Kann auch anders: Christoph Sonntag bei seinem Auftritt im Kurhaus. Foto: Christiane Frey

Christoph Sonntag hat im Kreis Freudenstadt viele Anhänger. So war das Kurhaus auch sehr gut besetzt, als er sein neues Programm vorstellte.

„Ein Tritt frei“, so der Name des Programms, war zumindest für das Publikum nicht wörtlich zu nehmen, aber dieses konnte mal wieder herzhaft lachen. Sonntag begeisterte mit feinem schwäbischen Humor, ordentlich Politikerschelte, Wortwitz und zuweilen sogar Wortakrobatik das Publikum, das ihn mit viel Beifall belohnte und ihn nicht ohne Zugabe gehen ließ.

Im Piratenoutfit, als schwäbischer Johnny Depp, betrat Sonntag die Bühne, die als Ruinenkulisse gestaltet war. „Ich bin der Johnny Depp vom Neckar, ich bin Johnny, der Sonntag ist der Depp“, erklärte der Kabarettist. Die Kulisse zeige Stuttgart als Ruine im Jahr 2058, nachdem eine Geothermiebohrung die halbe Stadt zum Einsturz gebracht habe.

Abrechnung mit dem politischen Berlin

Mit Blick auf Putin begann sein Ausflug in die große Politik. Er frage sich da schon fast verzweifelt: „Wo sind Schlaganfall und Herzinfarkt, wenn man sie mal braucht?“ Und sollte Friedrich Merz die nächste Bundestagswahl verlieren, orakelte Sonntag, würden seine Fans den Reichstag stürmen – alle drei, angeführt von Philipp Amthor, dem Che Guevara der CDU im Konfimandenanzug.

„Was haben wir den Postfaschisten und anderen gefährlichen Spinnern entgegenzusetzen?“, fragte er dann. Genau, Olaf Scholz – „ein Mann wie in Brei gemeißelt“. Auch der Grüne Anton Hofreiter, „ein Laborunfall aus der Monsanto-Kartoffelforschung“, Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, die dem Elend ein Gesicht gegeben habe, und Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der „Ländlord of the Wäschläpp“, bekamen ihr Fett ab. Mit Gerhard Schröder, dem Putin-Versteher, führte Sonntag ein Telefoninterview, das keinerlei Einsicht in mögliches Fehlverhalten offenbarte.

„Viele schimpfen über unser Land und wollen weg, aber noch mehr wollen gleichzeitig zu uns“, erkannte Sonntag und fragte sich: „Aber wo willsch den hin? In die Türkei?“ Gerade noch rechtzeitig besann er sich darauf, dass Kritik am türkischen Präsidenten auf der Bühne ein großes Risiko sei.

Zwischendurch rückt er noch mal was zurecht

Auch eigene Erlebnisse verarbeitet Christoph Sonntag in seinem Programm. Vor Jahren hatte seine Ex-Frau ihm vorgeworfen, Gelder aus seiner Stiftung missbräuchlich verwendet zu haben. Später folgte der Vorwurf, er sei im Besitz kinderpornographischer Darstellungen. Die folgende Hausdurchsuchung sei ein traumatisches Erlebnis gewesen. Ihm sei klar, dass im Gedächtnis der Öffentlichkeit solche Dinge haften bleiben, auch wenn sich alle Anschuldigungen als haltlos herausgestellt hätten. Daher machte er nun auch wieder Werbung für die „Christoph-Sonntag-Stiphtung“, die Kindern und Jugendlichen die Demokratie näher bringen will.

Wie viele Kabarettisten, bezog auch Sonntag das Publikum in seine Vorstellung mit ein. Ein Ehepaar aus der ersten Reihe war das Ziel seiner Späße. Seine Wortgewandheit bewies er kurz vor der Pause, in dem er aus vielen prominenten Namen eine Geschichte formte – eine respektable Leistung.

Mit seinen bekannten „Alter Egos“, dem Bruder Christohorus, Dr. Friedhof Södfried und Professor Dr. Christoph Freidhelm von Donnersbarsch ging, es weiter im Programm. Auch musikalisch ließ Sonntag auf der Geige nichts anbrennen.

Er komme gerne nach Freudenstadt, schmeichelte er den Gästen im Saal. Der Ort sei eine Enklave der libertären Demokratie. Deshalb wolle er auch im Jahr 2053 sein neues Programm hier zeigen, allerdings sei er dann zur der Eröffnung von Stuttgart 2021 eingeladen.