Die Balinger Stadtverwaltung hält weiterhin am Christkindlesmarkt fest. Am kommenden Wochenende soll er stattfinden. Allerdings sagen immer mehr Vereine und Beschicker ihre Teilnahme ab.
Balingen - Wird der Christkindlesmarkt in Balingen am ersten Adventswochenende tatsächlich stattfinden? Das Rathaus beantwortet diese Frage am Montag wie schon in der vergangenen Woche: Ja, wird er. An der Lage habe sich nichts geändert, absagen wolle man die Großveranstaltung nicht.
Besondere rechtliche Stellung
Grund dafür ist die besondere rechtliche Stellung des Christkindlesmarkts: Es handelt sich nicht – wie andernorts – um eine "sonstige Veranstaltung", sondern um einen im rechtlichen Sinne festgesetzten Markt, auf dessen Durchführung die Händler einen Anspruch haben, solange es für eine Absage keine rechtliche Regelung gibt. Die gab es im vergangenen Jahr, als das Land angesichts von Corona alle Veranstaltungen mit mehr als 500 zu erwartenden Besuchern untersagte. In diesem Jahr gibt es eine solche Regelung in Baden-Württemberg – anders als etwa in Bayern – bisher – nicht. Deshalb soll der Markt durchgezogen werden. Obwohl es daran immer mehr Kritik gibt. Und obwohl eine Mehrheit im Gemeinderat sich in der vergangenen Woche bei einer Umfrage für eine Absage ausgesprochen hat.
Corona-Konzept steht
Oberbürgermeister Helmut Reitemann hatte zuletzt betont, dass man an der Durchführung festhalte: Das Konzept stehe – Zutritt für alle, Maskenpflicht, Speisen und Getränke nur mit 2G, Abstand, entsprechende Kontrollen, kein Bühnenprogramm –, und die Vereine und Beschicker seien bereit.
Derweil zeigt sich aktuell eine ganz andere Entwicklung: Immer mehr – vor allem Vereine – sagen ihre Teilnahme am Christkindlesmarkt ab. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist hatten nach Angaben der Stadtverwaltung 89 Vereine und gewerbliche Beschicker signalisiert, dabei sein zu wollen. Mittlerweile ist die Zahl der Teilnehmer, die ihre Stände entlang der Friedrichstraße zwischen Sparkasse und Torbrücke aufstellen wollen, deutlich geschrumpft: Stand Montag haben von diesen 89 Anmeldern 35 wieder zurückgezogen, davon 15 von Vereinen und 20 von gewerblichen Anbietern.
Deswegen wird es am Marktplatz, dem Zentrum des Markts, ein überschaubares Stand-Bild geben: Aktuell sind dort nur der TV Weilstetten und der HBW präsent. Alle anderen Vereine haben entweder gar nicht erst an- oder sich mittlerweile abgemeldet.
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"Glühwein Schlürfen nicht geboten"
Unter denjenigen, die sich zurückgezogen haben, ist zum Beispiel der Ortsverband der Balinger SPD. Dessen Vorsitzender Joke Herth nennt im Gespräch mit unserer Redaktion mehrere Gründe dafür: So sei es angesichts der aktuellen Corona-Lage und der Situation im Krankenhaus mit immer mehr Corona-Patienten "nicht geboten, Glühwein zu schlürfen". Zudem wolle er die Mitglieder schützen. Und Herth sagt zudem, dass er das Konzept für den Balinger Markt kritisch sehe: Jedermann könne dorthin kommen, richtige Einlasskontrollen seien nicht vorgesehen. Essen und Getränke dürften zwar nur an Personen ausgegeben, die einen Impf- oder Genesenennachweis haben – aber das lasse sich nicht konsequent überwachen: Es bestehe die Gefahr, dass Nicht-Geimpfte, Nicht-Genesene über Kumpels Essen und Getränke erhalten. So könne die 2G-Regel problemlos ausgehebelt werden.
Die Absage, erläutert Herth weiter, sei anders als in früheren Jahren für die Vereine kein Problem: Normalerweise müsse man mit der Anmeldung schon die Standgebühr und einen Abschlag der Stromrechnung berappen – wer dann absage, müsse davon immer noch die Hälfte bezahlen. In diesem Jahr drohe diese finanzielle Sanktion aber nicht, weil die Abrechnung erst nach dem Markt erfolgen soll.
Bäcker massiv betroffen
Einer, der von den vielen Absagen durch die Vereine massiv betroffen ist, ist Bäckermeister Thomas Koch in Engstlatt. Koch ist einer der Hauptlieferanten der Brötchen, die mit Bratwürsten serviert werden. In normalen Jahren habe er pro Markttag 7000 bis 8000 "Weckle" gebacken, er und seine Mitarbeiter schoben dafür Sonderschichten. In diesem Jahr liegt ihm – Stand Montag – nur die Bestellung eines einzigen Vereins über 700 Brötchen vor. Kein anderer habe bisher geordert.
"Wird ein Reinfall"
Dass ihm durch die Corona-Lage und die Nichtteilnahme vieler Vereine Geschäft flöten geht, sei das eine, so Koch. Andererseits sei es "einfach nicht gut, dass der Markt angesichts der aktuellen Situation stattfindet". Er prophezeit mit Blick aufs Wochenende und angesichts der vielen Absagen: "Der Christkindlesmarkt wird ein Reinfall."