In der Christuskirche werden die Glockenjoche ausgewechselt. Peter Westermann steht vor der 900 Kilogramm schweren größten Glocke. Foto: Jens Fröhlich

Das Geläut in der Christuskirche erhält aktuell neue Aufhängungen.

Wer dieser Tage auf die Turmuhr der Christuskirche schaut, bestaunt ein doppelt verwirrendes Bild. Sämtliche Zeiger stehen still. Aber nicht einmal auf dieselbe Uhrzeit scheinen sich die Ziffernblätter geeinigt zu haben. Auf dem einen ist es kurz vor acht, auf dem anderen kurz nach acht.

 

Woran das liegt, können Peter Westermann und Stefan Schneider von der Schonacher Firma Schneider Turmbauuhren und Glockentechnik erklären. Ihr Arbeitsplatz ist dieser Tage über Betontreppen, Holztritte und steile Metallleitern zu erreichen. Bei den Arbeiten ganz oben im Kirchturmdach mussten sie die Gestänge aushängen, die mit den Zeigern verbunden sind. Die Zeiger rutschten dadurch ein wenig nach, werden aber wieder die korrekte Uhrzeit anzeigen, wenn alle Arbeiten beendet sind.

Um die Uhren geht es nicht

Doch um die Uhren geht es bei den Arbeiten nicht. Die beiden Männer versehen im Dachstuhl der Christuskirche die vier Glocken mit neuen Jochen. Joche sind, laienhaft ausgedrückt, die Aufhängungen der Glocken. Ab und zu ist ein leiser Glockenton zu hören, wenn die Handwerker anstoßen. Glocke Nummer 2, gut 600 Kilogramm schwer, ist schon mit einem Eichenholzjoch versehen und hängt bereits wieder. Die schwerste Glocke mit 900 Kilogramm Gewicht steht auf dem Boden. Westermann setzt die Bohrmaschine an und versieht das dafür geplante Joch mit den notwendigen Löchern.

Das Joch: ein echter Brocken

Auch das Joch selbst ist ein echter Brocken: Zehn Prozent des Glockengewichts muss es wiegen, sagt der Zimmerermeister. Denn die Joche müssen, wenn die mit Eisenbändern am drehbaren Tragbalken aufgehängten Glocken schwingen, enormen Kräften standhalten. Die bisherigen Joche bestanden aus Metall. Die Holzjoche seien langlebiger und ermöglichten den Glocken einen besseren Klang, erklärt Kantor Andreas Rütschlin, der sich seine Stelle mit Anja Schweizer teilt. Rund 25 000 Euro wird die Kirchengemeinde der Austausch kosten. Die neuen Joche dürften für einige Generationen von Kirchgängern halten.