Sechs Siege in Serie, Vormarsch auf Platz fünf: Frisch Auf Göppingen spielt in der Handball-Bundesliga um die Europapokalplätze mit. Der Sportliche Leiter Christian Schöne spricht über die Erfolgsfaktoren, die Ambitionen und die Zukunft von Spielern.
Göppingen - Christian Schöne gehört nicht zu den Dampfplauderern der Handballszene. Der ehemalige Nationalspieler ist auch als Sportlicher Leiter des Bundesligisten Frisch Auf Göppingen eher ein Mann der leisen Töne. Doch vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr/EWS-Arena) gegen GWD Minden räumt der 40-Jährige ein: „Die Euphorie im Umfeld ist nachvollziehbar.“
Herr Schöne, wo soll die Frisch-Auf-Erfolgsserie noch enden?
(lacht) Mal schauen. Die Euphorie im Umfeld ist nachvollziehbar. Es fühlt sich alles sehr gut an, mehr aber auch nicht. Wir haben gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Spiele absolviert. Deshalb sagen wir auch, so blöd es klingen mag, wir blicken nur auf das nächste Spiel.
Sie stehen jetzt auf Platz fünf, der sehr wahrscheinlich für die Teilnahme an der European League reichen würde. Sie könnten doch auch sagen, wir tun alles dafür, dass wir diesen Platz nicht mehr hergeben.
Logisch, dass solche Fragen jetzt kommen. Aber vor nicht allzu langer Zeit stuften uns manche noch zwischen Platz elf und 14 ein. Warum sollten wir an unserem Saisonziel Top Ten etwas ändern? Warum sollten wir etwas über den Haufen werfen? Wir sind doch bisher gut damit gefahren.
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Den europäischen Wettbewerb weiß Frisch Auf aber schon zu schätzen?
Wir wissen den Europacup sogar sehr zu schätzen. Wir haben im vergangenen Jahrzehnt viermal den EHF-Pokal gewonnen und wissen, was das bedeutet. Aber aktuell ist das noch viel zu weit weg. Wir leben im Hier und Jetzt. Alles andere raubt uns Energie.
Sind Sie selbst etwas überrascht über die Erfolgsserie?
Nicht unbedingt, weil sie erklärbar ist. Wir haben unsere Abwehrstabilität behalten, hinzu kommt die enorme Leistungssteigerung bei Torwart Urh Kastelic. Im Tempospiel haben wir uns deutlich verbessert, im Angriff spielen wir strukturiert, geduldig, mit wenig Schwankungen und Fehlern. Alle Spieler sind physisch topfit. Man darf nicht vergessen, am Anfang der Saison kamen unsere Schlüsselspieler Sebastian Heymann und Nemanja Zelenovic aus langen Verletzungspausen zurück. Da konnten die Automatismen noch nicht wie gewünscht funktionieren.
„Erfolg ist der beste Psychologe“
Und Spielmacher Tim Kneule…
…ist ein Phänomen und befindet sich mit seinen 34 Jahren in absoluter Topform. Er braucht seinen Rhythmus. Bis zur Verletzung von Janus Smarason spielte er nur zehn bis 15 Minuten, jetzt hat Tim die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen. Erfolg ist nun mal der beste Psychologe und das beste Teambuilding.
Wird Rechtsaußen Marco Rentschler nach seinem Pfeifferschen Drüsenfieber in dieser Saison noch einmal aufs Handballfeld zurückkommen?
Ihm geht es besser. Die Ärzte haben Hoffnung, und ich wünsche es ihm auch.
Rentschler verlässt Frisch Auf am Saisonende mit unbekanntem Ziel, genauso Rückraumspieler Nicolai Theilinger, den es offenbar genauso wie Ihren Ex-Spieler Manuel Späth zum HSV Hamburg zieht. Können Sie das bestätigen?
Nein, ich habe zwar auch davon gehört, doch ich habe keine abschließenden Informationen.
An Nationalspieler Sebastian Heymann sollen die Rhein-Neckar Löwen, der SC Magdeburg und die Füchse Berlin dran sein. Können Sie seinen bis 2022 laufenden Vertrag verlängern?
Es ist ja kein Geheimnis, dass wir gerne mit ihm längerfristig weitermachen würden.