Hannovers Trainer Christian Prokop und Nationalspieler Renars Uscins (li.) haben in dieser Saison oft Grund zur Freude. Foto: //imago/Jan Huebner

Die TSV Hannover-Burgdorf mischt im Titelrennen der Handball-Bundesliga munter mit. Trainer Christian Prokop spricht vor dem Spiel gegen die SG BBM Bietigheim über das Erfolgsgeheimnis der Recken und die mögliche Verpflichtung von Marko Grgic.

Handball-Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf empfängt an diesem Donnerstag (19 Uhr) die SG BBM Bietigheim, am 6. April (16.30 Uhr) folgt das Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen, danach geht es fast nur noch gegen direkte Meisterschaftskonkurrenten. Trainer Christian Prokop schätzt die Lage ein.

 

Herr Prokop, bevor die dicken Brocken kommen, heißt es da für Ihr Team in den nächsten beiden Spielen Warmlaufen fürs heiße Titelrennen?

Wenn wir so denken würden, dann gäbe es böse Überraschungen. Wir werden genauso fokussiert weitermachen wie bisher, wir lassen uns nicht ablenken und werden nicht anfangen zu träumen. Der Schlüssel für unseren Erfolg ist, griffig und hungrig zu bleiben.

„Es klafft noch eine Lücke“

Ihr Aushängeschild Renars Uscins antwortete vor Kurzem aber auf die Frage nach seinem größten Traum, die Meisterschale für die TSV hochzurecken.

Träume für mittelfristige Ziele sind doch etwas Schönes. Wir haben hier eine ehrgeizige Mannschaft, eine gute Geschäftsstelle und ein enorm wachsendes Interesse in der Region Hannover, aber Realismus tut uns gut. Zu den namhaften Topteams der Liga klafft in Sachen Finanzen, Infrastruktur und individueller Qualität noch eine Lücke, die wir in Zukunft verkleinern wollen.

Warum stehen Sie dann mit Ihrem Team nach 23 Spieltagen punktgleich mit den Füchsen Berlin an der Spitze?

Wir spielen bisher eine richtig starke Saison, wofür es mehrere Gründe gibt. Dank unserer mannschaftlichen Geschlossenheit kämpfen wir 60 Minuten lang und haben viele Spiele in der Crunchtime gewonnen. Bayer Leverkusen hat das im Fußball in der vergangenen Saison auf die Spitze getrieben. Sie haben bis zum Abpfiff gekämpft und etliche Spiele in der Nachspielzeit gewonnen.

Am Ende feierte Bayer die deutsche Meisterschaft.

Unser Ziel ist es, die TSV Hannover-Burgdorf in den nächsten Jahren zu einem Topverein zu entwickeln. Da sind wir auf dem richtigen Weg. Wir feiern derzeit Handballfeste, erleben einen Zuschauerboom und spüren ein wachsendes Interesse von Sponsoren. Sie alle honorieren den emotionalen und attraktiven Handball unseres Teams.

Wie war es möglich, den Vertrag mit einem Ausnahmespieler wie Renars Uscins zu verlängern?

Dass er nach einem Wahnsinns-Olympia-Sommer Angebote von renommierteren, finanzstärkeren Clubs hatte, ist ein offenes Geheimnis. Er sieht in Hannover aber die Chance, sich und den Verein zu einer Topadresse zu entwickeln. Hier bekommt er Vertrauen und Spielzeit, hier darf er Fehler machen. Und natürlich wollen wir uns fürs internationale Geschäft qualifizieren. Dazu arbeiten wir weiter an unserer Konstanz.

„Es lohnt sich, zu uns zu kommen“

Neben Uscins spielen mit Justus Fischer, Marian Michalczik, Lukas Stutzke oder Joel Birlehm weitere Nationalspieler in Ihrem Team. Macht es Sie stolz, eine TSV Deutschland zu trainieren?

Es macht mich stolz, dass es sich herumspricht, dass wir eine gute Adresse sind, sich persönlich im Inland weiterzuentwickeln. Dass es sehr lohnend ist, zu uns ins Internat zu kommen und dann bei entsprechender Entwicklung die Chance auf Bundesligahandball zu erhalten.

