Dekan Michael Schneider (rechts) verabschiedete Pfarrer Ulrich Günther in den Ruhestand und setzte dessen Nachfolgerin Gudrun Ehmann offiziell ein. Foto: Wahl

Stabübergabe in der Bisinger Christuskirche: Dekan Michael Schneider entpflichtete Pfarrer Ulrich Günther und setzte dessen Nachfolgerin Gudrun Ehmann offiziell ein.

In feierlichem Rahmen fand am Sonntag in der evangelischen Christuskirche Bisingen die Investitur von Pfarrerin Gudrun Ehmann statt. Zugleich wurde Pfarrer Ulrich Günther entpflichtet, heißt: in den Ruhestand verabschiedet. Dazu war Dekan Michael Schneider extra ins Kirchspiel gekommen. Der Gospelchor, von Jörg Sommer am Klavier begleitet, umrahmte die Feier musikalisch. Den Auftakt bildete der feierliche Einzug der Geistlichen zu einem imposanten Orgelvorspiel. Nach dem Willkommensgruß des Dekans erklang vom Chor das Lied „Thank you“.​

 

Der Tag Epiphanias sei passend zum Anlass, sagte Dekan Schneider. Etwas gehe zu Ende und etwas Neues beginne. Liturgisch betrachtet sei die Weihnachtszeit zu Ende – jetzt richte sich der Blick auf Ostern. Im weltlichen Bereich werde nach 17 Jahren in Bisingen Pfarrer Ulrich Günther verabschiedet und parallel Pfarrerin Gudrun Ehmann eingesetzt.

Dekan hält Laudatio​​

In seiner Laudatio auf den scheidenden Pfarrer Günther meinte der Dekan, dass der Geistliche von manchem Gemeindemitglied für einen preußischen Oberjäger gehalten wurde, abgeleitet von dessen Auto, Hund, Wald und Erscheinungsbild. Jedoch: „Sie haben die Gemeinde auf jeden Fall nicht an der kurzen Leine geführt.“ Und: Die Kernaufgaben eines evangelischen Pfarrers, nämlich das Evangelium zu „leben“ und das Gemeindepfarramt zu führen, seien ihm am Herzen gelegen.​

Er selbst, Schneider, habe Ulrich Günthers ruhige, besonnene Art sehr geschätzt. Er sei ein Mensch, der sich nie in den Vordergrund spiele, aber seine Anliegen klar kommuniziere; stets offen für Änderungen und den Menschen zugewandt. Nun beginne für ihn ein neuer Lebensabschnitt mit viel mehr Freizeit. „Allerdings werden Sie so greifbar für mich in Balingen sein, dass ich gespannt bin, ob Sie diese neue Freiheit auch ausleben können.“ Eine Hundeleine gab’s als Geschenk für den „Unruhestand“, vielleicht komme ja mal ein Hund dazu. Trotz seiner Entpflichtung darf Ulrich Günther ob seiner Ordination weiterhin predigen, taufen und die Feier des heiligen Abendmahls leiten.

Die Festpredigt hielten Gudrun Ehmann und Ulrich Günther gemeinsam​​

Apropos: Die Festpredigt hielten die Geistlichen Gudrun Ehmann und Ulrich Günther am Sonntag gemeinsam. Darauf folgte die offizielle Investitur der Geistlichen Ehmann durch Dekan Michael Schneider. Er bestätigte ihr ein großes Interesse an der Ökumene und an Partnerschaften im Ausland. Als Geschenk gab’s für sie einen Tischtennisschläger in der Farbe „Landeskirchenlila“, womit der Dekan Parallelen vom Sport zu den kirchlichen Aufgaben zog. Beides lebe von Aufmerksamkeit, Reaktion und Freude am Spiel.​

Zur Frage, wie sich die Liebe Gottes in der Welt zeige, zitierte der Dekan Bonhoeffer: „Gott begegnet uns nicht in einer Idee, sondern im Bruder, im Nächsten.“ Gudrun Ehmann sei es wichtig, das diakonische Profil in der Gemeinde auszubauen. Die Landeskirchenfarbe erinnere dran, dass sie den Dienst nicht alleine ausüben muss. Wichtig sei es, Freizeit und Arbeit zusammenzubringen.

Einsetzung von Pfarrerin Ehmann​​

„Zeugenworte“ zur Investitur sprachen Pfarrerin Ilze Druvina und Susanne Renz. Sie bestätigten das fruchtbare Zusammenwirken mit der Geistlichen in den vergangenen Jahren, außerdem lobten sie ihren großen persönlichen Einsatz. Margrit Stein, langjährige Vorsitzende des Kirchengemeinderates, attestierte Ulrich Günther, 17 Jahre die Gemeinde gut begleitet, geprägt und mit Leben gefüllt zu haben. „Viele von uns haben erlebt, wie Sie immer ein offenes Ohr hatten: für Sorgen, für neue Ideen, für kleine und große Anliegen. Nichts war Ihnen zu unbedeutend, niemand war Ihnen zu fern.“ Der Austausch mit den Ratsmitgliedern habe stets auf Augenhöhe stattgefunden.​​

Wie ein „Wiederankommen“ fühle sich die Einsetzung von Pfarrerin Ehmann an. Die Freude in der Gemeinde darüber sei groß. „Wir schätzen dich als Pfarrerin, und viele schätzen dich als Mensch: respektvoll, ehrlich und einfühlsam im Umgang – und mit einem guten Gespür für das, was Menschen brauchen.“ Das Willkommensgeschenk, ein Anker, stehe für Halt und Festigkeit, aber auch für Vertrauen und Beständigkeit.​