Der heftige Schlussbeifall nach der jüngsten Stunde der Kirchenmusik galt gleichermaßen der unter neuer Leitung stehenden Christophorus-Kantorei wie der Konzertorganistin Hoon Jeon-Mittermaier.
Es war der erste Auftritt der Kantorei nach dem Wechsel der Chorleitung im vergangenen Sommer. Der Herzenswunsch des langjährigen Dirigenten Michael Nonnenmann (jetzt im Ruhestand) ging in Erfüllung: Die Geschicke des Top-Ensembles übernahm ab Herbst Carina Engel.
Ihr Debüt in der Stadtkirche absolvierte Engel souverän und verantwortungsvoll. Das Interesse des Publikums war enorm: Zur Verlegenheit, aber auch zur Genugtuung der Liturgin Sabine Lüdtke wurden wegen des großen Publikumsandrangs sogar die Programmflyers knapp.
In nur wenigen Wochen einstudiert
Aus dem früheren Repertoire fügte die vielseitig ausgebildete Musikerin Engel das „Ubi Caritas“ von Ola Gjeilo in das neue Programm ein. Dieses Stück wurde zum Bindeglied zwischen zwei weiteren Kapiteln der glorreichen Kantorei-Geschichte.
In nur wenigen Wochen studierten die Gymnasiasten einige neue a-capella-Chorwerke aus verschiedenen Musikepochen von Barock bis in die Gegenwart ein und stellten diese mit großer Expressivität vor. Anfangs wirkte ihr Gesang zwar ein wenig zurückhaltend, doch durch die starke Motivation der Dirigentin, durch ihre unmissverständliche Gestik und offenes Lächeln, durch Fordern und Fördern gewann die Musik bald an Transparenz und Ausdruckskraft. Eine starke Leistung der Kantorei und ein vielversprechender Einstand der auswendig dirigierenden Carina Engel.
Bereits zum dritten Mal in Altensteig
Die Organistin Hoon Jeon-Mittermaier betreut musikalisch die evangelische Gemeinde Tuttlingen und gastierte bereits zum dritten Mal in Altensteig mit einem Konzert. Diesmal präsentierte sie dem Publikum Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ihre perlende Virtuosität, kontrastierende Registrierung und interpretatorische Tiefe zeugten von künstlerischer Sensibilität und technischer Gewandtheit.
Durch einfallsreiche, archaisch wirkende Registrierung holte die Organistin üppige Farben-Buketts aus der Rohlf-Orgel hervor und unterstrich somit den visionären Charakter der Bachschen Musik. Schließlich brachte sie die schier unendliche Vielzahl der Mozartschen Einfälle in eine geordnete, musikalisch faszinierende Einheit zusammen.
Mächtige Klänge einer Orgelsonate
Mit mächtigen Klängen einer Orgelsonate setzte Hoon Jeon-Mittermaier den vorläufig letzten Akzent der Stunde der Kirchenmusik. Nach dem frenetischen Beifall stellten sich die Sängerinnen und Sänger erneut vor den Altar und verabschiedeten sich von dem unentwegt applaudierenden Publikum mit einer Zugabe.