienst (gegen 11 Uhr) im unter der Kirche liegenden Gemeindezentrum eröffnet. Die Fotos stammen vom Architekten und Fotografen Bernhard Tränkle aus Steinen.
Die Christuskirche, auf einem quadratischen Grundriss mitten im Wohngebiet errichtet, zeichnet sich durch ihre individuelle Dachform aus, die sich auch im Inneren der Kirche widerspiegelt. Die Kirche ist elf Meter breit, elf Meter tief und elf Meter hoch. Das hölzerne Zeltdach, auf das man blickt, wenn man den Kopf noch oben bewegt, drücke das „Unterwegssein des Menschen“ aus, sagt Christel Mohr, die Vorsitzende des „Fördervereins der Gulbransson-Kirche Steinen“. Die Dachbestandteile außen recken sich in die Höhe. „Die vier Ecken des Gebäudes wirken wie hohe Stangen, zwischen die das Zelt aufgespannt ist“, schreibt Pfarrer Andreas Heinicke im Handbuch zur Kirche. Von den Ecken aus zur Mitte jeder Seite senkt sich das Zeltdach nach unten. Ein in der Kirche erkennbarer Balken stützt die Dachkonstruktion. Die Kirche liegt etwas abseits der Straße und ist – von der Neumattstraße aus gesehen – leicht von einem Baum verdeckt, was aber nicht bedeutet, dass sie sich verstecken müsste.
Glasbausteine von einer Bahnsignalanlage
Markant sind auch die rechteckigen Öffnungen an drei Ecken des Gebäudes, die sich über die gesamte Gebäudehöhe erstrecken. Fenster, die sich öffnen lassen, hat die Kirche keine, sie ist aber auch nicht dunkel, denn durch rechteckige und runde Glasbausteine fällt Licht in das Gotteshaus. „Das Licht fällt aufs Zentrum der Kirche, die Altarwand“, sagt Christel Mohr. An einer Längswand wölbt sich die Wand zu einer halbkreisförmigen Nische. Hier bilden die in die Wand eingebauten roten und violetten Glasbausteine ein Kreuz.
Dieses wirft Licht auf das Taufbecken. Das Glasbausteine stammen von einer zerborstenen Signalanlage vom Steinener Bahnhof, sagt Christel Mohr.
Bänke verlaufen bogenförmig
Die Bänke verlaufen nicht parallel zueinander, sondern gruppieren sich viertelkreisförmig um den Altar. Das Gotteshaus hat zwei Eingänge; einer liegt etwas zurückversetzt von der Neumattstraße, der zweite Eingang an der Straße „Gute Hoffnung“. Der Gläubige blickt auf eine große Wand mit einem Fresko hinter dem Altar, für deren künstlerische Gestaltung sich der Kirchenmaler Hubert Distler verantwortlich zeichnete. Distler hatte sein Büro in München in der gleichen Straße wie Gulbransson. Auf der Wand sieht man Christus, der mit seinen Armen und Beinen ein Kreuz bildet und links über ihm die „Sonne des Ostermorgens“, wie es im Handzettel zur Kirche heißt. Die Kirche verzichtet auf jeglichen Prunk, wie man ihn beispielsweise von barocken, katholischen Gotteshäusern her kennt, betont Mohr.
Sehr glücklich ist der Förderverein, dass er einige Antependien von Inger Gulbransson-Jansen, der Frau des Architekten, besitzt. Sie hat Paramente gewebt und bestickt. Das sind Textilien mit christlichen Motiven, die vor dem Altar hängen.
Erste Kirchenmitglieder waren Vertriebene
Die Kirche ist der Versammlungsort der lutherischen Gemeinde in Steinen. Die evangelischen Christen, die die Christusgemeinde begründeten, waren Vertriebene aus Böhmen, Mähren und Tetschen-Bodenbach, dem heutigen Děčín, die nach Steinen kamen, um hier ihr neues Zuhause zu finden.
Für Christel Mohr und die Mitglieder des Fördervereins ist die Christuskirche ein „Juwel“. Die Behörden sehen das genauso und haben sie 2011 unter Denkmalschutz gestellt. Mohr wünscht sich mehr Mitglieder für den Verein, dem derzeit 40 Interessierte angehören, um die Kosten für den Bauunterhalt bezahlen zu können. „Wir müssten etwa dringend den Glockenturm restaurieren.“ Die Glocken sind nicht wie häufig in einem eigenen Turm untergebracht, sondern an der Rückwand der Kirche. Hier hat man eine Aussparung geschaffen, die einen Blick auf die beiden kleinen Glocken gewährt und um den Schall Richtung Wohnhäuser dringen zu lassen.
Die Ausstellung ist ab Sonntag, 25. Januar, 11 Uhr, im Gemeindezentrum, Neumattstraße 29, zu sehen.