Christoph Hoffmann ist nach dem Ausstieg aus der Bundespolitik noch vielfältig engagiert. Foto: Feuchter

Christoph Hoffmann aus Schliengen ist promovierter Diplom-Forstwirt, war zehn Jahre Bürgermeister in Bad Bellingen und zuletzt FDP-Bundestagsabgeordneter.

„Seit 1. April bin ich a.D.“, sagt Christoph Hoffmann schmunzelnd in seinem Holzhaus bei einer Tasse Kaffee. „Wenn man 25 Jahre lang in der Forstverwaltung tätig war und ständig mit dem Wald zu tun hatte, war es naheliegend, ein Holzhaus zu bauen“, erläutert er seine Verbundenheit zu dem nachwachsenden Rohstoff und wertvollen Baustoff.

 

Von „außer Dienst“ und Ruhestand kann bei dem Forstwissenschaftler, der in Schliengen aufgewachsen und bis heute gerne in der Weinbaugemeinde lebt, noch keine Rede sein. Dazu ist der 67-Jährige zu agil und umtriebig. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeiten seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag ist die Vermittlung von Auszubildenden aus Schwellenländern, vor allem aus Vietnam und Kenia.

Permanentes Schlafdefizit

Seine Zeit in Berlin als Bundestagsabgeordneter will er nicht missen, auch wenn man durch die Vielzahl an Terminen, Sitzungen, Diskussionen, parlamentarische Abende, Firmenbesuche und Veranstaltungen „permanent unter einem Schlafdefizit leidet“. Dafür seien die Aufgaben als Bundespolitiker zu vielschichtig, spannend und interessant. „Man ist von Montag bis Freitag völlig durchgetaktet, und dann kommen noch die Wochenendtermine im Wahlkreis hinzu“, beschreibt Hoffmann sein Pensum.

„Als Abgeordneter ist man in einer Blase drin“, resümiert der 67-Jährige, der es nicht gut findet, dass viele Abgeordnete keinen Bezug zur Praxis hätten, weil sie direkt nach dem Studium in die Politik wechseln. Er dagegen bezeichnet seine 25-jährige Tätigkeit in der Forstverwaltung für das Land Baden-Württemberg und danach seine gesammelten kommunalpolitischen Erfahrungen als Bad Bellinger Bürgermeister von 2007 bis 2017 als „beste Vorbildung“ für seine Abgeordnetentätigkeit.

Zweites Studium in Amerika

Und erfahrungsreich war auch sein dreijähriges zweites Studium der Forstgenetik in Amerika von 1989 bis 1992, als er seine Frau Cordula, eine Lehrerin, begleitete, die dort beruflich einen Dreijahresvertrag erfüllte. Ebenso lehrreich war sein zweijähriger Aufenthalt in Afrika, als er an der Elfenbeinküste als Förster Entwicklungsarbeit zur Rettung des Tropenwaldes leistete.

Dass die FDP nach der Bundestagswahl im Februar aus dem Parlament geflogen ist, schmerzt Christoph Hoffmann. Seinen Ausstieg aus der großen Politik hatte der Vorsitzende des FDP-Ortsvereins Markgräflerland allerdings schon vor der Bundestagswahl angekündigt.

„Deutschland braucht eine liberale Partei“, betont Hoffmann. Deshalb will er sich beim bevorstehenden Landtagswahlkampf für die FDP engagieren. Nach seiner Ansicht gibt es zu viele Subventionen und Förderprogramme. „Zu meiner Zeit als Bürgermeister gab es 800 Förderprogramme, von denen wir allenfalls 30 gebraucht haben“, beschreibt er das Dilemma. Ergo: Es müsse dringend Bürokratie abgebaut werden.

Arbeitskreis geleitet

Wer im Bundestag ist, von dem werde erwartet, dass er sich auf einen Themenbereich spezialisiert, stellt Christoph Hoffmann fest. Für den Vater eines erwachsenen Sohnes war es das Thema wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In diesem Bundestagsausschuss engagierte er sich als stellvertretender Vorsitzender, zudem leitete er einen entsprechenden Arbeitskreis.

Dieses Thema hat den Schliengener auch nach seinem Ausstieg aus der Bundespolitik nicht mehr losgelassen. Zusammen mit seinem ehemaligen Fraktionskollegen Carl-Julius Cronenberg hat er ein Projekt unter dem Motto „Vermitteln, Begleiten, Evaluieren“ ins Leben gerufen, bei dem es darum geht, in Schwellenländern wie Kenia und Vietnam Auszubildende für Unternehmen hier in der Region zu gewinnen.

Hoffmann, der viermal in Vietnam und schon mehrfach in Kenia war, nutzt dabei, wie er sagt, seine zahlreichen Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern im In- und Ausland sowie zu Unternehmen weltweit.

Weitere junge Leute kommen hierher

Erste Erfolge kann das Vorstandsmitglied in der Deutschen Afrika Stiftung vorweisen. Von 25 Schulen in Vietnam, an denen Deutsch unterrichtet wird, hat er vier ausgewählt. Vier Auszubildende hat er beispielsweise an Rewe im Untermünstertal vermittelt, wobei ein Vietnamese als Innungsbester seine Ausbildung abgeschlossen hat. Im März werden 20 weitere junge Leute hierher kommen, um eine Ausbildung als Pflegefachkraft, im Einzelhandel oder in einem Handwerksberuf zu machen.

„Wir brauchen Fachkräfte-Zuwanderung“, betont Hoffmann mit dem Zusatz, dass die Kenianer vorwiegend ein Handwerk wie Zimmerer und Maurer erlernen wollen. Nach der Ausbildung wollen sie noch etwa zehn Jahre hier in ihrem erlernten Beruf arbeiten, ehe sie in ihre Heimat zurückkehren. Eines zeichnet laut Hoffmann alle diese jungen Menschen aus: Sie haben eine sehr gute Schulausbildung, sind motiviert und wollen raus aus der Armut.

25 Marathons absolviert

Zum Ausgleich für seine nach wie vor zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten in Arbeitskreisen, Beiräten, Stiftungen und Vereinigungen läuft Christoph Hoffmann leidenschaftlich gerne. 25 Marathons hat er schon absolviert, zuletzt im Médoc. Auch Rad- und Skifahren gehören zu seinen sportlichen Aktivitäten.