Nicht nur die Besucherzahlen, auch die Aufwendungen für die Durchführung des Balinger Christkindlesmarkts steigen stetig. Foto: Beate Marschall

Vonseiten des Verwaltungsausschusses gibt es grünes Licht, die gewerbetreibenden Beschicker sind wenig erfreut: Die Stadt plant eine Erhöhung der Standgebühren beim Christkindlesmarkt.

Jetzt, mitten im Frühling, sind die Blicke der Verwaltung bereits auf ein Ereignis gerichtet, das Ende des Jahres traditionell einen Höhepunkt im Veranstaltungskalender markiert: der Christkindlesmarkt.​

 

Vor dem Hintergrund gestiegener Aufwendungen, insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Sicherheitskonzepte, Infrastruktur und Personal plant die Stadt Balingen eine Erhöhung der Standgebühren. Nicht davon betroffen sein sollen Vereine, Schulklassen, sozial-caritative Organisationen und das Kunsthandwerk; sprich Bereiche, die man „weiterhin gezielt unterstützen“ möchte.

Gewerbetreibende Beschicker sollen hingegen künftig tiefer in die Tasche greifen. Waren bislang 21 Euro je angefangenem laufendem Meter zu entrichten, müssten diese laut Plan fortan 50 Euro bezahlen (wir haben berichtet).

Mehrere Beweggründe

Wie Oberbürgermeister Dirk Abel in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses wissen ließ, habe sich nun der erste Vorsitzende der Bezirksstelle des Landesverbands Schausteller und Marktleute per E-Mail an die Stadtverwaltung gewandt und darin zum Ausdruck gebracht, dass seine Branche die Erhöhung nicht gutheiße.

Der Leiter der Stabstelle Wirtschaftsförderung, Niko Skarlatoudis, legte in der Sitzung deshalb nochmals die Beweggründe der Stadt dar.

Ein Grund für die geplante Gebührenanpassung seien die gestiegenen Kostenaufwendungen und Auflagen, nicht zuletzt in Bezug auf die Sicherheitsstruktur. Zudem liege man, was die Standgebühren betrifft, im Vergleich mit umliegenden Städten „auf unterdurchschnittlichem Niveau“, führte er vor Augen.

Angleich „längst überfällig“

In Albstadt etwa, so zeigt es der Vergleich, werden pro laufendem Meter Standfläche 100 bis 150 Euro fällig. „Da bewegen wir uns weit darunter“, machte Niko Skarlatoudis deutlich, dessen Recherche außerdem ergeben hat, dass die Gebühr von der Kaufkraft her in all den Jahren „rein real gesehen“ sogar deutlich gesunken sei.

„Eine Angleichung an die heutigen Rahmenbedingungen ist deshalb längst überfällig“, konstatierte er.

Gleichwohl würden 138 Prozent im ersten Moment natürlich viel erscheinen. Nicht vergessen werden dürfe allerdings, dass das qualitative Niveau des Marktes auch weiterhin aufrechterhalten werden soll.

In den vergangenen beiden Jahren sei es gelungen, nicht zuletzt durch das Kunsthandwerk „eine tolle Atmosphäre“ zu kreieren. Ein wichtiges Anliegen sei zudem, weiterhin gezielt die Vereine zu unterstützen. „Wir setzen hier stark auf lokale Identifikation“, so der Leiter der Stabstelle.

Schon am Freitag starten?

„Wir bieten einen qualitätvollen Markt“, betonte auch Erwin Feucht (Grüne) und fügte an: „Qualität hat ihren Preis.“ In Bezug auf die künftige Ausrichtung regte er an, auch den Freitagabend mit einzubeziehen. „Das wäre ein Mehrwert für die Besucher“, ist Erwin Feucht überzeugt. Und da sich bei der Umfrage zwei Drittel der Teilnehmenden dafür ausgesprochen hätten, „könnten wir diesen Schritt schon wagen.“

Niko Skarlatoudis sprach sich indes dafür aus, den dritten Markttag nicht schon in diesem Jahr zu etablieren, sondern den Blick stattdessen auf 2027 zu richten und dafür im Vorfeld nochmals eine Umfrage durchzuführen. „Lieber den Samstag und Sonntag richtig machen. Das ist besser als am Freitag womöglich mit einem halbleeren Markt zu starten“, gab er zu bedenken.

Für viele Vereine schwer

Diese Meinung teilte auch Klaus Hahn (CDU). „Ich bin nicht dafür, die Leute dazu zu zwingen“, erklärte er in Bezug auf einen potenziellen Marktstart am Freitag. Er selbst sei viele Jahre in Vereinen aktiv und wisse, wie schwer es sei, genügend Helfer zu finden. „Dann lieber am Samstag mit einem vollen Markt anfangen und nochmals eine Umfrage starten, als an einem Tag beginnen, an dem bei manchen Ständen noch das Licht aus ist. Was wäre das für ein Bild?“, gab er zu bedenken.

Auch Friedhelm Bossert (Freie Wähler) betonte, dass es für viele Vereine schwer sei, drei Tage zu stemmen. Er selbst halte es auch nicht für gut, den zusätzlichen Freitag und die Gebührenerhöhung gleichzeitig umzusetzen. „Lieber zuerst die Erhöhung und dann vielleicht den Freitag“, schlug er vor.

Sein Fraktionskollege Christof Seisser stellte die Frage in den Raum, ob während der Marktzeit eventuell nicht nur der Shuttlebus, sondern vielleicht sogar der gesamte Busverkehr kostenlos angeboten werden könnte. Das könnte nicht nur die Standbetreiber milde stimmen, „sondern wäre ein Gewinn für Gäste, Betreiber und Umwelt“, gab er zu bedenken.

Vorschlag soll geprüft werden

Wie Dirk Abel erklärte, soll der Vorschlag geprüft und, was den zusätzlichen Tag betrifft, bei den Standbetreibern nochmals „ganz konkret“ nachgefragt werden, ob sie schon am Freitag dabei sein wollen.

Auch Christoph Foth (FDP) regte an, den Freitag ausgiebig zu prüfen. Schließlich habe man mit „Weihnachten auf dem Kirchplatz“ schon eine Möglichkeit für Vereine geschaffen, auf Wunsch noch länger im Einsatz zu sein.

Wichtig ist aus seiner Sicht, die kleineren Vereine nicht zu verlieren. Denn der Christkindlesmarkt sei eine wichtige Einnahmequelle für sie. Die Gebührenerhöhung hielt er dagegen für „vertretbar.“ Vonseiten des Verwaltungsausschusses erfolgte am Ende einstimmig die Empfehlung an den Gemeinderat, die Gebühren wie vorgesehen anzupassen.