Nicht mehr ins Internat kommen müsste Nationalspieler Marko Grgic, den Sie vom ThSV Eisenach loseisen wollen. Wie stehen die Chancen?

Unser Interesse ist groß. Wir hatten sehr gute persönliche Gespräche mit Marko, und die Ablösemodalitäten liegen nach längeren Verhandlungen mit dem ThSV auf dem Tisch. Doch er ist über die Saison hinaus an Eisenach gebunden, deshalb sind wir aktuell in der Zuschauerrolle. Wir sind von seinen Qualitäten überzeugt, die Zusammenarbeit wäre für beide Seiten sehr vielversprechend. Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.

„Frisch Auf kann sich freuen“

Sicher ist der Wechsel Ihres Rückraumspielers Martin Hanne im Sommer zu Frisch Auf Göppingen. Wie kam es dazu?

Frisch Auf kann sich freuen, sie bekommen einen sehr ehrgeizigen Profi, der alles Physische mitbringt, was man braucht, um wieder an die Tür zur Nationalmannschaft anzuklopfen.

Warum haben Sie ihn dann nicht gehalten?

Die Gespräche mit uns sind nicht so zügig verlaufen, wie Martin es sich gewünscht hätte. Wir wollten seine Entwicklung noch etwas weiter beobachten, vor allem, was das Thema Konstanz in seinen Leistungen betrifft. Aber ich gönne ihm den Wechsel, und ich glaube, er kann für ihn gewinnbringend sein. Bei meinem Frisch-Auf-Kollegen Ben Matschke wird Martin in guten Händen sein.

Was nahmen Sie eigentlich aus Ihrer Zeit als Bundestrainer mit?

Zunächst einmal hat mir diese Zeit viel Spaß gemacht und wichtige Erfahrungen gebracht. Jetzt bin ich sehr glücklich mit meiner Aufgabe in Hannover. Und als TSV Deutschland trägt man ja auch etwas zur Nationalmannschaft bei (lacht). Mitgenommen habe ich viel internationale Erfahrung. Und natürlich wertvolle Erkenntnisse und Entwicklungen als Trainerpersönlichkeit, wie ich beispielsweise mit verschiedenen Spielerprofilen und Charakteren erfolgreicher in Zukunft zusammenarbeite.

Der aktuelle Bundestrainer Alfred Gislason spricht nicht allzu viel mit seinen Spielern. Wäre ein jüngerer Typ wie Bennett Wiegert für die aktuelle Spielergeneration der Geeignetere?

Da werden Sie von mir keine Antwort bekommen. Mitentscheidend ist allerdings, wie wir in den Vereinen die Spieler entwickeln und stärken. Und da haben wir sehr, sehr gute Bundesligatrainer, wenn ich da nicht nur an Wiegert in Magdeburg denke, sondern auch schaue, welch konstant gute Arbeit bei den Füchsen, in Lemgo, in Gummersbach oder eben auch in Hannover geleistet wird. Von dieser Vereinstrainerqualität wird die Nationalmannschaft weiter profitieren.

Wer wird deutscher Meister?

Es wird ein ganz enges Ding, da bräuchte man hellseherische Fähigkeiten. Da ich die nicht habe, halte ich mich zurück. Wir haben große Lust, weiterhin für Spannung und Schwung in der Liga zu sorgen.

Gegen die Kleinen dürfen Sie dann nichts liegen lassen.

Wir schauen auf uns und wollen das nächste Spiel gewinnen.

Zur Person

Karriere
Christian Prokop wurde am 24. Dezember 1978 in Köthen geboren. Als aktiver Spieler war er u. a. für den Dessauer HV, den HC Wuppertal und GWD Minden am Ball. Insgesamt bestritt er 41 Bundesligaspiele. Er trainierte u. a. TuSEM Essen, den SC DHfK Leipzig und von 2017 bis 2020 die deutsche Nationalmannschaft. Seit 2021 coacht er die TSV Hannover-Burgdorf.

Persönliches
Prokop ist verheiratet mit Sabrina. Das Paar hat die Kinder Anna (11) und Luca (8). Er treibt gerne selbst Sport, fährt regelmäßig mit dem Mountainbike die 14 Kilometer vom Wohnort zur Trainingshalle. (jüf)