"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen." Dies sagt Christoph Sandner, der Geschäftsführer der Wild Wings, nach der Pandemie-Saison 2020/21. Foto: Sigwart

Nach der Saison ist vor der neuen Saison. Wild-Wings-Geschäftsführer Christoph Sandner steckt weiterhin in sehr arbeitsintensiven Wochen, auch wenn sich Trainer und Mannschaft in Schwenningen in den Urlaub verabschiedet haben.

Bis Ende Mai muss beispielsweise der neue Lizenzantrag für die Deutsche Eishockey Liga (DEL) fertig sein. Die Kaderplanung ist zudem in vollem Gange. Für Christoph Sandner ist es aus finanzieller Hinsicht entscheidend, wie es in Sachen Zuschauer in der DEL-Runde 2021/22 weitergeht. "Die Planungssituation ist etwas übersichtlicher als vor einem Jahr, weil wir inzwischen in dieser Pandemie viele Erfahrungen gemacht haben. Aber es gibt natürlich dennoch genügend offene Fragen", sagt der 50-Jährige.

Herr Sandner, was müssen Sie am heutigen Tag alles erledigen?

Es liegt heute viel Büroarbeit an. Der Lizenzierungsantrag für die neue Saison muss weiterbearbeitet werden, denn die Frist hierfür läuft in fünf Wochen ab. Weiter habe ich in der Mittagszeit mit unserem Sportmanager Christoph Kreutzer die nächste Besprechung wegen der Kaderplanung.

Der personelle Umbruch des Kaders fällt ein wenig größer aus als erwartet. Gibt es hierfür auch wirtschaftliche Zwänge?

Nein, es sind in erster Linie sportliche Gründe. Es war schon klar, dass bei unserem Kader nach dieser Saison noch an gewissen Stellschrauben gedreht werden muss. Christoph Kreutzer, unser Chefcoach Niklas Sundblad und sein gesamtes Trainerteam machen einen hervorragenden Job. Ihre Analyse dieser Saison liegt diesem personellen Kurs zugrunde.

Das Szenario, dass die Profis in diesem Sommer aufgrund der Pandemie erneut mit dem Thema Gehaltskürzungen konfrontiert werden, gibt es nicht?

Nein, die neuen Verträge werden in der Regel so gestaltet, dass es ein Grundgehalt gibt, worauf dann – zuschauerabhängig – von den Klubs eine weitere Leistung gezahlt wird.

Wie sieht denn Ihre Bilanz der Wild Wings aus sportlicher Sicht aus?

Sehr positiv. Es war ein großer Schritt in die richtige Richtung – vor allem auch wegen der Art und Weise, wie sich die Mannschaft seit Dezember präsentiert hat. Es ist schade, dass es am Ende so knapp nicht für die Play-offs gereicht hat.

Und Ihr wirtschaftliches Fazit?

Um es auf einen Nenner zu bringen: Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, weil wir sehr treue Sponsoren haben, weil die Spieler Gehaltskürzungen akzeptierten und wir DEL-Klubs auch vom Staat im vergangenen Winter eine große finanzielle Unterstützung erfuhren.

Es war insgesamt bisher eine problematische Saison der DEL. Krisen sind aber auch Chancen.

Ja, da gibt es einen großen Punkt. Alle, die mit dem Alltag in unserer Liga zu tun haben, sind noch enger zusammengerückt. Dies wurde sehr deutlich in den ständigen Video-Konferenzen. Jeder unterstützt den anderen. Wir haben auch eine tolle Zusammenarbeit mit den Behörden hier vor Ort. Wir alle nehmen für die Zukunft viele wichtige Erfahrungen aus dieser Pandemie mit.

Eine neue Erfahrung war sicherlich, dass aufgrund der nicht zugelassenen Zuschauer die Liga durch die Klubs noch transparenter gemacht werden musste – auch über die sozialen Medien.

Es ist klar: Wenn der Zuschauer nicht zu uns kann, dann müssen wir auf verschiedenen Wegen noch mehr zum Fan kommen. Eine seriöse Arbeit in den sozialen Medien ist da selbstverständlich. Die Fan-Aktion "We stick together" kam ausgezeichnet an. Die Einschaltquoten beim Liga-Partner Magenta-Sport sind hochgegangen. Insgesamt haben wir in den vergangenen Monaten über die sozialen Medien ein tolles Feedback von unseren Anhängern erhalten. Dennoch – das A und O für uns alle ist, dass die Fans einfach wieder zu den Spielen kommen dürfen.

Wie sieht denn Ihre ideale DEL-Saison 2021/22 aus?

Ich hoffe sehr, dass wir im September wieder normal starten können – zumindest mit einer gewissen Zuschaueranzahl. Ich bin zuversichtlich, dass wir in Deutschland mit dem Impfen bis dahin sehr gut vorankommen. Sportlich wünsche ich mir, dass unsere Mannschaft die nächsten Schritte in ihrer Entwicklung schafft.

Welche Bedeutung hat die Pandemie für die Etatplanung der kommenden Runde?

Wir müssen unseren Etat wieder defensiv ohne Zuschauer kalkulieren. Teilweise machen unsere bisherigen Sponsoren schwierige Zeiten durch. Es ist noch vieles abzuklären. Vielleicht können die DEL-Klubs nach dem Sommer auch noch einmal mit einer finanziellen Unterstützung der Politik rechnen. Aber ich komme wieder zum Kern zurück. Es hängt in der kommenden Saison auch viel an der Zuschauerfrage.

Wie viele Prozent an wieder zugelassenen Zuschauern in der Helios-Arena würden Sie als ersten Schritt in die richtige Richtung bezeichnen?

30 bis 50 Prozent wären schon einmal ein ordentlicher Anfang – und würden uns bei unserer Kalkulation eine wertvolle Hilfe sein.

Sehr unter der Pandemie leidet auch die Nachwuchsarbeit bei den Wild Wings Future. Wie sehen Sie diesen Bereich?

Grundsätzlich hätte ich mir bei den vielen nachvollziehbaren Lockdown-Maßnahmen schon noch gewünscht, dass beim Nachwuchs- und Breitensport individuell mit Sinn mehr gelockert wird. Dies wäre mit entsprechenden Konzepten unheimlich wichtig gewesen. Unsere vielen Nachwuchsspieler haben in dieser Pandemie sehr wertvolle Zeit der Ausbildung verloren. Ohne die finanziellen staatlichen Hilfen hätten wir bei unserer Nachwuchsarbeit wirklich große Probleme bekommen. Wir müssen aber positiv nach vorne schauen. Diese Krise hat uns in allen Lebensbereichen sehr viel vor Augen geführt. Wir müssen aus diesen Erfahrungen lernen.

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